Apérothlon ist der perfekte Start ins Jahr für alle, die sich mehr Sport vornehmen aber Laster nicht lassen wollen. Gelegenheiten für Amateure bieten sich viele: Parteien, Zünfte und Vereine buhlen um Teilnehmende.

Die «Big Three» heben sich davon aber ganz klar ab in Prestige und Grösse. Sie meistern das Spannungsfeld zwischen möglichst hoher Teilnehmerzahl ohne an Exklusivität einzubüssen. Die bz öffnet einen Türspalt in diese illustren Kreise.

Zur Bewertung von Neujahrsempfängen hat sich das Schema F bewährt: Festansprache, Fressalien und Flops machen aus, wie man über einen Apéro spricht. Um es gleich vorwegzunehmen: So ähnlich das Publikum, so unterschiedlich waren die drei Neujahrsempfänge in dieser Woche.

Charme eines Zürcher Nachtclubs

Spektakulär startete die Regierung. Sie bewies Klasse, indem sie das Publikum bis draussen in der Kälte anstehen liess (was die HKBB nächstentags natürlich sofort kopierte). Das straffe Regime der Türsteher-Gorillas verlieh dem Einlass den Charme eines Zürcher Nachtclubs. Das musste der Baselbieter Regierungsrat Isaac Reber am eigenen Leib erfahren. Er hatte wohl seine Einladung verschlumpft und musste deshalb lautstark erklären, wer er ist.

Nach dem Begrüssungszeremoniell wartete der erste Streckenposten mit einem Getränk. Unerfahrene greifen hier zum Bier. Dabei weiss jeder, dass Kellner nur Weintrinkern nachschenken. Es ist wie mit der Rheinschifffahrt: Der Pegel ist entscheidend. Die ersten roten Nasen verschwanden im Dunkel, als Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann zur Rede schritt.

Gekonnt wog sie die Zuhörerschaft in einen sanften Zustand der Entspannung, während am Hinterausgang Sicherheitsdirektor Baschi Dürr aufpasste wie ein Heftlimacher, dass niemand vorzeitig abschlich. Nach der Rede belagerten die Gäste die Bar. Natürlich fand man ganz vorne Bundesparlamentarier und Grossräte, ganzjährig gestählt durch die Galerie des Alpes und das Vorzimmer an Abendsitzungen.

Den Abend lassen manche in der Fischerstube ausklingen, wo ausrangierte Parlamentarier vor einer Schar abgewrackter Journalisten Hof zu halten pflegen.

«Fifty Shades of Grey»

Ein ganz anderes Bild bot sich am Dienstag. Es war der Abend der Handelskammer. Die Zahl älterer Herren in dunklen Anzügen stieg damit schlagartig, man spricht auch von «Fifty Shades of Grey».

Nach dem Grusswort per Videoscreen (fast wähnte man sich in einer BKB-Filiale statt der UBS) bewies Präsidentin Elisabeth Schneider-Schneiter, dass Elisabethen durchaus gut reden können. Sie bot als Überraschungsgast alt Bundesrat Johann Schneider-Ammann auf die Bühne, der ihr nach Kräften die Show zu stehlen versuchte. Auf Auslandreisen hätte man die beiden Schneiders oft für ein Paar gehalten, plauderte er aus dem Nähkästchen, «und wir haben keine schlechte Falle gemacht».

Kreativ dann die Häppli-Wahl: Es gab Mini-Burger und Kellner servierten Fondue aus der Bauchlade. Ein cleverer Griff in die olfaktorische Trickkiste, um den Saal schneller zu leeren.

Am Freitag war die Reihe am Gewerbeverband. Dieser hatte traditionell ins Theater geladen und wartete gleich mit mehreren Reden auf. Einen Film hätte es auch noch gegeben, aber die Technik hatte Mitleid mit dem Publikum.

Präsident Marcel Schweizer redete über Politik, BKB-Chefin Simone Westerfeld über Physik und Direktor Gabriel Barell wagte sich an ein völlig neues Thema: Parkplätze. Kein einfaches Schlussprogramm für Apérothleten, die am Freitag schon vier Anlässe in den Knochen und der Leber hatten. Von denen gab es einige, die Überschneidungen der geladenen Verladenen sind zuweilen gross. Der Gewerbe-Empfang hat noch eine andere Eigenheit: Das Buffet – und es ist das reichhaltigste aller Buffets – wird traditionell mit einem Massenstart eröffnet.

Schöne Szenen, die bis zur nächsten Saison in Erinnerung bleiben.