Regierungsratswahlen Basel-Stadt
«Meine Stimme habt ihr!» – die Basler Kulturszene meldet sich zu Wort

Vertreter der Basler Kulturszene äussern sich kritisch zu den Kandidaten für das Regierungspräsidium und sagen, was sie von diesem Amt erwarten.

Hannes Nüsseler, Stefan Strittmatter, Mathias Balzer
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Macht sich für die Bürgerlichen stark: Alain Claude Sulzer.

Macht sich für die Bürgerlichen stark: Alain Claude Sulzer.

Georgios Kefalas

Der Riehener Romancier Alain Claude Sulzer verfasst nicht nur Bücher, sondern auch Wahlwerbung. «Meine Stimme habt ihr!», schreibt Sulzer auf Instagram zu einem Regierungsratswahlplakat der Bürgerlichen. Grundsätzlich spiele es für seine Arbeit als Schriftsteller keine Rolle, wer die Stadt regiere, erklärt Sulzer auf Anfrage. «Über die Kulturförderung entscheiden unabhängige Gremien.» Baschi Dürr erscheine ihm schlicht als gute Wahl: «Unaufgeregtheit ist mir extrem sympathisch, insbesondere in diesem unpopulären Amt.»

Zwar glaubt Sulzer nicht, dass die linke Mehrheit gebrochen werden könne, dennoch fände er einen Mittelweg die ideale Lösung: «Halbe-halbe scheint mir demokratischer als irgendein anderer Zustand.» Sowohl Stephanie Eymann wie auch Esther Keller traut der Schriftsteller das Amt der Regierungspräsidentin zu.

«Ich finde es richtig, dass das Präsidialdepartement, das von linken Kreisen gewünscht und von bürgerlichen eher abgelehnt wurde, nun bürgerlich besetzt wird: Warum sollten sie es nicht besser können als ihre Vorgänger?» Wichtig sei, dass die Anliegen aller Personen, die unter das Ressort fielen, ernst genommen würden: «Insbesondere die der Kulturorganisationen und der Künstler!»

Wie gross soll das Präsidialamt werden?

Beat Jans kann sich Sulzer dagegen nicht als Regierungspräsidenten vorstellen. Dieser wolle das Amt für Umwelt und Energie mitzügeln, obwohl grüne Anliegen schon überall prominent vertreten seien. «Das Präsidialdepartement ist für mich hauptsächlich ein Kulturdepartement. Dass die SP es jetzt in eine Art Energieministerium umwerten will, finde ich absurd.»

Das sieht Philipp Cueni, Präsident von Balimage, Förderverein für Film und Medienkunst, anders. «Dass Beat Jans das Präsidialdepartement inhaltlich ausweiten möchte, halte ich für die Kultur eher von Vorteil.» Bislang habe man immer von einem strukturell schwachen Präsidialdepartement gesprochen. «Ein starkes Amt wirkt sich dagegen positiv auf alle Bereiche aus, auch auf die Kultur.»

Zudem erkenne man gerade bei der Kultur, dass sich einzelne Departemente verstärkt miteinander vernetzen müssten. «Im Bereich Film ist nicht nur wichtig, dass die Filmförderung, wie ihn die rot-grüne Regierung bislang gesichert hat, weiter bestehen bleibt. Wir müssen Film-, Wirtschafts- und Standortförderung auch stärker koordinieren, weil alles eng miteinander zusammenhängt.» Das sehe man auch auf nationaler Ebene, wo Teile der Filmförderung mit dem Staatssekretariat für Wirtschaft besprochen würden.

Transparente Kommunikation und Engagement

Sandro Lunin, Leiter der Kaserne, möchte weniger die konkreten Personalien kommentieren, sondern bricht eine Lanze für zeitgemässe Kulturpolitik. «Ich erwarte, dass die Anliegen der gesamten Kulturszene, sowohl der nicht subventionierten als auch subventionierten, in diesen extrem schwierigen Zeiten – und natürlich darüber hinaus – wirklich ernst genommen werden.» Dazu gehöre für ihn eine offene Gesprächskultur auf Augenhöhe zwischen der Kulturszene und der Politik sowie eine transparente Kommunikation.

Von der Neubesetzung des Präsidialamtes erwarte er, dass dem freien Kulturschaffen starkes Gewicht zukommt und dass vermehrte Berücksichtigung von Diversität und Inklusion Eingang finden in die Leitungsvereinbarungen zwischen den Institutionen und dem Kanton. «Kulturelle Teilhabe und kulturelle Angebote sind zentrale Säulen für eine lebendige Stadtgesellschaft. Es bleibt die Aufgabe der Politik, dies sicherzustellen.»

Auf die Kandidaten für das Regierungspräsidium angesprochen antwortet Lunin: «Ich hoffe, dass alle drei Kandidierenden die Affinität zur Kultur nicht nur behaupten und sich mit grossem Engagement für eine lebendige Kulturszene in Basel stark machen.»

Wer hat ein Ohr für die Popmusik?

Auf personelle Fragen möchte sich auch Alain Schnetz, Geschäftsleiter des RFV Basel, in Bezug auf die Besetzung des Präsidialdepartements nicht festlegen: «Ich bin überzeugt, dass wir mit allen Kandidierenden zusammenarbeiten können.» Das Amt sei wichtig für einen konstruktiven Dialog zwischen der Verwaltung und der Szene.

Doch äussert Schnetz die inhaltliche Erwartung, dass die Wichtigkeit der Popkultur anerkannt werde: «Ich wünsche mir, dass der Regierungsrat neben den Flaggschiffen der Basler Kultur – wie etwa dem Theater Basel, dem Sinfonieorchester und den Museen – auch ein grosses Ohr hat für das professionelle Musikschaffen zwischen diesen Institutionen.»

Auch Urs Blindenbacher vom Jazzfestival Basel hofft darauf, dass der Regierungsrat die aktuelle Subventionspolitik und -strategie überdenkt, wobei er mit Blick auf die längerfristige Coronakrise und ein mögliches «Spardiktat» davor warnt, dass die «Stützpfeiler der regionalen Kultur» zusammenbrechen könnten. «Hier muss das Präsidialdepartement frühzeitig Hilfe anbieten.»

Was die Anwärter auf das Präsidialdepartement betrifft, zeigt sich Blindenbacher wenig enthusiastisch: Sowohl Jans, Eymann als auch Keller hätten bislang nicht mit Nähe zum aktuellen Kulturleben geglänzt, sagt er. «Alle drei sind meiner Meinung nach noch nie aktiv in Sachen Kulturförderung in Erscheinung getreten.»