Öffentlicher Verkehr
Tarif-Chaos: Das GA ist einmal gültig und einmal nicht

Die Abschaffung der Gültigkeit von GA und Halbtax auf dem deutschen Abschnitt der Tramlinie 8 soll Transparenz für BVB-Kunden schaffen. Ein Blick auf die grenzüberschreitenden Tarife von BLT und der Basler Personenschifffahrt zeigt aber: Der Dreiland-öV bleibt eine Wissenschaft für sich.

Peter Schenk
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Auf der «Lällekönig» gilt das GA immer und überall.

Auf der «Lällekönig» gilt das GA immer und überall.

Kenneth Nars

Indem sie die Gültigkeit von GA und Halbtax auf der deutschen Tramstrecke nach Weil am Rhein zum Fahrplanwechsel abschaffen, wollen die Basler Verkehrs-Betriebe auch Transparenz für ihre Kunden schaffen. Dennoch wird das Durcheinander danach bestehen bleiben.

So bietet die Basler Personenschifffahrt (BPG) auf ihren Kursfahrten Halte in Weil am Rhein und Huningue an. «Das GA ist auf unseren Kursfahrten gültig. Das ist schon seit Beginn so und wird sich nicht ändern», schreiben die BPG auf Anfrage der bz. Das Gleiche gilt für das Halbtax, womit man auf den Linienfahrten 50 Prozent Ermässigung erhält. Beide Abos gelten also auch, wenn man im nahen Ausland ein- oder aussteigt.

Die Kursfahrten nach Rheinfelden beginnen am Dreiländereck und gehen von dort erst nach Weil und dann nach Huningue, bei der Rückfahrt von Rheinfelden zum Dreiländereck halten sie wieder an beiden Orten. Ausserdem gibt es Fahrten mit einem Lunch Boat sowie Stadt- und Hafenrundfahrten, bei denen die Abos auch gültig sind. «Die Anlegestellen werden durch die Gemeinden unterhalten», erklärt BPG-Geschäftsführer Peter Stalder. Die ausländischen Stationen würden regelmässig genutzt. «Weil etwas mehr als Huningue. Wobei das wohl auch an der Brücke liegt», fährt er fort. Mit der Tramanbindung sei die Nutzung der Anlegestelle Weil etwas abgeflaut. Vielleicht ändert sich das wieder, wenn das GA nicht mehr auf dem Tram gültig ist?

Claudia Demel, BVB-Mediensprecherin, verweist darauf, dass das Vorgehen der BPG aus touristischer Sicht sicher sinnvoll sei. Sie präzisiert: «Die BPG ist jedoch nicht Partner im TNW (Tarifverbund Nordwestschweiz), somit sind auch die Verbundfahrausweise wie das U-Abo nicht gültig.»

Mit dem GA nach Leymen (F)

Ähnlich ist es auf den Fahrten der BLT-Linie 10 ins französische Leymen geregelt: Keine Rede davon, von den Fahrgästen, die im Elsass aussteigen, ein besonderes Entgelt zu verlangen. GA und Halbtax sind natürlich auf der Strecke gültig. Demel argumentiert, dass der deutsche Abschnitt in Weil mehrere Haltestellen umfasse und so auch im Binnenverkehr nutzbar sei. Ganz im Gegensatz zur genannten BLT-Linie. «Leymen ist eine einzelne französische Haltestelle innerhalb des Schweizer Netzes. Das heisst, sowohl die Haltestellen vor und nach Leymen befinden sich auf schweizerischem Boden. Deshalb wird auch die Haltestelle Leymen als Teil des TNW betrachtet.» Genauso sieht das auch die BLT selbst.

Erhebliche Preisunterschiede ergeben sich, wenn man mit der S-Bahn vom Basler Bahnhof SBB nach Lörrach fährt – ein Beispiel für den Wirrwarr, der bei der Tarifgestaltung im öV im Dreiland gilt und auch weiter gelten wird. Hier kann man mit GA und U-Abo zwar ein Anschlussbillett für 2.80 CHF lösen, merkwürdig aber wird es für die Fahrgäste, die keines der beiden Abos haben. Der TNW-Automat verlangt für die Strecke, auf der das Halbtax nicht gültig ist, 4.40 CHF oder 4.20 Euro.

Rund einen Franken sparen

Billiger kommt es, wenn man sein Ticket erst am Automaten des Regio Verkehrsverbunds Lörrach (RVL) löst, der am Gleis 2 steht, wo die S-Bahn ins Wiesental im Bahnhof SBB abfährt. Hier kostet das Billett nur noch 3.10 Euro, also rund einen Franken weniger, für exakt die gleiche Leistung. An zwei Automaten im selben Bahnhofsgebäude. Transparenz ist etwas anderes. Die BVB-Mediensprecherin räumt ein, dass es im grenzüberschreitenden Verkehr im Dreiland «verschiedene Lösungen für Tarifangebote gibt, die für die Kunden wenig transparent sind.» Grund für den Preisunterschied sei die Überlappung von TNW und RVL. Mit dem RVL-Ticket für 2 Zonen für 3.10 Euro könne man in die RVL-Zone 1 fahren, dürfe zwischen Basel SBB und Landesgrenze aber nur die S-Bahn benutzen. Umgekehrt ermögliche das TNW-2-Zonen-Billett für 4.40 CHF, von der gesamten TNW-Zone 10 mit allen Verkehrsmitteln in die RVL-Zone 1 fahren.

Alles verstanden? Der Dreiland-öV bleibt eine Wissenschaft für sich. Zum Glück gibt es die Internetseite www.triregio.info, die breit über die verschiedenen Tarife informiert. Man darf nur die Adresse nicht vergessen und auch hier gibt es einen Haken: Sie ist nicht immer ganz aktuell. So kostet ein Einzelfahrschein von der Schifflände mit dem Distribus nach Saint-Louis oder Huningue laut Internetseite 1.30 Euro. Der Preis wurde allerdings schon am 1. Juli auf 1.50 Euro angehoben. Aber zugegeben: Teuer ist das wirklich nicht.

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