Kommentar
«Schnitzelbangg-Gate» zeigt Engelbergers Opportunismus

Der Basler Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger hätte das Stürmchen im Gläschen aushalten und seinen Entscheid gegen eine Sendung mit Schnitzelbängg beibehalten sollen.

Patrick Marcolli
Patrick Marcolli
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Der Schwächere desavouiert den vermeintlich Stärkeren: Thomas Weber (links) wirft den Stadtbaslern mit Lukas Engelberger (rechts) indirekt vor, kein Verständnis für Humor in Krisenzeiten zu haben.

Der Schwächere desavouiert den vermeintlich Stärkeren: Thomas Weber (links) wirft den Stadtbaslern mit Lukas Engelberger (rechts) indirekt vor, kein Verständnis für Humor in Krisenzeiten zu haben.

Bild: Juri Junkov

Gute Einschaltquote dank Lukas Engelberger! Was sich in Zeiten vor Corona wie eine mässig originelle Pointe eines müden «Bangg» gelesen hätte, wird nun Tatsache. Der Basler Gesundheitsdirektor hätte dem kriselnden Fernsehsender keinen grösseren Gefallen tun können, als sich auf eine Schlingerroute zu begeben und die Aufzeichnungen von Schnitzelbängg im Studio wortreich zu untersagen (am Dienstag) und dann wieder wortreich zu erlauben (am Donnerstag).

Auf die Details muss hier nicht eingegangen werden. Denn es ist ein politischer Entscheid, den Engelberger getroffen hat, kein epidemiologischer. Die effiziente virale Empörungsbewirtschaftung einiger Fasnächtler in den sozialen Medien hat gereicht, um das Gesundheitsdepartement in die Knie zu zwingen. Ähnlich opportunistisch hatte sich Engelberger bereits im Herbst im Bezug auf Zuschauer beim FCB verhalten. Sieht so konsequente Coronapolitik aus? Was sagt wohl ein existenziell gefährdeter Ladenbesitzer oder Beizer zu der nun gewährten Ausnahmebewilligung für Bängg?

Langfristig wird Lukas Engelberger dieser Entscheid mehr schaden als nützen, seine Coronapolitik nicht glaubwürdiger erscheinen. Er hätte das Stürmchen im Gläschen einfach aushalten müssen. Dass sein Baselbieter Amtskollege Thomas Weber nun genüsslich Salz in die Wunde streut und den Stadtbaslern indirekt vorwirft, nicht viel von Humor in schlechten Zeiten zu verstehen, muss Engelberger besonders wurmen. Immerhin kann er sich rühmen, Telebasel dank dem Skandälchen eine gute Quote zu bescheren – und manchem Bangg eine gute Pointe.