Nach dem Aus
Finanzielle Unterstützung: Sammlung des Sportmuseums ist gerettet

Die umfassende historische Sammlung des Sportmuseums Schweiz dürfte als Ganzes erhalten bleiben und künftig in Biel gelagert werden. Die sich in Liquidation befindende Stiftung muss dank einer finanziellen Sonderunterstützung von Swiss Olympic keine Objekte verkaufen.

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Die interessantesten Museumsstücke aus dem Basler Sportmuseum
11 Bilder
Diese goldfarbene Trillerpfeife hat das bekannteste Tor in der weltweit populärsten Sportart besiegelt. Die Schiedsrichterpfeife aus dem Final der Fussball-WM 1966 im Londoner Wembley-Stadion zwischen England und Deutschland.
Historische Fotos des FCB und der Nati Das Sportmuseum verfügt über eine umfangreiche Sammlung des Fotografen Walter Scheiwiller (geb. 1922) , der als bedeutender Pionier der Sportfotografie gilt. Zum FCB, der Schweizer Nati, aber auch zu den Radsportlegenden Ferdy Kübler und Hugo Koblet existieren von Scheiwiller Bilder und Sammelwerke, die für die Schweizer Sportgeschichte prägend sind.
Der Skischuh zum «Knie der Nation» Dieser Nordica-Skischuh gehörte Pirmin Zurbriggen. Mit ihm holte er an der WM in Bormio 1985 Gold in der Abfahrt. Dies nur zwei Wochen nach der schweren Meniskusverletzung. Der Schweizer Skistar wurde bei seiner Blitzheilung von den Medien auf Schritt und Tritt begleitet. Die ganze Schweiz sorgte sich um das «Knie der Nation» und fieberte mit, als Zurbriggen in Bormio auftrumpfte.
Sport und Militär Mit der abgebildeten Waffenlaufpackung gewann der heutige Baselbieter SVP-Landrat Georges Thüring 1979 den renommierten Frauenfelder Waffenlauf. Für Sportmuseums-Leiter Gregor Dill verweist die Packung auf die starke Verbindung von Sport und Militär hin, die heute nicht mehr so ausgeprägt, aber noch spürbar sei.
Marschall-Mantel Der populärste britische Heerführer im Zweiten Weltkrieg, Bernard Montgomery, verbrachte seine Winterferien in Mürren. Der berühmte Wintermantel, den «Monty» auch in den Ferien in Mürren trug, ist somit ein Symbol für den starken Einfluss britischer Wintertouristen in der Pionierzeit des Schweizer Skisports.
Alle Ausgaben der Schweizer Filmwochenschau sind digitalisiert im Sportmuseum erhältlich.
Eine beeindruckende Sammlung an Tennisrackets.
Die Skisammlung
Die Akkreditierungskarte des ehemaligen Bundesrates Emil Frey zum Eidgenössischen Turnfest in Liestal 1871.
Ein rares Voltigierpferd mit Kopf und Schweif aus dem Ende des 18. Jahrhunderts.

Die interessantesten Museumsstücke aus dem Basler Sportmuseum

Kenneth Nars

400'000 Franken sprachen die Delegierten an der 22. Versammlung des Sportparlaments, um das gemäss Stiftungsratspräsident Paul Engelmann "historische Vermächtnis des Schweizer Sports" in seiner Vollständigkeit zu erhalten - entgegen der Empfehlung des Exekutivrats von Swiss Olympic.

Das leitende Organ des Dachverbandes argumentierte, dass zweckgebundene Sportfördergelder nicht zur Tilgung von Schulden verwendet werden sollten. Die Delegierten der Sportverbände sahen dies jedoch anders und sprachen sich für den Erhalt der gesamten Sammlung aus.

Dank der zusätzlichen Mittel kann das Sportmuseum, eines der ältesten seiner Art, offene Forderungen begleichen und die Liquidation ohne Verkauf von Gegenständen abwickeln. Die Stiftung hatte im September wegen finanzieller Probleme angekündigt, sich aufzulösen und die Sammlung - wie in der Stiftungsurkunde festgehalten - an Swiss Olympic zu übergeben.

Fortbestand gesichert

Swiss Olympic hatte bisher 100'000 Franken pro Jahr an den Betrieb des Museums beigesteuert. Nun wird der Dachverband des Schweizer Sports zusammen mit dem Bundesamt für Sport (Baspo) die 12'000 Objekte, 200'000 Bilder, 150 Laufmeter Aktenarchive sowie 11'000 Bücher und Zeitschriften einlagern.

Der Fortbestand der Sammlung sei gesichert, wie Matthias Remund, der Direktor des Baspo, an der Versammlung des Sportparlaments ankündigte. Eine Lokalität mit genügend Platz in Biel sei vorhanden. Die Betriebskosten würden sich Baspo und Swiss Olympic teilen, die Gegenstände könnten von Interessierten ausgeliehen werden.

Bisher war die grösste schweizerische Sportsammlung in Münchenstein zu sehen gewesen. Das 1945 gegründete Sportmuseum bewahrte Objekte auf wie zum Beispiel ein Maillot jaune von Rad-Legende Ferdi Kübler, ein Tennisracket von Roger Federer oder der Marie-Theres Nadigs Skihelm, mit dem sie 1972 in Sapporo zweimal Olympiasiegerin geworden war.

Die Stiftung Sportmuseum hatte seit Jahren mit Geldmangel zu kämpfen. Das Ende wurde besiegelt, als das Bundesamt für Kultur und die Kantone -Stadt und Baselland ihre Beiträge strichen. Nun wird sich mit dem Baspo eine andere staatliche Einrichtung um das Erbe kümmern.

Hans-Dieter Gerber (l.) und Beni Pfister beschwören an der Museumnacht im Sportmuseum den Mythos Rotblau.
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Ende des Sportmuseums Basel
Roger Federers Tennisschläger, benutzt im Finale des Australian Open 2009.
Und eine beeindruckende Sammlung an weiteren Tennisrackets
Das Historische Museum kann die Bestände des Sportmuseums nicht übernehmen. Es fehlen die Mittel.
Die Hoffnung war gross, das Sportmuseum doch noch retten zu können.
Dieses ist in seiner Existenz bedroht, nachdem sowohl der Bund als auch die beiden Basel ihre Subventionen gestrichen haben.
Einzig Swiss Olympic unterstützt das Museum noch bis Ende 2020.
Doch das reicht nicht einmal für die Miete.
Damit ist jetzt schon klar: Das Sportmuseum kann in seiner heutigen Form nicht weiterbestehen.
Einer der Skischuhe von Pirmin Zurbriggen von 1985
Besondere Exponate aus dem Fundus: Die Trillerpfeife vom Basler Schiedsrichter Gotti Dienst, mit der er am Finale von 1966 das beruehmte Wembley-Tor pfiff.

Hans-Dieter Gerber (l.) und Beni Pfister beschwören an der Museumnacht im Sportmuseum den Mythos Rotblau.

Kenneth Nars