Scort Foundation
Fussball in Krisengebieten als Mittel gegen Gewalt und Drogen

Die Basler Stiftung engagiert sich weltweit in Krisenregionen – und lernt dabei laufend dazu. In der Cauca-Region geht es vor allem darum, Kinder von der Welt der Droge fernzuhalten. In Nordirland hingegen stehen religiöse Konflikte im Zentrum.

Céline Feller
Drucken
Teilen
Die Scort Foundation mit Sitz in Basel

Die Scort Foundation mit Sitz in Basel

HO
Julia Lambrecht (l.) und Kristina Bohnstedt von der Scort Foundation.

Julia Lambrecht (l.) und Kristina Bohnstedt von der Scort Foundation.

Nicole Nars-Zimmer

In der Ecke liegt ein Ball, aus Blättern eines Bananenbaumes gebastelt. Gleich daneben liegt ein weiterer, der aus Plastiksäcken gebastelt wurde. Damit spielen Kinder an Orten Fussball, in denen moderne Bälle von grossen Sportartikelherstellern noch nicht die Regel, sondern eine Seltenheit sind. Orte wie der Sudan, Sri Lanka oder Uganda. Orte, an denen zum Fussballspielen nicht mehr gebraucht wird als ein selbst gemachter Ball. Orte, an denen nicht jedes Leibchenzupfen gleich mit einer gelben Karte geahndet wird. Es sind Orte, an denen sich die Football Club Social Alliance (FCSA) engagiert.

Die 2007 von der Scort Foundation

Die Scort Foundation

Die Scort Foundation ist eine gemeinnützige, politisch und konfessionell unabhängige operative Stiftung mit Sitz in Basel. Zentraler Aufgabenbereich der Scort Foundation ist die Entwicklung und Administration des von der Stiftung initiierten Partnerschaftsprogrammes Football Club Social Alliance (FCSA). Präsidentin der Scort Foundation ist die ehemalige Präsidentin des FC Basel, Gigi Oeri. Ein Gespräch zwischen ihr und alt Bundesrat Adolf Ogi im Jahr 2007 über die Involvierung von professionellen Fussballclubs in Entwicklungsprogrammen führte zur Gründung der Stiftung Scort. Ogi war damals noch Sonderberater für Sport im Dienste von Entwicklung und Frieden.

Doch die Projekte in den Krisen- und Entwicklungsgebieten werden im Vergleich mit den Projekten im Behindertenfussball weniger wahrgenommen. «Das hat wohl vor allem damit zu tun, dass wir jeweils in den Ländern vor Ort arbeiten. Das bekommt man hier in Basel eben nicht so direkt mit», sagt Kristina Bohnstedt, führende Projektleiterin bei der Scort Foundation. In den spezifischen Ländern aber sei ihre Arbeit sehr anerkannt.

Von Drogen bis Religionskonflikt

Die Stiftung will keine jungen Talente finden und sie an europäische Topvereine vermitteln. «Im Gegenteil, es geht primär um die Ausbildung lokaler Fachkräfte», sagt Bohnstedt. Ist ein Ort ausgesucht, geht es an die Planung. «Die Planung eines solchen Projekts beansprucht zwischen sechs und neun Monaten», erklärt Bohnstedt. Die Instruktoren der Vereine und das Scort-Team klären, ob das Interesse am gewählten Ort überhaupt vorhanden ist und regeln die Finanzierung. Sind diese Punkte geklärt, folgen ein bis zwei Reisen an den jeweiligen Ort. «Wir müssen uns ein Bild machen. Klären, ob die Umsetzung von der Infrastruktur her überhaupt möglich ist.» Dazu gehöre es beispielsweise auch, die simple Tatsache zu klären, wo das Team unterkommt. «In manchen ehemaligen Krisenregionen gibt es ja nicht mal Hotels. Im Nordwesten von Sri Lanka beispielsweise haben wir beim Bischof im Gästehaus übernachtet.»

Innerhalb eines Jahres besuchen sie die Projektstandorte vier Mal und bleiben jeweils eine Woche vor Ort. Das ist der Zeitraum, über den die Instruktoren die jungen Leute ausbilden. Diese werden zu sogenannten Young Coaches, wenn sie die Ausbildung erfolgreich absolviert haben. «Die Young Coaches lernen, wie sie in ihrer täglichen sozialen Arbeit mit Kindern den Sport und den Fussball speziell als Werkzeug gebrauchen können, um erzieherische Massnahmen weiterzugeben.» Dazu gehören Bereiche wie Teamwork, Anti-Aggressionsprogramme oder Prävention. «Es ist für die Kinder doch sofort attraktiver, etwas via den Sport und das Spiel zu lernen», sagt Bohnstedt.

Nordirland ist ein Spezialfall

Mittlerweile hat die FCSA im Sudan, im Kosovo, in Palästina, Uganda, Indien und Indonesien Standorte aufgebaut – und in Sri Lanka gar zwei. «Dieses Jahr kommen die Standorte Kolumbien und Nordirland dazu», so Bohnstedt. In der kolumbianischen Cauca-Region geht es vor allem darum, die Kinder und Jugendlichen von der Welt der Drogen fernzuhalten. In Nordirland hingegen stehen die religiösen Konflikte im Zentrum – und damit eine für das Team neue Art von Konflikten. «Nordirland ist ein Spezialfall», sagt Julia Lambrecht, Projektleiterin bei der Scort Foundation. Das jüngste Projekt sei anders aufgebaut als jene in den Entwicklungsländern. Erstmals werden auch spezifische Module im Behindertensport ausserhalb der Schweiz und Bremen – der zweite Standort der Behindertenförderung der Scort Foundation – veranstaltet. Und auch der Frauenfussball soll thematisiert werden. «Nordirland ist insofern anders, als dass es kein klassisches Ausbildungsprogramm ist. Die jungen Leute da benützen das Werkzeug Fussball nicht zum ersten Mal für ihre soziale Arbeit.

Krisengebiet statt schöne Welt

In den Regionen der Entwicklungsländer – die Reise dorthin dauert für das Team manchmal 30 bis 40 Stunden –, ist dies durchaus der Fall. Die Auszubildenden in die Schweiz zu holen, sei jedoch nie ein Thema gewesen. Die Arbeit vor Ort sei enorm wichtig. Die künftigen Young Coaches sollen alles in dem Umfeld lernen, in dem sie es später anwenden werden. «Es bringt nichts, ihnen die schöne Welt zu zeigen und sie dann zurückzuschicken.» So würden sie lernen, mit den lokalen Problemen richtig umzugehen. Dazu gehört, dass es vielleicht mal keine Bälle hat. Aber das ist das kleinste Problem. Denn dann sitzen die jungen Leute hin, und basteln – einen Ball aus Bananenblättern zum Beispiel.

Aktuelle Nachrichten