Uraufführung
«Test - The Rock Opera» und die Einzigartigkeit des Doppeltseins

Die Muttenzer Zwillinge Stefan und Daniel Raaflaub präsentieren ab Samstag ihr Musical «Test – The Rock Opera». Auch auf der Bühne spielen sie Zwillinge: Alex und Tony leben in einer Stadt voller genoptimierter Menschen und verlieben sich beide in die selbe Frau.

Céline Feller
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Die «Test»-Oper der Zwillinge Daniel (blaues Hemd) und Stefan (rotes Hemd) Raaflaub feiert am 20. Februar Welturaufführung in Basel.

Die «Test»-Oper der Zwillinge Daniel (blaues Hemd) und Stefan (rotes Hemd) Raaflaub feiert am 20. Februar Welturaufführung in Basel.

Kenneth Nars

Alex und Tony sind eineiige Zwillinge. Gemeinsam aufgewachsen in Happyville, verlieben sich die beiden in die gleiche Frau, Sophie. Sie streiten sich um ihre Gunst.

Stefan und Daniel sind ebenfalls eineiige Zwillinge. Gemeinsam aufgewachsen in Muttenz, verlieben sich die beiden in die gleiche Frau. In die Haare bekommen haben sie sich deshalb nicht. Denn sonst würden Stefan und Daniel Raaflaub ab Samstag nicht gemeinsam auf der Bühne des Scala stehen und dort die Rockoper «Test» präsentieren, die sie mit ihrer Produktionsfirma Happyville Productions zusammen mit James Sievert und Krista Jaquet entwickelt und produziert haben.

Seit etwa vier bis fünf Jahren arbeiten die beiden Zwillinge an ihrem Werk, nun feiern es am Samstag Welturaufführung. Die Rockoper dreht sich um die bioethische Frage rund um das Klonen von Menschen. Um Genmanipulation, Genoptimierung und Designer-Babies. Letzteres sind Alex und Tony – designt von ihren Eltern, um perfekt zu sein. Während Tony sich gut damit anfreunden konnte, sein Leben liebt und von allen anderen geliebt wird, ist Alex weniger angetan von diesen perfekten Menschen in Happyville, von denen einzig Sophie nicht genoptimiert ist. «Sophie ist die Hauptrolle, der rote Faden des Stücks», sagt Daniel Raaflaub.

So dreht sich die ganze Oper um dieses Liebesdreieck, dieses Drama zwischen den Zwillingen Tony und Alex. Dieses Grundwissen braucht es, wenn man sich die Show ansehen will, denn «wie in einer echten Oper ist alles durchkomponiert, Dialoge gibt es kaum», erklärt Stefan Raaflaub.

Keine Konserven-Musik

Unterstrichen wird der Opern-Charakter von einer Liveband mit vier Streichern und vier Bläsern – begleitet von einer Rockband, die natürlich für den Rock-Charakter der Show steht. Diese unterschiedlichen Musikrichtungen werden auch dazu eingesetzt, um die verschiedenen Charaktere zu begleiten. «Jede Person hat einen anderen Musikstil», so Stefan Raaflaub.

Sowohl seine Parts als auch jene seines Zwillingsbruders sind eher poppig, was auch mit dem Background der Beiden zusammenhängt. Stefan Raaflaub ist neben seinem Engagement bei «Test» noch in der Volxxpop-Band «voXXclub» engagiert und tourt mit ihnen durch die ganze Welt. So sagt er auch: «Ich bin ein Weltenbummler, ich brauche das, Basel ist mir noch zu klein.»

Ganz im Gegensatz zu seinem Zwillingsbruder Daniel, der sich in Basel niederlassen will. «Ich liebe das Reisen genauso, aber ich mag nicht mehr auf der ganzen Welt Auftritte haben.» Es ist einer der wenigen, grossen Unterschiede zwischen den Beiden. «Wir haben immer alles zusammen gemacht, waren immer zusammen. Deshalb waren wir früher auch noch ähnlicher als heute», so Stefan, der 15 Minuten älter ist als Daniel. «Wir waren zusammen im Knabenchor, haben zusammen Eishockey und Fussball gespielt und sogar das Gleiche studiert.»

Nach dem Studium in Geografie und Meteorologie gingen die heute 34-jährigen Zwillinge dann ein erstes Mal getrennte Wege: im Militär. Und später folgte noch die Trennung durch Landesgrenzen: Während Daniel in Wien seine Musical-Ausbildung absolvierte, lernte Stefan in Hamburg das Handwerk eines Musical-Darstellers. «Das hat uns ganz bestimmt sehr gut getan, dass wir gemerkt haben, dass wir auch ohne einander Wege gehen können», so Daniel.

Und das Klischee, dass Zwillinge jeden Tag miteinander telefonieren, reden die beiden weg. «Das war nicht nötig, wir wussten ja, dass unsere Beziehung auch ohne tägliches Telefonat gut bleibt», sagt Stefan. Es sei durchaus vorgekommen, dass sie fünf Wochen Nichts voneinander hörten. «Aber man spürt dennoch immer, wie es dem Anderen geht, das stimmt schon», sagt Daniel.

Und unterbewusst seien sie ohnehin immer verbunden. «Wir haben schon unabhängig voneinander an anderen Orten dasselbe Kleidungsstück gekauft. Früher haben wir uns darüber genervt, heute finden wir solche Dinge lustig.»

Absprache braucht es doch

Auch bei unserem Treffen haben sich Stefan und Daniel kleidungstechnisch abgesprochen. Denn sie wollten unterstreichen, wie speziell es sei, dass sie als Zwillinge gemeinsam auf der Bühne stehen. In einem Stück, das sie selber kreiert haben. Und in einem Stück, in dem sie auch noch Zwillinge verkörpern. «So etwas kommt sehr selten vor», so beide einstimmig. Es spare aber viel Probe-Zeit, da sie sich ohne üben zu müssen gleich bewegen, wissen, wo der andere steht, was er macht, wie er singt und auch noch gleich lachen.

Diese Konstellation von Zwillingen, die auf der Bühne Zwillinge spielen, sei in etwa so speziell, wie dass sich beide in die gleiche Frau verlieben – und die Frau sich nacheinander in sie. «Aber so wissen wir immerhin umso besser, was wir spielen», sagen Stefan und Daniel Raaflaub und lachen.

Test – The Rock Opera. Ab Samstag, 20. Februar bis 6. März im Scala Basel. Täglich ausser 22.2, 24.2., 29.2. und 2.3. jeweils um 19.30 Uhr, sonntags um 17 Uhr. Show in englischer Sprache mit deutschen Untertiteln.

Weitere Infos und Tickets unter www.testrockopera.com.

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