Basler Stadtreinigung
Sperrmüll auf die Strasse: Sogar der Stadtreinigungs-Chef findet die «Gratis zum Mitnehmen»-Kultur gut

Im Herbst stellen die Basler vermehrt Sachen auf die Strasse, die sie nicht mehr benötigen. Anstelle einer Sperrmüll-Aufkleber liest man oft die Aufschrift «Gratis». Nicht alle erfreuen sich an diesem Grümpel auf den Strassen.

Rahel Koerfgen
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Zurzeit wird in Basel wieder besonders viel «Grümpel» vor die Haustüren gestellt. Nicht allen passt das. (Archivbild)

Zurzeit wird in Basel wieder besonders viel «Grümpel» vor die Haustüren gestellt. Nicht allen passt das. (Archivbild)

Martin Töngi

Herbstzeit ist Ausmistzeit. Wenn es draussen nasskalt ist, möchten es alle gemütlich und kuschelig haben zu Hause. Altgediente Möbel, Bücher und anderer Plunder, der Platz wegnimmt, passen nicht mehr ins Bild. Ein Weg, um Unliebsames möglichst schnell – und kostenlos – loszuwerden: Man stellt den «Grümpel» vor der Haustüre auf die Strasse und versieht das Möbelstück, die alte Pfanne oder die Kühlbox statt mit einem Sperrgut-Aufkleber mit dem Aufruf «Gratis zum Mitnehmen». Eine Anwohnerin des Gundeli erzählt: «Es vergeht kaum ein Tag, an dem in meiner Strasse nicht ein Sofa, ein Lattenrost oder alte Schallplatten rumstehen.»

Und zurzeit sind besonders viele Gratissachen auf der Allmend zu sehen, wie Dominik Egli, Leiter der Basler Stadtreinigung, bestätigt. «Entsprechend sind vermehrt Autos mit französischen Kennzeichen zu sehen, die die Strassen richtiggehend abscannen.» Woran es liegt, kann Egli nicht sagen, aber: «Prekär ist die Situation nicht, meine Teams müssen am Ende relativ wenig wegräumen, Extraschichten braucht es nicht. Das Meiste kommt innert weniger Stunden weg.» Diese Art der Abfallentsorgung, so Egli, gehöre längst zum «courant normal».

Ein Sofa, mit Plastik abgedeckt

Egli outet sich sogar als Fan: «Ich finde es eine super Sache, weil es ökologisch sinnvoll ist. So werden gebrauchte, aber noch verwendbare Dinge nicht verbrannt, sondern kommen an einem anderen Ort nochmals zum Einsatz.» Diese «super Sache», wie sie Egli beschreibt, gilt allerdings als verboten; Sperrgut darf ohne behördliche Marke nicht auf Allmend deponiert werden. Mehr noch: Laut dem Amt für Umwelt und Energie – es stellt auch die Abfalldetektive – macht man sich sogar strafbar. Egli sagt dazu: «Die Stadtreinigung wartet meist ab, bevor sie Sperrgut ohne Marke mitnimmt. Aber meist erledigt sich das Problem von selbst.» Wenn nicht, würden die Abfalldetektive des Amts für Umwelt und Energie eingeschaltet.

Seines Erachtens ginge es den meisten Entsorgern nicht darum, Müll loszuwerden: «Es wird Sorge zu den Sachen getragen, es steckt die klare Absicht dahinter, dass das Stück von einer Drittperson mitgenommen wird. Vor wenigen Tagen habe ich ein Sofa auf der Strasse gesehen, das mit Plastik abgedeckt war.»

Wo am meisten Sachen auf dem Trottoir feilgeboten werden, kann Egli nicht mit Sicherheit sagen. «Dort, wo die meisten Menschen leben, entsteht auch viel Abfall.» Somit komme das Phänomen am wenigsten im Gellert und auf dem Bruderholz vor, am meisten in den Kleinbasler Quartieren, dem St. Johann und dem Gundeli. Und da sind noch genug Sünder darunter, die völlig Unbrauchbares auf die Strasse stellen. Fausi Marti, Präsident des Neutralen Quartiervereins Gundeldingen (NQVG), sagt: «Teilweise ist es einfach Mist, der da rumsteht. Ein kaputter Stuhl zum Beispiel.» Verstärkt habe sich das Problem nach seinem Eindruck nicht, aber es sei schon ein bisschen in Mode gekommen, dass auch offensichtlicher Abfall mit einem «Gratis»-Zettel versehen würde. «Das kann es natürlich nicht sein. Ich plädiere für mehr Eigenverantwortung der Quartierbewohner.»

Die personelle Situation bei Stadtreinigung diskutieren

Auf politischer Ebene wünscht Marti sich, dass man die personelle Situation bei der Stadtreinigung diskutiert. Entgegen Eglis Einschätzung glaubt Marti nämlich, dass gewisse Teams immer wieder an ihre Grenzen stossen, da der Personalbestand knapp ist. Zumindest im Gundeli wird den Angestellten der Stadtreinigung an einem besonderen Anlass für ihren Einsatz gedankt: Jeweils im Dezember offerieren ihnen der NQVG und die IGG ein üppiges «Putzängeli-Zmorge».

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