Amac Aerospace
Mit Luxus in luftige Höhen: «Wir bekommen vier bis fünf Übernahmeangebote pro Jahr»

Seit mehr als 10 Jahren ist Amac Aerospace auf dem Euro-Airport tätig – mit wachsendem Erfolg.

Stefan Schuppli
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Amac Aerospace fühlt sich am Flughafen Basel-Mühlhausen offenbar wohl: Den Hangar Nummer 4 weihte das Unternehmen 2015 ein.

Amac Aerospace fühlt sich am Flughafen Basel-Mühlhausen offenbar wohl: Den Hangar Nummer 4 weihte das Unternehmen 2015 ein.

zvg

Es kommt nicht allzuoft vor, dass eine ganze Gruppe von Managern und Mitarbeitern sich von einer Firma lossagt und, in einem Anflug von Tollkühnheit, gleich nebenan ein Konkurrenzunternehmen an den Start rollt. Und dass seither dieser Neuling in offenbar friedlicher Koexistenz nebeneinander wirtschaften, und das erst noch erfolgreich.

Neuling? – Das ist untertrieben. Es ist gut zehn Jahre her, als die Amac-Geschichte begann. Jet Aviation, unangefochtene Nummer eins beim ultraluxuriösen Innenausbau von VIP-Jets, war aus verschiedenen Gründen in betriebliche Turbulenzen geraten. Es gab einen Streit in der Besitzerfamilie Hirschmann, Jet Aviation wurde zwei mal verkauft, es gab Auseinandersetzungen im Top-Management. Ohne jetzt auf die Details einzugehen: Für einige Leute bei Jet Aviation war es Zeit für den Absprung. Im Juli 2007 wurde die Amac Aerospace gegründet, bereits im November wurde der Hangar gebaut – es war der erste von heute vieren.

Übersicht

So sieht die Branche aus

Die wichtigsten Player in dieser eher familiären Branche sind, neben Amac Aerospace, Lufthansa Technik in Hamburg und Jet Aviation, die wie Amac am Euro-Airport tätig ist. Sie gehört zum US-Konzern General Dynamics (Waffensysteme, Gulfstream-Businessjets). Ansonsten tummeln sich auf diesem Markt einige etwas kleinere Anbieter wie GDC und Aeria in Texas/USA oder Comlux in Zürich.

Kein einfaches Geschäft

Kadri Muhiddin (61), Investor der ersten Stunde und Vollblutunternehmer, blickt nüchtern zurück. Die Firma ist von Jahr zu Jahr gewachsen und baute letztes Jahr ihre Präsenz in der Türkei weiter aus. So wurde in Bodrum eine zusätzliche Wartungsbasis für Privat- und Geschäftsflugzeuge eingerichtet. Dort wartete Amac auch die Boeings 737-800 der Fluggesellschaft Tailwind. Am Atatürk-Flughafen in Istanbul ist Amac bereits seit 2012 präsent und verkauft und wartet dort unter anderem PC-12- und PC-24-Flugzeuge als exklusiver Vertriebspartner von Pilatus im Nahen Osten.

Das vergangene Jahr sei hart gewesen, sagt der ursprünglich aus Libanon stammende Muhiddin ohne Umschweife. Einige Firmen der Branchen hätten nicht überlebt. Weltpolitische Unsicherheiten lässt auch die Auftraggeber der meist sehr luxuriös ausgestatteten Flugzeuge zögern: Soll man jetzt wirklich ein Flugzeug für mehrere -zig Millionen aus- und umbauen lassen? Bei Amac seien jedoch die Auftragsbücher voll, sodass in den kommenden drei Jahren mit einem Umsatz von 500 Millionen Franken gerechnet werden kann. Flugzeugwartung und Innenausbau halten sich dabei in etwa die Waage.

Gewinne werden allesamt reinvestiert, sagt Muhiddin, der 40 Jahre Berufserfahrung im Bereich des Flug-Engineerings, der Wartung und des Innenausbaus aufweist.

Es gibt Kaufinteressenten

Er ist stolz, dass sie die grösste unabhängige Firma auf diesem Gebiet sind. «Wir bekommen vier bis fünf Übernahmeangebote pro Jahr. Aber wir sind nicht an einem Verkauf interessiert. Amac ist ein Langzeitinvestment.» Die Firma hat vier Aktionäre, es sei ein «Family Business». Das habe sehr viele Vorteile. Die Hierarchien sind flach, die Entscheidungswege kurz.

Wachstumspläne hegt Muhiddin eher in der Türkei. Amac betreibt weiter eine Filiale in Libanon. In Südfrankreich kaufte Amac 2016 die Firma JCB Aero, eine Spezialistin für Kohlefaser- und Verbundwerkstoffe sowie für VIP-Helikopter-Innenausbau. In Basel beschäftigt Amac rund 700 von insgesamt 1000 Angestellten.

Bis zu 400 000 Arbeitsstunden

Der Innenausbau eines Grossraumflugzeuges wie eine Boeing 747 oder 777, Airbus 340 oder 330 kann rasch einmal 400 000 Arbeitsstunden bei komplexen Innenausbauten erfordern und 50 Millionen Franken und mehr kosten. Eingelegte Holzarbeiten (Intarsien) gehören zu den beliebten Sonderwünschen der Kunden. Exklusive Leder werden in Sitzgruppen und Sofas verarbeitet, kino-ähnliche Meeting Rooms mit Grossbildschirmen eingebaut, wenns beliebt, gibt es eine medizinische Notfall-Versorgungsstation – fast alles machen die Flugzeugausstatter in Basel möglich.

Freilich gibt es Grenzen: Feuerstellen und Swimmingpools sind aus relativ einleuchtenden physikalischen Gründen nicht möglich.

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