Klima
Hitzewelle in Basel? Dank diesem Projekt kann man den steigenden Temperaturen förmlich zuschauen

Mit «City Climate Basel» hat die Region rechtzeitig auf den Sommer ein Netzwerk aus Klimasensoren erhalten. Erste Daten zeigen: Es wird in der Innenstadt bereits täglich sehr, sehr heiss.

Andreas Schwald
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Screenshot der Hitzekarte von City Climate Basel: Es ist ziemlich heiss zurzeit.

Screenshot der Hitzekarte von City Climate Basel: Es ist ziemlich heiss zurzeit.

bz

Ja, es ist heiss. Kurz vor den Sommerferien glüht Basel wieder in der sommerlichen Hitze. Das kommt nicht von ungefähr, sondern vom spezifischen Klima der geografischen Lage, aber auch von menschgemachter Infrastruktur wie dicht bebauter und durch Asphalt und Beton versiegelter Fläche. So gilt Basel bereits seit einiger Zeit als Modellstadt für die Erforschung sogenannter Hitzeinseln, also Orte, an denen sich die Hitze in Sommermonaten besonders quälend staut.

Jetzt können die Baslerinnen und Basler die Hitzeorte der Stadt sogar in Echtzeit erforschen. Der Verein Smart Regio Basel hat mit Partnern ein ausgeklügeltes Netzwerk von Sensoren eingerichtet, das auf diesen Sommer hin die Temperaturen live mitverfolgen lässt. Projektpartner sind das Lufthygieneamt beider Basel, der Basler Wetterdienstleister meteoblue AG, die Industriellen Werke Basel, die Firma Sensirion AG sowie das Amt für Umwelt und Energie Basel-Stadt.

Hier gehts direkt zur Klimakarte

Mit diesem Link kommen Sie direkt zur Klimakarte:

- Live-Karte von meteoblue und City Climate Basel mit Temperaturangaben

Basel, Spitalstrasse: Wo die Sonne richtig brennt

Die Daten bringen einen schon beim Betrachten ins Schwitzen. So verzeichnete die Station im Quartier St. Johann am Donnerstagnachmittag um 14 Uhr bereits 34,3 Grad Celsius. Etwas kühler war es zur selben Zeit an der Gempenstrasse im Gundeli, dort wurden zur gleichen Zeit 28,1 Grad Celsius gemessen. Einer der heissesten Orte ist das Universitätskinderspital beider Basel an der Spitalstrasse. Am Mittwoch wurden dort um 17 Uhr satte 38 Grad Celsius gemessen. Und das bereits am zweiten richtigen Hitzetag dieses Sommers.

Noch ist das Netzwerk allerdings erst ein Pilotprojekt, wie Elias Schäfer sagt. Er ist Geschäftsführer von Smart Regio Basel und hat kürzlich Ausschnitte der Hitzekarte auf Social Media geteilt. Die Aufmerksamkeit war ihm sicher, denn sommerliche Hitze ist in den vergangenen Jahren zu einem Leitthema der Basler Öffentlichkeit geworden – gerade wegen der vielen versiegelten Flächen auf dem engen Stadtgebiet.

Bis zu 200 Sensoren in einem feinmaschigen Netz

Rund 160 Sensoren sind in Basel und der Umgebung bereits installiert. Auch Baselbieter und deutsche Gemeinden sind dabei, im Elsass verzögerte sich die Installation noch wegen Corona. Die Zielgrösse seien rund 200 Sensoren im Grossraum Basel, wie Schäfer sagt. Doch wie belastbar sind die Daten? Zurzeit dienen sie vor allem der Visualisierung. Um aber richtige Aussagen generieren zu können, werden die Geräte nun laufend justiert und kalibriert.

Denn während sich einige Sensoren noch in der prallen Sonne befinden, sind andere in eher schattigen Bereichen installiert. Das lässt also noch kaum mehr Interpretationen zu als die absoluten Zahlen für den spezifischen Standort des Sensors. Das soll sich aber ändern. Im Lauf des Pilotprojekts sollen Daten generiert werden, die etwa der Stadtplanung zugute kommen, wie Schäfer sagt. Auch die Gebäude-Automatisation soll davon profitieren können, wenn es etwa um Isolation oder Klimatisierung von Gebäuden geht.

Dazu gibts auch noch Luft- und Schallsensoren

Die Karte mit den Klimasensoren ist hier abrufbar. Es gibt aber noch weitere Messstationen, an denen der Kanton interessiert ist. So wurden unter anderem weitere zehn Luftreinheitssensoren sowie rund ein halbes Dutzend Schallsensoren verbaut, die nun ausgiebig getestet werden. Die Daten sind alle auf der Open-Data-Plattform des Kantons abrufbar.

Laut Schäfer ist das Unterfangen zurzeit eine ebenso technische wie auch administrative Übung. «Wichtig ist nicht nur, dass die Sensoren richtig platziert sind und funktionieren, sondern, dass auch das gesamte Datenmanagement funktioniert.» Das betrifft die Übertragung, Sicherung und Aufbereitung der Daten.

Wer sich nun fragt, wo es zurzeit am kühlsten ist: Laut Sensorenkarte dort, wo man es auch erwartet. Nämlich auf dem Bruderholz und in Riehen: viele Bäume, viele Gärten. Wobei es gestern auch dort überall um die 30 Grad warm war. Höchstwerte werden vor allem gegen Abend erzielt. Wirklich kalt war es gestern nur im Rhein: Der punktete mit geradezu beschaulichen 17,3 Grad.