Dass der Anlass jeweils kurzweilige Unterhaltung bietet, ist auch das Verdienst von Michi Motter. Der Moderator und Organisator des Slams hält sich für den siebenmal jährlich stattfindenden Anlass an das Motto von Slam-Erfinder Thomas Luterbacher: relaxed, fröhlich – und subjektiv. «Letzteres mit Ausrufezeichen», wie Motter betont.

Würden Sie selber am Songwriter Slam auftreten?

Michi Motter: Auf keinen Fall!

Bitte?

Ich kann nicht alleine vor anderen singen, dazu fehlt mir der Mumm. Ich brauche eine Band um mich herum. Dann spielt es keine Rolle, wenn ich im Zentrum stehe.

Als Moderator sind Sie aber mindestens so exponiert.

Ja, aber das fällt mir leicht. Das klingt jetzt vielleicht arrogant, aber an guten Abenden spüre ich, dass ich in dieser Rolle am richtigen Ort bin.

Sie haben neben der Moderation mittlerweile auch die Planung übernommen. Wie finden Sie die auftretenden Künstler?

Wir bekommen viele Bewerbungen. Ich habe aber auch schon Talente auf der Strasse entdeckt: Das junge Duo Balaclava etwa habe ich gehört, als ich hier vor dem Restaurant sass. Ich habe sie an den Slam eingeladen, wo sie zum ersten Mal überhaupt zu zweit auf einer Bühne standen. Sie haben gewonnen und den Masterslam dann auch noch für sich entschieden.

Sprechen wir über den Wettstreit: Wie geht der vonstatten?

Früher hatten wir ein gnadenloses K.O.-System. Das führte dazu, dass sehr begabte Musiker in der ersten Runde, also nach nur einem Song, rausflogen. Darum haben wir auf den Meisterschaftsmodus gewechselt …

... jeder gegen jeden.

Genau. So kommt mehr Ruhe ins Ganze, und jeder Musiker spielt pro Abend mindestens drei Songs.

Wer hat nach Ihrer Erfahrung die besseren Chancen: der mässige Sänger mit dem brillanten Song oder die Wahnsinnssängerin mit dem Durchschnittslied?

Es gibt kein Muster. Entscheidend ist, dass ein Künstler das Publikum berührt. Das kann sogar sein, dass das über Sympathien passiert, die sich in den Ansagen oder in den kurzen Interviews einstellen. Wir sind keine Castingshow, es darf auch menscheln bei uns – es muss sogar.

Entscheidend ist die Lautstärke des Beifalls. Ist das fair?

Ich denke schon. Mittlerweile verzichten wir auf den Dezibelmeter, weil da die Leute, die am nächsten sassen, mehr Einfluss hatten. Heute entscheiden unsere vier Ohren. Und wenn ich und mein Co-Moderator Thomas Müller uns nicht einig sind, machen wir auf Landsgemeinde und zählen die Stimmen.

Also gewinnt, wer mehr Freunde mobilisiert?

Nicht zwingend. Die Songwriterin Colour of Rice, die am Donnerstag auch dabei ist, wohnt im Welschland und hat dennoch einen Masterslam gewonnen. Das liegt daran, dass wir ein Stammpublikum haben, das neutral ist. Abgesehen davon ist es auch in unserem Interesse, wenn die Künstler ihre Fans mobilisieren. Alle profitieren von einem vollen Saal – auch die Acts, die dann vielleicht nicht gewinnen.

Wo es Gewinner gibt, gibt es aber auch Verlierer.

Ich sehe das nicht so. Was man nicht übersehen darf: Bei uns ist den Künstlern eine grosse Aufmerksamkeit gewiss. Während dem Song ist es mucksmäuschenstill im Saal. Viele Musiker sagen, dass sie das so nicht kennen von anderen Konzerten. Kommt dazu, dass wir jedem Musiker eine faire Gage zahlen. Und die Acts profitieren von Folge-Gigs, sei es im Parterre One oder an anderen Orten – insofern ist der Slam eine ideale Plattform.

Dennoch bleibt die Frage: Braucht es den Wettstreit in der Musik?

Ich weiss von einigen Musikern, dass sie keine Lust haben, sich mit anderen zu messen. Aber ich habe auch ganz oft den Fall erlebt, dass kritische Künstler begeistert waren vom Event. Gina Eté beispielsweise findet Wettbewerbe doof, war aber schon drei oder vier Mal bei uns.

Es gab in fünf Jahren nie Rivalitäten?

Ein einziges Mal hatte ich das Gefühl, dass eine Künstlerin der Gewinnerin den Sieg nicht gegönnt hat. Wir hatten aber auch schon Musiker, etwa den Berner Blueser Jonathan Ben Vuilleumier, der bewusst nicht gewinnen wollte und seinen letzten Beitrag extra überzogen hat.

Dennoch verzichten Sie ausgerechnet am Jubiläumsevent auf den Wettstreit. Wieso?

Eigentlich wollten wir das zuerst, aber es geht ja um ein Jubiläum, das wir feiern wollen. Nun haben wir ein tolles Musikprogramm unter anderem mit Yero und Céline Huber und blicken in den Umbaupausen auf die fünf Jahre zurück: Es wird Fotos geben, Filme und Anekdoten. Und wer weiss, vielleicht wird man Thomas Müller und mich an dem Abend nicht nur als Moderatoren erleben.