Basel Tattoo

Sie pressen dem Dudelsack die Luft aus – die schönsten Bilder von der Premiere

Eine starke Ausgabe des Basel Tatoo bringt an der Premiere Freude an der Musik, Tulpen und griechischen Wein.

«Let me entertain you», ist nicht nur ein Song des Popmusikers Robbie Williams, sondern auch der diesjährige Leitspruch in der Arena des Basel Tattoos.

Den Auftakt machte die «Hellenic Navy Band». Die ganz in weiss auftretenden Griechen weckten mit ihren Klängen die Sehnsucht nach Meer, Sonne und Moussaka. Die Tänzerinnen tanzen Sirtaki, den griechischen Tanz, der aus dem Film «Alexis Sorbas» bekannt ist. Zum Schluss stimmte der Sänger «griechischer Wein» von Udo Jürgens an. Mit seinem griechischen Akzent in der Stimme eine authentische Interpretation, die auch Jürgens langjährigem Musikerkollegen Pepe Lienhard, der im Publikum sass, gefallen haben dürfte.

Eher Francine Jordi’s Geschmack dürfte die klassische Schnulze, die das Orchester der Königlich-Niederländischen Marechaussee zum Besten gab, getroffen haben: «Tulpen aus Amsterdam». Die Musiker verstanden es als Hommage an das Gastgeberland kleine Sequenzen unserer Nationalhymne einzuflechten.

Die «Red Hot Chilli Pipers» brachten Schwung in die Arena in dem sie klassische Dudelsack-Klänge rockig interpretierten. E-Gitarre, Violine und Dudelsack harmonieren und können eine Arena rocken – «Bagrock» nennen sie ihren Stil. Die Pipers zeigten auch die Entwicklung des schottischen Nationalinstrumentes vom Kriegs- zum Repräsentationsinstrument auf.

Beim «Scottish Act» gaben die in feinen Karo-Stoff gehüllten Damen und Herren ihr Bestes, das Publikum auf den nördlichen Teil der britischen Insel zu entführen. Die Wucht der vielen Instrumente, die Prägnanz der Töne und schlicht das dumpfe Röhren der Dudelsäcke katapultierten die Sinne in weite Moorlandschaften.

Für die exotischen Momente war die chinesische Delegation aus Shijizhuang zuständig. Mehrere als Löwen verkleidete Tänzer liessen die Tiere auf ihre Art echt wirken und verbreiteten die fernöstliche Kultur.

Heimliche Lieblinge des Abends waren die Hamburger Polizisten auf ihren heissen Öfen, Marke BMW Typ R50 (von 1956 bis 1964 gebaut). Die jüngeren Polizistinnen und Polizisten vollführten allerlei Kunststücke, die man sonst nur von Fahrradfahrern aus dem Zirkus kennt. Zum Schluss bildeten beinahe 20 Personen auf vier Motorrädern eine Pyramide – etwas, das die Polizei normalerweise nicht erlaubt.

Jonny Manuel, der bei der Casting-Show «America’s Got Talent» und auf You Tube Erfolge feierte, und Deirdre Brennan sangen sich in die Herzen des Publikums. Beide haben die Stimmen, die die kleinsten Nackenhäärchen noch aufstellen. Mit «One Moment in Time» oder «The Power of Love» interpretierten sie auch die entsprechenden Gänsehaut-Lieder: Es wurden die Mobiltelefone gezückt und das frühere «Feuerzeug-in-die-Höhe-halten» simuliert.

Unter den Premieren-Gästen war auch Aldo Schellenberg. Der stellvertretende Chef der Armee nahm den Formationen offiziell den Gruss ab. Die Ehre gaben sich die politischen Honorationen von Bürgerratspräsidentin Fabienne Beyerle über Regierungsrat Baschi Dürr bis hin zu Grossratspräsident Heiner Vischer.

Aus der Unterhaltungs- und Kunstszene waren David Bröckelmann, René Rindlisbacher, Bo Katzman oder Rolf Knie da. Mike Shiva sorgte für die positiven Schwingungen am Tattoo.

Der Einmarsch zum Finale wurde von vertrauten Piccolo-Klängen untermalt. Tattoo-Produzent Erik Juillard hat dazu aus seiner eigenen Clique die mehrfach preisgekrönte und erst 15-jährige Valeria Balmelli mit einem schönen Solo betraut. Dem Publikum gefiel die diesjährige Ausgabe des Tattoos. Es erhob sich von den Sitzen – nicht nur für die Nationalhymne, die viele mit vollen Kehlen mitsangen.

Es ist eine solide und spannende Ausgabe. Zudem zeigt es einmal mehr, wie vielfältig Militärmusik sein kann, ohne gleich Drill und Gewehre vor den Augen zu haben. Die Uhr an der Kasernenfassade zeigte während der gesamten Vorstellung auf drei vor zwölf, was keinesfalls als Omen für das Tattoo gewertet werden darf. Eher für diejenigen, die gerne noch Tickets hätten. Es gibt für alle Termine noch Karten und auch das Wetter soll in dieser Woche Tattoo-würdig sein.

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