Basler Museen
Fehlende Museumsstrategie: Direktoren üben ein bisschen Kritik an Guy Morin

Den Basler Museen fehlt ein Gesamtkonzept, obwohl ein solches Regierungspräsident Guy Morin seit Jahren verspricht. Nun üben die Museumsdirektoren verschämt Kritik am Chef.

Susanna Petrin
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Der Direktor des Antikenmuseums, Andrea Bignasca, würde die Museumsstrategie gerne genauer kennen.

Der Direktor des Antikenmuseums, Andrea Bignasca, würde die Museumsstrategie gerne genauer kennen.

Kenneth Nars

Das Antikenmuseum führt bald ganz still zu Randzeiten etwas ein, was in Basel schon öfter diskutiert worden ist: Gratiseintritte. An einer Medienkonferenz zum 50-Jahr-Jubiläum des Museums wurde die Neuerung am Rande erwähnt. Donnerstags und freitags – also an denjenigen Abenden, an denen das Museum bis 22 Uhr offen hat – ist der Eintritt in die allgemeine Sammlung ab 19 Uhr frei.

Die Gratiszeiten gelten erst ab Mitte Januar. Und nur zu Zeiten, während derer das Museum das Bistro selber führe, relativiert der Direktor des Antikenmuseums, Andrea Bignasca, diesen kleinen Schritt Richtung generellem Gratiseintritt in die staatlichen Sammlungen. Er möchte das vorsichtig handhaben. Wohl nicht zuletzt deshalb, weil es gerade für die staatlichen Museen gut wäre, wenn es eine gemeinsame Handhabe für «Gratiseintritte» gäbe. Wenn es eine gemeinsame Handhabe für so manches gäbe.

Eine solche Gesamtstrategie setzt der Basler Regierungspräsident Guy Morin (Grüne) schon seit Jahren in Aussicht. Doch das Papier aus seinem Präsidialdepartement lässt seit Jahren auf sich warten. Zahlreiche Basler Parlamentarier sind darob erbost.

Das grosse Ganze kennt man nicht

Auch beim Marketing und dem Webauftritt wäre Bignasca nicht unfroh gewesen, die lang angekündigte Gesamtstrategie für die Basler Museen läge bereits vor, räumt er auf Anfrage ein. Seine Kritik übt Bignasca äusserst vorsichtig. Wie alle staatlichen Museumsdirektoren möchte er seine Chefs nicht brüskieren.

Natürlich hängt kein Museum im luftleeren Raum. Es gibt ein Kulturleitbild und noch spezifischer ein Museumsgesetz. Hinzu kommen regelmässige Treffen. «Wir sind im guten, regelmässigen Austausch mit der Kulturdirektion», sagt Andrea Bignasca, «und wir wissen bereits, in welche Richtung es gehen soll». Trotzdem wäre es nun gerade bei diesen Neuerungen in seinem Museum gut gewesen, das grössere Ganze zu kennen.

Ähnlich wie Bignasca sieht es Gudrun Piller, Direktorin ad interim des Historischen Museums (HMB): «Wir brauchen die Museumsstrategie nicht zwingend für unsere tägliche Planung», sagt sie, «aber nun, da sie schon lange angekündigt ist, sind wir natürlich gespannt, was sie beinhaltet.» Die strategische Entwicklung des eigenen Hauses müsse aber so oder so konstant weitergeführt werden. Wie sprechen wir das Publikum an? Welche Sonderausstellungen planen wir? Man orientiere sich dabei am Kulturleitbild. «Doch es wäre wichtig, dass die Überlegungen in den Museen mit der Gesamtstrategie kompatibel sind.»

«Macht mir kein Bauchweh»

Ziemlich egal scheint das Fehlen der Museumsstrategie den Direktoren der drei übrigen staatlichen Museen zu sein. «Das Warten macht mir kein Bauchweh», sagt Christian Meyer, Direktor des Naturhistorischen Museums. Sein Haus könne er wie gewohnt führen. Er hoffe zwar auf «eine Verbesserung bei den komplexen finanztechnischen Sachen», auf «klare Aufträge, klare Formulierungen». Aber: «Lieber ein halbes Jahr später, dafür mit Hand und Fuss.» «Es ist schön, hier zu arbeiten», sagt Anna Schmid, Direktorin des Museums der Kulturen, etwas lapidar. Mehr möchte sie nicht dazu sagen.

Das grösste, prestigeträchtigste und kostspieligste Basler Museum, das Kunstmuseum, wird seit September neu von Josef Helfenstein geführt. Wäre er froh um diese Gesamtleitlinie? Sie fehle ihm nicht, sagt er, er glaube nicht, dass da «eine umwerfende, neue Einsicht» komme. Er spreche da auch aus Erfahrung mit solchen lang erwarteten Strategien in den USA.

«Hauptsache, dass wir ein Konzept und einen Zukunftsplan haben», betont Helfenstein. Und man habe ihn ja nach Basel geholt wegen seinen Visionen und Plänen für das Haus. An einer verstärkten Öffnung und Zusammenarbeit mit anderen Institutionen in Basel sei er ohnehin sehr interessiert. «Das muss man mir gar nicht sagen», fügt Helfenstein an. Die von ihm kuratierte Chagall-Ausstellung kommenden Herbst zum Beispiel entsteht in Kooperation mit dem Jüdischen Museum.

Einen Museumsskandal verursachte im Frühling Gudrun Pillers Vorgängerin, Marie-Paule Jungblut. Lange Zeit blieb unbemerkt, dass die HMB-Direktorin das Museumsbudget arg strapazierte. Sie hinterliess ein Defizit in der Höhe von 745 000 Franken. Eine neue Museumsstrategie dürfte unter anderem auch dafür sorgen, dass solche Fehlplanungen früher korrigiert werden können.