Klimawandel

Richtungswechsel: Mehr Baum- statt Bauvolumen

Wo geht es hier zu mehr Lebensqualität?

Wo geht es hier zu mehr Lebensqualität?

Hitze, Verdichtung, Trockenheit: Eine Ausstellung im Holzpark Klybeck öffnet die Augen für unseren Umgang mit dem urbanen Wald.

Machs wie die Sonnenuhr? Die heiteren Stunden können einem lang werden im sonnenverbrannten Basel, das zunehmend unter der Sommerhitze leidet. Wer sich nicht in die klimatisierte Kühle der Bürogebäude flüchtet, sucht den Schatten der Allmend-Bäume auf: 26000 sind im Baumkataster des Stadtkantons verzeichnet, 12000 davon säumen Strassenalleen. Auch sie schmachten, aber wer kümmert sich um ihre Bedürfnisse?

«Plan B. Bäume als Partner für eine klimafreundliche urbane Zukunft» heisst die kompakte und aufschlussreiche Ausstellung, die beim Holzpark Klybeck in einem der Pavillons eingerichtet ist und sich eben dieser Frage widmet. Kuratorin Julia Sommerfeld hat dafür eigens den Verein ­«Zentrale für Umweltausstellungen» gegründet. «Vor drei Jahren ist die Klima­erwärmung nicht nur in meiner Ratio angekommen», erklärt die Basler Eventmanagerin ihr Engagement, «sondern auch in meinem Herzen.»
Dabei setzt Sommerfeld auf die Kraft der Interdisziplinarität: Experten aus dem naturkundlichen Bereich, aber auch aus Kunst und Design spannen zusammen, um die Wichtigkeit eines begrünten Stadtraumes zu verdeutlichen. «Um einen ­gesellschaftlichen Wandel zu ­bewirken und die Menschen zu aktivieren, braucht es Kollaborationen», glaubt die Kuratorin.

Welchen Platz hat Natur in der Stadt?

Im Pavillon riecht es nach Holz, ein Summton schwellt an und ab. Das Geräusch stammt von einer Videoinstallation aus vier übereinander angeordneten Bildschirmen, auf dem sich ab­strakte Linien zu einem «Cyborgbaum» verbinden. «Grundlage sind die DNA-Sequenzen verschiedener Lebewesen wie Katzen oder Moose, die in Klang übersetzt werden», erklärt Sommerfeld. Die Grossstadtsinfonie ist das Zusammenspiel aller ­Lebensformen.

Auch die «Baumportraits» setzen sich aus verschiedenen ­Segmenten zusammen, diesmal aus Fotografien. Entstanden sind die Aufnahmen an drei unterschiedlichen Standorten (Stadt, Nutzwald, Nationalpark) und laden zum Vergleich ein: Welches Bild haben wir von der ­Natur, und wie viel Raum soll ihr zugestanden werden?

Für Katja Hugenschmidt, Präsidentin des Vereins Ökostadt Basel, sind gerade die Platzverhältnisse in der Stadt problematisch, wie sie in einem Videointerview ausführt. Zwar verfüge Basel-Stadt über ein Baumschutzgesetz, das schweizweit einzigartig sei. Allerdings hat sich die Bevölkerung auch für ein verdichtetes Bauen ausgesprochen, was zur Folge habe, dass die Ausnützungsziffer der Parzellen ausgereizt werde – auf Kosten der Bepflanzung. So schrumpfe das Baumvolumen zugunsten mickriger Designerbäumchen, die den Stadtbewohnern weniger Nutzen und vor allem Lebensqualität brächten, so Hugenschmidt.

Wie viel Städterinnen und Städter an ihren Bäumen haben, verdeutlicht Yvonne ­Aellen, ­Leiterin Grünflächenunterhalt des Kantons. Eine ­einzige ausgewachsene Eiche produziert Atemluft für 26 Menschen und beherbergt bis zu 1000 Insektenarten. Diese Biodiversität leide mit den neuen, exotischeren Arten, welche die Stadtgärtnerei als Ersatz für ausgebrannte Bäume plane. «Aber es ist wichtiger, dass sich ein Baum entfaltet, als dass er einheimisch ist.»

Ausstellung: «Roter Korsar», Uferstrasse 40. Bis 31. Oktober. Rahmenprogramm mit Waldbaden und Baumspaziergang unter: www.umweltausstellung.ch

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