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Landgasthof in Riehen: Der Streit mit dem einstigen Promiwirt Pierre Buess eskaliert

Der Riehener Gemeinderat schlägt den Schlichtungsvorschlag mit dem bekannten Gastronomen aus. Derweil hat Riehen selber Klage gegen Pierre Buess eingereicht – wegen versuchter Nötigung.

Tobias Gfeller
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Pierre Buess war bis Mitte 2019 der Pächter des Landgasthofs in Riehen.

Pierre Buess war bis Mitte 2019 der Pächter des Landgasthofs in Riehen.

Martin Toengi / DIV

Während 20 Jahren pachtete Pierre Buess den Landgasthof in Riehen. Zuvor war er als Betreiber des Restaurants «Stucki» zur städtischen Prominenz aufgestiegen. Der Landgasthof steht im Besitz der Gemeinde Riehen. Nach seinem Abgang Mitte 2019 betrieb Buess die Gemeinde auf rund 390'000 Franken. Es geht dabei um von ihm gekaufte Bilder, erzielte Voraus-Umsätze für seinen Nachfolger und vereinbarte, aber wieder rückgängig gemachte Mietzinssenkungen aufgrund mangelhafter Infrastruktur.

Die beiden Parteien sind tief zerstritten. Der Konflikt erreicht nun eine neue Eskalationsstufe. Der Riehener Gemeinderat lehnt den vor drei Wochen von der Schlichtungsstelle für Mieterstreitigkeiten Basel-Stadt vorgeschlagene Betrag von 168'000 Franken zu Gunsten des ehemaligen Pächters ab. Pikant: Die Schlichtungsstelle hat Pierre Buess in allen fünf Anklagepunkten eine Entschädigung zugesprochen. Buess selber hat dem Vorschlag zugestimmt. Der Vorsitzende der Schlichtungsstelle habe zu Beginn den Gemeinderat dafür gerügt, dass er der Verhandlung ferngeblieben ist und nicht einmal eine unterschriftsberechtigte Person zugegen war, sagt Buess.

Wird es für die Steuerzahler noch teurer?

Pierre Buess spricht von einem «moralischen Teilerfolg». Über das Vorgehen des Gemeinderats ist er irritiert und zieht die Klage weiter ans Zivilgericht. «Statt die Sache zu deeskalieren und das Dossier endlich zu schliessen, geht die Gemeinde immer weiter», sagt Buess. Der ganze Streit sei auch für den Landgasthof nicht förderlich. Solange solche Schlagzeilen vorherrschten, sei das Traditionshaus für einen künftigen Pächter nicht attraktiv.

Buess fordert die Riehener Einwohnerräte auf, politisch aktiv zu werden. Es gehe schliesslich um Steuergelder. «Im schlechtesten Fall droht die Gemeinde durch das Zivilgericht verurteilt zu werden und müsste uns weit mehr bezahlen, als dies die Schlichtungsstelle vorgeschlagen hat.» Buess ist zuversichtlich, dass das Zivilgericht zu seinen Gunsten entscheidet.

Gemeinde reicht selber Strafanzeige ein

Der Konflikt hat bereits im vergangenen November eine neue Stufe erreicht. Riehen hat selber gegen Pierre Buess Strafanzeige wegen versuchter Nötigung eingereicht. Diese sei aber «unberechtigt und unbegründet», wehrt sich der ehemalige Landgasthof-Wirt. Buess wurde bereits von der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt vorgeladen.

Daniel Albietz sitzt für die «Mitte» im Gemeinderat von Riehen.

Daniel Albietz sitzt für die «Mitte» im Gemeinderat von Riehen.

ZVG

Der Streit zwischen Pierre Buess und der Gemeinde Riehen ist nicht nur ein juristischer, sondern auch ein medialer und politischer. Buess selber nützt es aus, dass er im Gegensatz zur Gemeinde nicht an das Amtsgeheimnis gebunden ist. Offensiv gibt er Medien – unter anderem auch der bz – Informationen weiter, währendem der Gemeinderat nichts über die juristischen Belange sagen darf. «Die Gemeinde hat gute Gründe, das Angebot der Schlichtungsstelle abzulehnen», erklärt der zuständige Gemeinderat Daniel Albietz (Die Mitte) lediglich.

Auch die Strafanzeige des Gemeinderats gegen Pierre ­Buess im November sei gut überlegt gewesen, da dieser eine rote Linie überschritten habe. «Ich bin selber seit vielen Jahren Anwalt. Sie können mir glauben, dass ich einer Strafanzeige nicht leichtfertig zustimme.» Auf den Inhalt der Anzeige will Albietz nicht eingehen.

Nur Pierre Buess könnte den Gemeinderat vom Amtsgeheimnis befreien, damit auch dieser mit der Öffentlichkeit offen reden kann, damit diesbezüglich beide Konfliktparteien mit den gleich langen Spiessen operieren würden. Buess zeigt sich dafür offen, muss es aber noch mit seinem Anwalt abklären.

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