Nachtigallenwäldeli
Rettungsplan für die «Kuppel»: Mäzene drängen auf Neubau ohne Einfluss des langjährigen Betreibers

Die Eröffnung der neuen «Kuppel» muss warten. Der langjährige Betreiber Simon Lutz wollte im Neubau auch einen Gastrobetrieb einrichten, konnte aber keine eigene Finanzierung aufbringen. Die Mäzene wiederum wollen nur die Jugendkultur unterstützen.

Christian Mensch und Daniel Ballmer
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Ein Bild aus zwei Zeiten: Das neue Nachtigallenwäldeli mit der alten «Kuppel» zum Zeitpunkt ihres Abrisses vor einem Jahr.

Ein Bild aus zwei Zeiten: Das neue Nachtigallenwäldeli mit der alten «Kuppel» zum Zeitpunkt ihres Abrisses vor einem Jahr.

Kenneth Nars

Am 10. Juni wird in Basel das Nachtigallenwäldeli für die Öffentlichkeit wieder geöffnet. Im neuen Park am Stadteingang zwischen Zoo und Heuwaage prangt jedoch eine Brache. Dort, wo eigentlich die neue «Kuppel» stehen sollte. Dieser Bau verzögert sich, seit Jahren schon. Nun soll 2020 der neue Kulturort in Betrieb gehen. Um ein Haar wäre das Projekt ganz gestorben.

Der Bau der drei neue Brücken beim Nachtigallenwäldeli – namens Amsel, Drossel und Fink. Das Foto stammt vom August 2016

Der Bau der drei neue Brücken beim Nachtigallenwäldeli – namens Amsel, Drossel und Fink. Das Foto stammt vom August 2016

Kenneth Nars

Schwierige Verhandlungen zwischen den anonymen Mäzenen, die bereit sind, rund fünf Millionen Franken aufzubringen, und der von Simon Lutz geführten Betreibergesellschaft QPL AG, zogen sich bereits über das ganze Jahr 2015 hin. Anfang 2016 zeichnete sich mit der Gründung einer Stiftung der Durchbruch ab. Plangemäss wurde die alte Kuppel abgerissen. Die Einreichung des Baugesuchs schien eine Formalie zu sein.

Ende 2016 wurde das Vorprojekt jedoch sistiert. Die Geldgeber hatten die Nase voll. In einer Krisensitzung zog der Stiftungsrat die Notbremse. Nur mit Mühe konnten die Mäzene davon überzeugt werden, nicht abzuspringen.

Grund für das Zerwürfnis sei gewesen, dass Lutz die neue Kuppel mit einem neuen Gastrobetrieb ergänzen wollte. Dafür wollten die Mäzene aber kein Geld aufwerfen. Ein Insider sagt: «Die Geldgeber haben immer klargestellt, dass sie einzig für die Basler Jugendkultur Mittel bereitstellen.»

Lutz konnte trotz mehrfachem Drängen keine eigene Finanzierung beibringen. Es heisst: «Die Geldgeber hatten das Gefühl, Lutz habe darauf gepokert, dass sie alles finanzieren würden.» Lutz mag über seine gestoppten Ausbaupläne nicht sprechen. Er sagt bloss: «Eine Renovation des ‹Acqua› ist angesagt, aber noch nicht spruchreif.»

Immerhin liegt nun seit Anfang Mai eine neue Vereinbarung zwischen den Geldgebern und der Stiftung vor. Stephan Werthmüller, Stiftungsrat sowie langjähriger Weggefährte von Lutz und Verwaltungsrat der QPL, erläutert: Zum einen wird das Bauprojekt für eine neue Kuppel nun ohne Gastroteil überarbeitet. Zum anderen werde der seit 2014 bestehende Baurechtsvertrag zwischen der QPL und der Stadt Basel um einem Nachtrag erweitert, der die Stiftung berücksichtigt, sowie ein neuer Unterbaurechtsvertrag zwischen der QPL und der Stiftung abgeschlossen.

Stiftung Kuppel

Bauherrin des neuen Kulturortes wird die Stiftung Kuppel. Die von der QPL AG gegründete Stiftung hat mit den anonymen Geldgebern Anfang Mai eine Vereinbarung abgeschlossen, unter welchen Bedingungen diese rund fünf Millionen Franken für den Neubau überweisen werden.

Nur eine Absichtserklärung

Die «Schweiz am Wochenende» hatte von den Immobilien Basel (IBS) mit Verweis auf das Öffentlichkeitsgesetz die Herausgabe des bestehenden Baurechtsvertrags verlangt. Mit der Begründung, solche privatwirtschaftlichen Verträge seien vom Öffentlichkeitsprinzip ausgenommen, wurde dies verweigert. Dagegen hat die Redaktion beim Regierungsrat Beschwerde eingereicht, die hängig ist.

Um kein Präjudiz zu riskieren, drängte die IBS-Rechtsabteilung die QPL, den Vertrag von sich aus offenzulegen. Dem ist Werthmüller nachgekommen. Aus dem nun vorliegenden Schriftstück erschliesst sich nicht nur, dass die QPL im Hinblick auf die Arbeiten im Nachtigallenwäldeli für zwei Jahre einen Rabatt von 30 Prozent zugesprochen erhielt, er zeigt vor allem: Die QPL erklärte darin zwar ihre «Absicht», einen Kuppelneubau zu errichten, vertraglich ist sie aber nicht verpflichtet, dies zu tun.

Kein Nachweis für Bandproberäume

Die Unverbindlichkeit überrascht. Immerhin sprach der Basler Grosse Rat 1,7 Millionen Franken, um im Untergeschoss acht Musikproberäume einzurichten. Der Kredit wurde 2011 erstmals gesprochen, verfiel und musste 2016 ein zweites Mal bewilligt werden. Ob Bedarf danach besteht, kann Philipp Bischof, Leiter Kultur im Präsidialdepartement, auf Anfrage nicht bestätigen. Dies sei nie gesondert evaluiert worden. Bei der Bedarfsanalyse zur Kaserne seien Bandproberäume allerdings kein Thema gewesen.

Die Geldgeber drängen nun auf eine klare Trennung zwischen Kuppel und Gastrobereich. Die kulturelle Ausrichtung soll auch in der Stiftung stärker zum Ausdruck kommen. Lutz wird als Präsident der Stiftung zurücktreten und das Zepter Tobit Schäfer, dem bisherigen Stiftungsrat und Geschäftsführer des Rockfördervereins übergeben. Offiziell kommuniziert wird der «Neustart» in einer Mitteilung, die am Montag verschickt wird.

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