Portrait
Nadja Schwarz ist Mami und Kaderfrau: Sie weiss, wie Mütter nach oben kommen

Nadja Schwarz hat ein Buch über Kinder und Karriere geschrieben. Sie selbst steht mitten in diesem «mega fordernden» Prozess.

Andreas Hirsbrunner
Merken
Drucken
Teilen
Ihr Alltag ist zwar «extrem getaktet», aber Nadja Schwarz würde alles wieder genau gleich machen.

Ihr Alltag ist zwar «extrem getaktet», aber Nadja Schwarz würde alles wieder genau gleich machen.

Juri Junkov

Die Mutter schmückte bei der Familie Schwarz in Basel auch dieses Jahr den Weihnachtsbaum. Wieso das von öffentlichem Interesse sein soll? Bei der Familie Schwarz verläuft sonst bei der Rollenverteilung kaum etwas nach traditionellem Muster. Und wie es bei dieser Familie funktioniert, das interessiert, weil die Mutter namens Nadja Schwarz kürzlich ein Buch unter dem provokativen Titel «Kinder und Karriere, aber richtig!» auf den Markt brachte. Schwarz selbst hat den Spagat geschafft – zumindest bis jetzt, denn sie ist erst 38 Jahre alt.

Bei den Kindern hat die gebürtige Appenzellerin, die es «der Liebe wegen» nach Basel verschlagen hat, das Attribut «richtig» unbestritten verdient: Sie hat vier Töchter im Alter von eineinhalb bis sieben Jahren. Auch bei der Karriere kann man ihr einen Erfolg nicht absprechen: Die studierte Medien- und Kommunikationswissenschaftlerin leitet im Vollzeitpensum den Bereich Unternehmenskommunikation einer mittelgrossen Bank. Ihr Mann, ein ausgebildeter Sekundarlehrer, ist in einem 80-Prozent-Pensum tätig, wenn man seine verschiedenen beruflichen Standbeine zusammenzählt.

Ich habe wahnsinnig Freude an den Kindern und am Job. Er ist auch mein Baby.

(Quelle: Nadja Schwarz, Mutter und Bank-Kaderfrau)

Die Frage liegt auf der Hand: Wie bringt man das alles unter einen Hut? Schwarz sagt: «Mit viel Organisation und Flexibilität. Aber einfach ist es nicht.» Vor allem morgens, wenn alle rechtzeitig aus dem Haus müssten, sei das Familienleben anspruchsvoll. Oder wenn ein Kind krank sei. Für sie und ihren Mann stimme es aber so. Und lächelnd ergänzt sie, dass Corona mit viel Homeoffice zumindest die hektischen Morgenstunden entschleunige.

Ohne Entgegenkommen der Arbeitgeber gehts nicht

Schwarz, selbst in einer sechsköpfigen Familie aufgewachsen, bei der die Mutter die berufliche Tätigkeit beibehielt, ging ihre Familienplanung strategisch an: «Mir war immer klar, dass ich Kinder haben und arbeiten wollte.» Ihr Mann habe von Anfang an am gleichen Strick gezogen und das Ziel habe geheissen, dass beide auch als Eltern gleichberechtigt ihre beruflichen Pläne verfolgen möchten.

Schwarz’ Traumjob war Journalistin, «weil mich die Menschen und ihre Geschichten interessieren und ich wahnsinnig gerne schreibe». Nach ein paar Jahren in diesem Metier musste sie aber konstatieren, dass der zeitlich wenig flexible Tagesjournalismus nicht mit ihrer Vorstellung von Beruf und Familie vereinbar war. Gezielt habe sie darauf einen Job gesucht, der das ermögliche. Ihre Vorgaben: Sie wollte auch mit Kindern mindestens in einem 80-Prozent-Pensum arbeiten und es durfte nicht viel Zeit fürs Pendeln draufgehen. Also landete sie vor neun Jahren als Kommunikationsspezialistin bei der Bank, bei der sie noch heute tätig ist.

Ihre persönlichen Beobachtungen liess sie auch in ihr Buch einfliessen

Daneben finden sich darin vor allem Ergebnisse diverser Untersuchungen sowie Interviews mit Expertinnen und Experten aus der Wirtschaft, die Schwarz zum Thema Frauen in der Arbeitswelt befragte. Die wichtigsten Erkenntnisse: Frauen, die auch mit Kindern Karriere machen wollen, sollten mindestens in einem 80-Prozent-Pensum arbeiten. Denn sonst werden sie in wichtigen Positionen zum Nadelöhr und landen früher oder später in einer Assistentenrolle mit zudienender Funktion. Die Arbeitgeber, die davon profitieren, wenn fähige Frauen beruflich am Ball bleiben, sollten eine betriebliche Kultur bieten, die Müttern das Arbeiten in höheren Pensen überhaupt ermöglicht.

Das heisst vor allem Flexibilität

«Örtlich flexibel zu arbeiten, erspart an gewissen Tagen den Arbeitsweg. Zeitliche Flexibilität ermöglicht tagsüber Zeit mit den Kindern, ohne dass das Pensum reduziert werden muss», sagt Schwarz. Diese modernen Arbeitsmodelle sollten vermehrt auch von Männern genutzt werden können.

Denn wenn auch sie von familienfreundlichen Arbeitsbedingungen profitieren, erhöht das wiederum die Chancen der Frauen, Kinder und Karriere unter einen Hut zu bringen. Als einen der Gründe, warum in jungen Familien häufiger die Frauen als die Männer ihr Pensum zugunsten der Kinderbetreuung reduzieren, identifiziert Schwarz das Lohngefälle: Verdient sie deutlich weniger als er, wird in den meisten Fällen das klassische Schweizer Modell mit dem Vater als Ernährer und der Mutter als Zuverdienerin gewählt.

Es fehlt manchmal an Zeit, Energie und Nerven

Zurück zum Familienleben der Buchautorin. Nadja Schwarz musste erkennen, dass sich dieses nicht auf längere Sicht konstant organisieren lässt. Sobald zum Beispiel das erste Kind das Schulalter erreichte, habe sich die Situation für die ganze Familie verändert. Schwarz: «Das Leben mit Kindern ist ein Aneinanderreihen von Phasen und wir fragen uns regelmässig: Was müssen wir ändern? Wie können wir optimieren?» Derzeit gilt bei Familie Schwarz: Zwei Kinder gehen in die Schule und nutzen das Tagesstruktur-Angebot des Schulhauses, zwei Kinder gehen zu 60 Prozent in die Kita. An drei Nachmittagen sorgt der Vater, an einem die Mutter für die Kinder.

Die Stärke eines solchen Familienmodells sei, dass beide Elternteile eine aktive Rolle im Leben der Kinder einnähmen und gleichzeitig ihre beruflichen Pläne weiterverfolgen könnten. Zur Schwäche meint Schwarz: «Das ist die latente Ressourcenknappheit bezüglich Zeit, Energie und Nerven.» Ihr Alltag sei extrem getaktet, indem sie jede freie Minute nutze und etwa während des Pendelns Weihnachtsgeschenke online bestellt habe. Und abends, wenn die Kinder schlafen, schreibt die Mutter Konzepte oder beantwortet Mails.

Wenn sie nochmals von vorne begänne, was würde sie anders machen? «Nichts. Es ist zwar mega streng und fordernd. Aber ich habe wahnsinnig Freude an den Kindern und an meinem Job. Er ist auch mein Baby.» Ihr Buch übrigens hat sie zur Hauptsache während des Mutterschaftsurlaubs nach dem vierten Kind geschrieben.

Buchhinweis

«Kinder und Karriere, aber richtig!», 193 Seiten, Zytglogge-Verlag, Preis ca. 30 Franken.