Strafgericht Baselland
Schäferhund greift Frau und Kind an – Halterin muss Genugtuung zahlen

Als sie sich schützend auf ihre Nichte warf, wurde eine Baselbieterin im Juni 2019 schwer von einem Schäferhund verletzt. Das Strafgericht hat nun entschieden: Die Hundehalterin muss Genugtuungen zahlen.

Kelly Spielmann
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Die Frau habe der Hündin selber nicht getraut, argumentierte das Gericht (Symbolbild).

Die Frau habe der Hündin selber nicht getraut, argumentierte das Gericht (Symbolbild).

Andrea Stalder

Sie hätte es besser wissen müssen. So lässt sich die Begründung des Strafgerichtspräsidenten Robert Karrer zusammenfassen, als er gestern Donnerstag einer Hundehalterin ihr Urteil vorlas. Ihre deutsche Schäferhündin hatte im Juni 2019 ein Mädchen angegriffen und deren Tante, eine Freundin der Halterin, schwer verletzt.

Die Hundehalterin wurde nun zu einer bedingten Freiheitsstrafe von neun Monaten und einer Busse von 500 Franken verurteilt. Dies wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung, fahrlässiger einfacher Körperverletzung und Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz.

Zusätzlich erhält die Freundin eine Genugtuung von 30'000 Franken sowie eine Entschädigung von rund 5300 Franken, deren Nichte eine Genugtuung von 20'000 und eine Entschädigung von rund 3900 Franken. Auch Schadenersatz muss die Baselbieterin zahlen. Weil der Heilungsprozess und die Behandlungen der beiden Opfer noch nicht abgeschlossen sind, ist der Betrag noch unklar. Das Gericht hat aber anerkannt, dass die Halterin für die Folgen vollumfänglich haftpflichtig ist.

«Eher unsicher und nervlich schwach»

Besser wissen hätte sie als erfahrene Schäferhundehalterin und -züchterin müssen, dass ihre damals 37-jährige Freundin nicht die richtige Person war, um sich um den Hund zu kümmern. Dabei hätte sie den Charakter ihrer Schäferhündin berücksichtigen müssen. Karrer:

«Sie ist kein Familienhund, sondern in erster Linie ein Sporthund, eine Gebrauchshunderasse.»

Weiter habe die Beschuldigte selber gesagt, die Hündin sei eher unsicher und nervlich schwach. Wenn Gäste zu Besuch waren, habe die Frau die Hündin in einer Transportbox eingesperrt. Sie habe dem Tier also selber nicht getraut. Dass die Schäferhündin gefährlich sein könne, habe auch der Zwischenfall gezeigt, bei dem sie einen anderen Hund angegriffen habe: Sie habe damals nicht nur zugebissen, um ihr Revier zu verteidigen, sondern den Terrier regelrecht aufgeschlitzt. Auch die Tochter der Halterin, die dabei war und die Hündin gut kannte, habe nicht verhindern können, dass die Situation ausartet.

Weiter habe sie gewusst, dass ihre Freundin weder über die Erfahrung noch über die Bindung zur Hündin verfügte, um sich alleine um sie zu kümmern. Experten seien der Meinung, dass die Hündin eine korrekte und vorausschauende Führung erfordere, damit sie nicht gefährlicher ist als andere Hunde. Und: Sie dürfe nur gefahrlos anderen Personen anvertraut werden, die den Hund bereits gut kennen und mit grossen Hunden vertraut sind. Das Opfer, Besitzerin eines Mops-Mischlings, hat aber lediglich den obligatorischen Hundekurs absolviert.

Gefahren gekannt und gehofft, dass nichts passiert

Dass sie im Moment des Angriffs also falsch reagiert habe, indem sie kein Kommando gegeben hat, wie dies die Verteidigung behauptete, sei nicht der Fall, so Karrer.

«Sie hat nicht falsch reagiert, sie hat es schlicht nicht gewusst.»

Nur in einer Sache war das Gericht mit der Verteidigung einig: Gewusst, dass die Nichte der Freundin mitkommt, habe die Frau wohl nicht. Das zeige Whatsapp-Nachricht, die sie im Anschluss an den Vorfall versendete: «Was macht dä schiss Goof debi, das esch eso ned abgmacht gsi.» Aber: Sie hätte die Möglichkeit in Betracht ziehen müssen. Sie habe die Gefahren gekannt ­– und darauf vertraut, dass nichts passieren würde. Das Urteil kann noch weitergezogen werden.

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