Pächterwechsel
Zwei langjährige Basler «Fährimänner» verabschieden sich in den Ruhestand

Auf der Klingental- und der St.-Johann-Fähre kommt es zu Pächterwechsel. «Fährimaa» Urs Zimmerli erinnert sich im Gespräch mit der bz an Rettungsaktionen, prominente Passagiere und Plaudereien. Wie auch sein Kollege Rémy Wirz übergibt er seine Fähre per 1. Januar 2023 an die jüngere Generation.

Aimee Baumgartner Jetzt kommentieren
Drucken
Urs Zimmerli ist seit 1992 Pächter der Klingental-Fähre.

Urs Zimmerli ist seit 1992 Pächter der Klingental-Fähre.

Kenneth Nars

30 Jahre lang folgte der «Fährimaa» Urs Zimmerli dem Klang der beiden Glocken am jeweiligen Rheinufer, empfing junge und alte sowie lokale, regionale, nationale und internationale Fahrgäste. Per Ende Jahr verabschiedet sich der Pächter der Klingental-Fähre (Vogel Gryff) nun in den wohlverdienten Ruhestand, wie die Stiftung Basler Fähren am Dienstag mitteilt.

Das Fährifahren wurde dem heute 65-Jährigen quasi in die Wiege gelegt. Sein Vater Walter Zimmerli übernahm 1962 die Pacht der alten Klingental-Fähre. «Ich habe immer wieder ausgeholfen, wenn viel los war – zum Beispiel an Silvester oder während der Fasnacht», erinnert sich Urs Zimmerli bei der Fahrt über den Rhein am Dienstagnachmittag.

Die neue Vogel-Gryff-Fähre wurde im Sommer 2012 eingeweiht.

Die neue Vogel-Gryff-Fähre wurde im Sommer 2012 eingeweiht.

Kenneth Nars

Die Fahrprüfung legte er anno 1973 ab. «Dass ich aber selbst irgendwann 30 Jahre lang Pächter bin, das hätte ich niemals gedacht.» Denn eine Karriere als «Fährimaa» strebte er aber nicht an. Stattdessen arbeitete Zimmerli hauptberuflich als Kranführer am Hafen.

Auch die Rolling Stones brachte er sicher über den Rhein

Doch Walter Zimmerli hatte andere Pläne für seinen Sohn. «Mein Vater wollte, dass ich die Fähre nach seinem Tod übernehme, weshalb ich mich auch verpflichtet gefühlt habe. Aber am Ende des Tages war es für mich eine Ehrensache», sagt Urs Zimmerli.

Die Rolling Stones traten im Sommer 1982 im alten St. Jakob-Stadion auf.

Die Rolling Stones traten im Sommer 1982 im alten St. Jakob-Stadion auf.

Keystone

In den vergangenen 30 Jahren hat er als «Fährimaa» viele Erinnerungen gesammelt. Gute, wie die vielen Gespräche mit seinen Gästen, freudige Feste und auch die Fasnachten auf der Fähre seien besonders. Und sogar die Rolling Stones chauffierte er schon über den Rhein.

Es gab aber auch schlechte wie wochenlange Zwangspausen aufgrund von Hochwasser, die Drogenproblematik, die das Miteinander am Rheinboard prägten und zuletzt die Ausfälle im Zusammenhang mit der Coronapandemie. Hinzu kommt, dass er auch schon mehrere Menschen aus dem Rhein retten musste – sei es, weil die keine Kraft mehr hatten oder weil sie plötzlich in Panik gerieten.

Der Blick aufs Handy statt auf den Rhein

Der «Fährimaa» erinnert sich gerne an die vergangenen Jahre zurück, sagt er und zündet sich in seinem Kabäuschen eine Zigarette an. «Früher konnte man noch mehr Sprüche machen. Heute ernte ich immer wieder schräge Blicke. Und auch die Wertschätzung der Gäste ist nicht mehr dieselbe.»

Urs Zimmerli auf seiner Fähre.

Urs Zimmerli auf seiner Fähre.

Kenneth Nars

Statt mit der Fahrerin oder dem Fahrer zu plaudern und die schöne Aussicht zu geniessen, würden heute viele auf ihr Handy starren. «Diese Entwicklung finde ich sehr schade», so der 65-Jährige.

Noch geniesst Urs Zimmerli jeden Tag, den er noch auf seiner Vogel-Gryff-Fähre hat. Er hätte noch Mumm gehabt für weitere ein oder zwei Jahre, «doch so ist es jetzt auch okay», sagt er. Der Entscheid, den Ende Jahr auslaufenden Pachtvertrag nicht zu verlängern, sei im beidseitigen Einvernehmen getroffen worden. Über die genauen Abläufe mit der Stiftung Basler Fähren und dem Fähri-Verein und über die Details seiner Pensionierung will er allerdings nicht sprechen.

Die beiden Nachfolger stehen bereits fest

Gar keinen Kommentar will Rémy Wirz (65) abgeben, der seit 18 Jahren der Pächter der St.-Johann-Fähre (Ueli) ist und dessen Vertrag ebenfalls Ende Jahr ausläuft. Und das trotz der wohlklingenden Worte in der Mitteilung der Stiftung Basler Fähren: «Wir danken Urs Zimmerli und Rémy Wirz herzlich für ihren langjährigen Einsatz, ihr Herzblut und ihre Liebe zu den Basler Fähren.»

Rémy Wirz ist seit 18 Jahren «Fährimaa» auf der Ueli Fähre.

Rémy Wirz ist seit 18 Jahren «Fährimaa» auf der Ueli Fähre.

Archivbild: Nicole Nars-Zimmer

Per 1. Januar 2023 werden die Vogel-Gryff- und die Ueli-Fähre in die Hände «einer jüngeren Generation» übergehen. Der Stiftungsrat hat mit Unterstützung des Präsidiums des Fähri-Vereins einstimmig über die Neuvergabe der Pachten entschieden. Die Schwengel der Klingental- und der St.-Johann-Fähre werden inskünftig Alex Guerrieri (Jahrgang 1985) und Michael Sackmann (Jahrgang 1994) umlegen. Guerrieri ist seit 2006 auf der Klingental-Fähre unterwegs und Sackmann seit 2014 auf der St.-Johann-Fähre.

0 Kommentare