Auftrags-Graffiti
Schutz-Graffiti statt Graffiti-Schutz: Zoff in der Basler Sprayer-Szene

Um Wände vor Graffiti zu schützen, gibt man einem Sprayer den Auftrag, diese zu verschönern. Legal bespraybare Flächen werden Mangelware – und die wenigen rechtmässigen Graffiti verschärfen die Problematik. Auf diese Weise werden die Basler Graffitikünstler gegeneinander ausgespielt.

Oliver Spiess
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Eine Seltenheit im Raum Basel: Im «Schänzli» werden Graffiti immerhin toleriert – zumindest auf Muttenzer Seite.

Eine Seltenheit im Raum Basel: Im «Schänzli» werden Graffiti immerhin toleriert – zumindest auf Muttenzer Seite.

Nicole Nars-Zimmer

«Sich gegenseitig zu übermalen gehört dazu, genauso wie das Rennen, wenn die Polizei auftaucht», sagt der Betreiber des Blogs «Wandschmuck Basel» und ehemalige Graffitokünstler Tommy Tombola. Er spricht zwei Aspekte an, die bei den Auftragsgraffiti verloren gegangen seien. Ihn stören die Abwertung der Graffiti und die Verdrängung durch Auftragswerke, wie sie vom Basler «Artstübli» betrieben werde.
Erst kürzlich lancierte Tombola eine Petition für mehr legal bespraybare Flächen in Basel und fand schnell über 250 Unterstützer. Darunter befinden sich auch namhafte Basler Künstler, die sich längst einen Namen in der internationalen Szene gemacht haben.

Graffitibekämpfung mit Streetart-Werken

Das Problem ist laut dem Petenten, dass die Auftragsvergabe keineswegs als Unterstützung der Graffitokultur fungieren. Jene legalen Graffiti seien fast immer dort angebracht, wo die Stadt zuvor mit illegalen zu kämpfen gehabt habe. Die Auftragsbilder werden dann oft mit einer Schutzlackschicht überzogen, um das Übersprayen zu verunmöglichen. Was Tombola als «etwas kreativeren Graffitischutz» bezeichnet, bestätigt auch Daniel Hofer, Mediensprecher des Bau- und Verkehrsdepartements: «Die Auftragsgraffiti reduzieren die Kosten für die Sauberhaltung der Wand und verschönern gleichzeitig den Ort.»

Die Folge: Während weniger privilegierte Sprayer immer noch keine Wände zur Verfügung haben, nehme legale Auftragsarbeit ihnen noch mehr Platz weg. «Es ist schon fast pervers, wie hier die Mitglieder der ‹Szene› – falls es so etwas überhaupt noch gibt – gegeneinander ausgespielt werden», so Tombola. Der international bekannte Basler Künstler
Bustart bestätigt das Problem. Nebst dem «Schänzli» seien ihm keine Flächen bekannt, die von der Stadt frei zur Verfügung gestellt würden. Und auch dort sei das Graffito nur toleriert, aber kein legaler Gast.

Die Stadtreinigung zeigt sich zur Kooperation bereit

«Artstübli»-Leiter Philipp Brogli stellt klar, für ein Gespräch betreffend neuer Flächen zur Verfügung zu stehen: «Mit der Stadtreinigung gibt es Gespräche zu diesem Thema, die man mit ihrem Leiter Dominik Egli und mir gerne weiter vertiefen kann.» Für jedermann absolut frei gestaltbare Wände seien gemäss Egli aber kein Thema – eine Vereinbarung sei Pflicht.

Auch Bustart weist auf die Wichtigkeit der Kommunikation hin: «Eine Organisation, die solche Wandbilder arrangiert, muss als Brücke zwischen beiden Seiten agieren.» Was die Aufnahme des direkten Dialogs hemme, seien Provokationen der Vergangenheit. Diese seien für böses Blut und das nach wie vor bestehende Bedürfnis nach Anonymität der Sprayer verantwortlich.

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