Old Boys Basel
Kein Denkmal für Roger Federer: Wie die geplante Ehrenhalle nun klanglos versenkt wird

Die Baubewilligung ist weg. Doch die Präsidentin Marianne Bernet gibt sich kämpferisch: Man will nun den Entscheid vor dem Appellationsgericht anfechten.

Benjamin Rosch
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Langsam wird es eng: Laut Marianne Bernet auf den Indoorplätzen der Region, aber auch im Rechtsstreit um den Bau der neuen Tennishalle.

Langsam wird es eng: Laut Marianne Bernet auf den Indoorplätzen der Region, aber auch im Rechtsstreit um den Bau der neuen Tennishalle.

Kenneth Nars

Es war gestern Mittag, als sich Marianne Bernet vom Tennisclub Old Boys in einem Mail an die Mitglieder wandte und verkündete, womit sie nicht gerechnet hatte: Die Baurekurskommission hatte gegen sie entschieden. Die Baubewilligung für die neue Halle ist weg. Die Anwohnenden der Schützenmatte hatten sich erfolgreich gegen das Projekt gewehrt und konnten Verfahrensfehler geltend machen.

Ich bin extrem überrascht.

(Quelle: Marianne Bernet, Clubpräsidentin Old Boys)

Auch einige Stunden später ist Marianne Bernet die Enttäuschung anzumerken. «Ich bin extrem überrascht», sagt sie. Zweimal hätte sie ein Baubegehren einreichen müssen, in beiden Fällen hätten die Behörden grünes Licht erteilt. Das erste Mal liegt schon eine Weile zurück; es handelte sich um ein generelles Baubegehren. Die zweite Eingabe war konkreter und skizzierte den Bau von vier Indoor-Plätzen und weiteren vier auf dem Dach.

Plänen für einen 7-Millionen-Bau

Das Unterfangen bedeute für einen Club wie OB einen enormen Aufwand. «Nach dem ersten Schritt hat uns das Bauinspektorat in ein Varianzverfahren geschickt, um ein ästhetisch ansprechendes Objekt sicherzustellen», sagt Bernet. Entstanden sind dabei Pläne für einen Bau von sieben Millionen Franken.

Um dies zu realisieren, spannte Bernet den ehemaligen Tennis-Profi Marco Chiudinelli als Botschafter ein, der wiederum den Kontakt zu Jugendfreund Roger Federer herstellte. Mit Erfolg: Federer versprach seinem ehemaligen Juniorenverein einen dem Vernehmen nach sechsstelligen Beitrag an die Halle. Als Dank dafür hätten künftige Junioren wohl auf einem Roger-Federer-Platz spielen dürfen.

Alle Rechtswege werden ausgeschöpft

«Wir haben sämtliche Auflagen und Anforderungen erfüllt und deshalb die Baubewilligung vom Bauinspektorat erhalten», sagt Bernet. Auch mit den Anwohnenden, welche die Halle zumindest vorläufig gebodigt haben, hätte sie stets den Dialog gesucht. «Wir wollten verschiedene Zugeständnisse bieten, von Bespielungszeiten bis zum Anteil der Grünflächen.» Doch das, was ihnen stets der grösste Dorn im Auge war, konnte Bernet nicht beseitigen: die Dimensionen des neuen Gebäudes.

Nun geht die Auseinandersetzung in den Entscheidungssatz. Bernet lässt keine Zweifel daran, dass sie den Entscheid am Appellationsgericht anfechten werde: «Wir haben sehr viel investiert, weshalb wir sämtliche Rechtsmittel ausschöpfen werden», sagt sie. Einen sechsstelligen Betrag haben die Old Boys bereits jetzt aufgewendet, viel Geld für einen Sportclub dieser Grössenordnung.

Am Plan ändert sich nichts

Den Mitgliedern im Verein kündigt sie an: «Wir sind gezwungen in die Offensive zu gehen und werden die entsprechenden juristischen Schritte vorbereiten.» Die bekannte Anwaltskanzlei Kellerhals ist mit der Aufgabe betreut, das Projekt vor dem endgültigen Aus zu retten. Noch fehlt die schriftliche Urteilsbegründung der Baurekurskommission. Beim gestrigen Entscheid handelt es sich lediglich um ein Dispositiv.

An Bernets Plan ändert das nichts. Sie sagt: «Wir brauchen diese Halle für unsere fast 300 Junioren.» Schon jetzt sei es schier unmöglich, die angehenden Talente auf die verschiedenen Plätze zu verteilen. Vor allem bei weniger schönem Wetter: Die meisten Hallen der Region seien in einem schlechten Zustand. Die Zahl der Mitglieder im Club wächst zudem stetig. Marianne Bernet hofft, ihnen bald bessere Nachrichten schicken zu können.