Strafgericht

Staatsanwalt fordert acht Jahre für Spielzeugpistolen-Räuber

Die Spielzeugpistolen der Täter  von einem Augenzeugen als solche erkannt.

Die Spielzeugpistolen der Täter von einem Augenzeugen als solche erkannt.

Ein 21-Jähriger muss sich für den Überfall auf eine Post in Riehen verantworten, bei dem ihn ein Rentner in die Flucht schlug. Ihm droht eine härtere Bestrafung als seinem Mittäter, bei dem in Deutschland das Jugendstrafrecht angewendet wurde.

Es ging alles ganz schnell: An einem Nachmittag im Oktober 2014 stürmten zwei Männer mit Dreiecktüchern um das Gesicht und mit Spielzeugpistolen bewaffnet in die Post an der Bahnhofstrasse in Riehen und forderten, dass Geld in ihre Sportbeutel gepackt werde. Doch es gab Widerstand: Unter den Kunden befand sich ein 80-jähriger Mann, der am Lauf der Waffe erkannte, dass die Pistole nicht echt war.

«Ich bin im Dienst Feldweibel. Ich weiss, wie eine Pistole aussieht», schilderte der 80-jährige Zeuge gestern Mittwoch vor dem Basler Strafgericht den Überfall. «Dann habe ich ihn gepackt. Aber weil ich kurz vorher eine Knieoperation hatte, konnte er sich wieder losreissen und flüchten».

Mit «er» meinte der Zeuge den 21-jährigen Angeklagten, der sich seit Mittwoch vor Gericht für den Überfall verantworten muss. Direkt identifizieren konnte ihn der Zeuge allerdings nicht. Der Angeklagte bestreitet die Vorwürfe und wollte vor Gericht nichts sagen. Identifiziert wurde er durch DNA-Spuren auf den Sportbeuteln, die die zwei Täter in der Post zurückgelassen hatten. Seine Verteidigerin monierte allerdings, ihr Mandant könne auch lange vorher zufällig mit den Taschen in Berührung gekommen sein.

In Deutschland Jugendstrafrecht

Dem zweiten Täter hatte man bereits in Lörrach den Prozess gemacht, er wurde vor wenigen Wochen zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 22 Monaten verurteilt. Das relativ milde Strafmass kam zustande, weil in Deutschland die Gerichte bei Tätern bis zum 20. Altersjahr noch das Jugendstrafrecht anwenden können. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig.

Wegen Veloklaus verhaftet

Der zum Tatzeitpunkt 19- und heute 21-jährige Angeklagte hingegen unterliegt in der Schweiz dem Erwachsenenstrafrecht. Staatsanwalt Arvind Jagtap forderte für ihn eine Freiheitsstrafe von acht Jahren wegen versuchten Raubes und Geiselnahme. Der Mann stammt aus Russland, ist in Grenzach aufgewachsen und in Deutschland wegen Raubes bereits vorbestraft: Eine Jugendstrafe von zwei Jahren schob man auf, statt dessen sollte er Sozialstunden leisten und sich bei den Arbeitsvermittlungszentren melden. Bislang hat er keine Ausbildung abgeschlossen.

Verhaftet wurde er wegen des Überfalles in Riehen allerdings erst, als er im November 2015 um drei Uhr morgens direkt vor dem Basler Claraposten ein Velo klaute. Seither sitzt er in Untersuchungshaft, und die deutschen Behörden haben seine Bewährung für die Vorstrafe inzwischen widerrufen: Die zwei Jahre muss er nun auf jeden Fall absitzen.

«Kaltblütig und skrupellos»

Seine Verteidigerin betonte, die rund 30 Kunden und Angestellten in der Postfiliale hätten widersprüchliche Aussagen über die Grösse und Statur der Täter gemacht, auch der genaue Tatablauf sei völlig unklar. Sie forderte Freisprüche, bei einem Schuldspruch sei mindestens das milde Strafmass des Mittäters als Vergleich heranzuziehen.«Er ging völlig kaltblütig und skrupellos vor. Er hat unter anderem auch ältere Leute und eine Mutter mit ihrem dreijährigen Kind in Todesangst versetzt», argumentierte hingegen Staatsanwalt Arvind Jagtap. Viele Leute hätten nicht erkannt, dass sie nicht mit einer echten Waffe bedroht werden. Das Gericht fällt sein Urteil morgen Freitag.

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