Öffentlicher Verkehr
Politiker fordern Direktverbindung von Pratteln an Badischen Bahnhof – doch das ist nicht so einfach

Mindestens 24 Minuten dauert es heute, wenn man mit dem öffentlichen Verkehr von Pratteln an den Badischen Bahnhof will. Je nach Verbindung dauert der Weg auch mal 27, 28 oder 31 Minuten. Grund ist der Umweg über den Bahnhof Basel SBB und das dortige Umsteigen.

Kelly Spielmann
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Von Pratteln hat man mindestens 24 Minuten bis zum Badischen Bahnhof.

Von Pratteln hat man mindestens 24 Minuten bis zum Badischen Bahnhof.

Juri Junkov

SP-Grossrat Jörg Vitelli und SP-Landrat Thomas Noack wollen diese Fahrzeit halbieren. Eine S-Bahn-Tangentialverbindung soll direkt von Pratteln über Muttenz und die Haltestelle Solitude, die in den nächsten Jahren im Kleinbasel entstehen dürfte, an den Badischen Bahnhof fahren. Dazu reichen die Politiker in ihren jeweiligen Parlamenten einen Vorstoss ein.

«Chemie-Pendler-Zug» gab es bereits in den 1970ern

«Bis zum Herzstück-Ausbau dauert es noch 20 Jahre», sagt Jörg Vitelli, «bis dahin müsste die Möglichkeit bestehen, Zwischenetappen umzusetzen.» Die Idee liefert der «Chemie-Pendler-Zug», der 1976/77 kurzzeitig von Gelterkinden via Pratteln zum Badischen Bahnhof fuhr. «Damals gab es noch keine offenen Grenzen», daher sei es beim Versuch geblieben. «Heute haben wir im Kleinbasel aber viel mehr Arbeitsplätze als damals», sagt der Grossrat. Auch sollen in den nächsten Jahren in der Roche und auf dem Syngenta-Areal weitere Arbeitsplätze dazukommen.

Pro Weg könnten die Arbeitnehmenden nach Berechnungen der beiden Politiker 12 bis 15 Minuten sparen. Die Infrastruktur bestehe bereits teilweise. Auf der Güterverkehrsstrecke zwischen Muttenz und Badischem Bahnhof müssten aber neue Weichenverbindungen eingebaut werden, sagt Vitelli.

Auch die Joggeli-Haltestelle polarisiert

Die S-Bahn bietet immer wieder Anlass für politische Vorstösse. So war die Bahnstation St. Jakob öfter ein Thema – sie wird nur während Fussballspielen von Extrazügen angefahren. Bereits 2010 setzte sich die Baselbieter Bau- und Planungskommission (BPK) damit auseinander. Im damaligen BPK-Bericht hiess es, man habe den Wunsch nach einer häufigeren Nutzung – auch für die Besucher von Grün 80 und Gartenbad St. Jakob – geäussert. Diesem stünden aber «bahntechnische Hindernisse im Wege». So beispielsweise die starke Verflechtung von Güter- und Personenverkehr. Solange dieses Hindernis nicht beseitigt wird, sei keine Lösung in Sicht. Gegenwärtig finden im Gebiet Muttenz grosse Entflechtungsbauarbeiten statt. Es dürfte also nur eine Frage der Zeit sein, bis das Thema wiederkehrt.

Thomas Noack ist ebenso der Meinung, die Zeit bis zur Umsetzung des Basler Herzstücks dazu zu nutzen, punktuelle Verbesserungen zu realisieren. Die genannte Strecke eigne sich optimal dafür, weil «Aufwand und Ertrag übereinstimmen». Denn: «Momentan ist diese Strecke relativ umständlich.» Doch die Zeit, die man sparen könne, sei nicht der einzige Grund für das gemeinsame Postulat. «Zu Stosszeiten würde man auch den Bahnhof SBB entlasten», so Noack.

Doch wie steht es um die Chancen des Postulats? «Ich bin überzeugt, dass das mit gutem Willen und der richtigen Argumentation möglich sein sollte», sagt Noack. «Ausser, wir haben in der Umsetzung etwas wichtiges übersehen.»

Agglo Basel widerspricht: Vorstoss nicht umsetzbar

Beim Verein Agglo Basel, zu dem auch Trireno, die gemeinsame S-Bahn-Organisation der Kantone, gehört, widerspricht man. «Leider lassen die heute vorhandenen Bahnanlagen einen solchen S-Bahn-Betrieb nicht zu», erklärt Patrick Leypoldt, Geschäftsführer von Agglo Basel. Im Rahmen der Herzstückplanungen sei auch diese Verbindung angeschaut und letztlich verworfen worden. «Das Potenzial wurde als deutlich zu klein eingeschätzt», so Leypoldt. Einerseits werde die Kapazität auf der Strecke vom Rangierbahnhof in Muttenz bis zum Badischen Bahnhof vollständig vom Güterverkehr beansprucht. Andererseits bestehe in Richtung Norden keine direkte Gleisverbindung von Muttenz zum Badischen Bahnhof. Auch könnte die zukünftige Haltestelle Solitude wegen fehlender Weichenverbindungen und den Platzverhältnissen auf Kleinbasler Seite nicht bedient werden. «Für eine attraktive Direktführung wären somit umfangreiche Infrastrukturausbauten notwendig», folgert Leypoldt. Besonders, wenn man die 12 Minuten Zeitersparnis erreichen wolle.

Eine Finanzierung könnte das Bundesparlament frühestens 2026 für den nächsten Ausbauschritt der Bahninfrastruktur beschliessen. «An eine kurzfristige Realisierung ist somit nicht zu denken.» Und selbst, wenn diese möglich wäre: Die Umsetzung sei nur auf Kosten existierender Verbindungen nach Basel SBB realisierbar. Leypoldt: «Nach unserer Ansicht wäre das Potenzial zu klein im Vergleich zu den notwendigen Infrastrukturanpassungen.»

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