Strassenbeleuchtung

Erlenmatt: Anwohnerinnen wollen mehr Licht für mehr Sicherheit

Wer im Erlenmatt-Quartier wohnt, muss nachts auf dem Heimweg dunkle und menschenleere Plätze durchqueren.

Wer im Erlenmatt-Quartier wohnt, muss nachts auf dem Heimweg dunkle und menschenleere Plätze durchqueren.

Über 2000 Menschen leben im neuen Basler Erlenmatt-Quartier. Wegen düsterer Plätze fühlen sich dort aber viele Frauen nicht wohl.

Will Laetitia Block nach einem Abend im St.-Johann-Quartier auf dem schnellsten Weg nach Hause, läuft sie dem Riehenring entlang bis zum Gebäude der Fossil Group Europe und biegt dort nach links ab. Sie überquert den – mit einigen wenigen Bäumen dekorierten – Teerplatz vor dem Neubau und den Max-Kämpf-Platz. Nach der Primarschule Erlenmatt muss sie über die Erlenstrasse, um schliesslich in ihre Wohnstrasse einbiegen zu können. Hier lebt sie seit fast fünf Jahren. Wann immer möglich meidet Block, diesen Weg alleine zu gehen. «Ich fühle mich nicht wohl. Abends und nachts sind kaum Menschen unterwegs und die Beleuchtung im Quartier ist schlecht», sagt die Präsidentin der Jungen SVP Basel.

Karte: Schlecht beleuchteter Betonplatz im Erlenmatt

Karte: Schlecht beleuchteter Betonplatz im Erlenmatt

Und damit ist Block scheinbar nicht alleine. Sie weiss von mehreren Nachbarinnen, die sich ebenfalls unsicher im Quartier fühlen. Da gibt es Erzählungen von Frauen, die auf ihrem Nachhauseweg von Fremden verfolgt wurden. Oder das Horror-Erlebnis einer Freundin von Block: «Sie lief am Dienstagabend alleine über den Platz nach Hause. Drei Männer stellten ihr nach und holten sie ein. Einer packte sie am Arm und versuchte, sie wegzuzerren.» Zum Glück hätten zwei Männer in der Nähe den Schrei der Freundin gehört und eingegriffen. Zusammen mit Laetitia Block meldete die Frau danach dieses Erlebnis der Polizei. Eine Anzeige wurde nicht erstattet.

Der Vorfall erschütterte Block. Sie entschied sich, das Problem in die Öffentlichkeit zu rücken, und twitterte noch am Dienstagabend: «Wann, liebe Regierung, kommt im Erlenmatt die Beleuchtung? Wir Frauen fühlen uns nicht mehr sicher.» Darunter verlinkte sie das Justiz- und Sicherheitsdepartement sowie dessen Vorsteher Baschi Dürr. Gegenüber dieser Zeitung erläutert die Jungpolitikerin: «Vor wenigen Tagen wurde an der Elsässerstrasse eine Frau vergewaltigt, und jetzt das. Ich musste das Thema nun aufs Tapet bringen.» Für Block ist die Lösung des Problems denn auch simpel: «Die Strassen und Plätze müssen ausreichend beleuchtet werden.» Rund um den Max-Kämpf-Platz und der Erlenmattstrasse entlang ins Rosentalquartier sei es sehr dunkel. Bis mehr Beleuchtung angebracht wurde, fordert Block eine stärkere Präsenz der Polizei im Quartier.

Licht und Skaterpark für mehr Sicherheit

Tatsächlich hält eine Studie des Kantons Basel-Stadt und des Basler Fonds zur Sicherheit in öffentlichen Räumen aus dem Jahr 2018 fest: «Nachweislich ist Licht, beziehungsweise eine ausreichende und geeignete künstliche Beleuchtung, einer der wichtigsten Faktoren, der in Dämmerung und Dunkelheit zu einem Gefühl von Sicherheit beiträgt.»

Weiter wird empfohlen, dass bei der Entwicklung grösserer Neubaugebiete darauf zu achten sei, «den öffentlichen Raum vor der eigentlichen baulichen Entwicklung durch Zwischennutzungen aktiv zu bespielen». Als Beispiele werden temporäre Gastronomiebetriebe oder Skateranlagen genannt. Auf eine solche Zwischennutzung warten die Anwohner des Tangentenwegs seit Jahren. Sie blicken nämlich aus ihren Fenstern direkt auf eine brachliegende Fläche, angrenzend an den Betonplatz. Eigentlich sollten hier seit 2018 Jugendliche ihre Freizeit verbringen können. Der Grosse Rat segnete vor fünf Jahren einen Kredit über 20,5 Millionen Franken für das Jugendzentrum «Stadtterminal» ab. Getan hat sich nichts. Das Bau- und Verkehrsdepartement sagt gegenüber der «Basler Zeitung», das Projekt müsse überarbeitet werden, da unklar sei, ob der Kostenrahmen eingehalten werden könne. SP-Grossrätin Sarah Wyss, die auch im Erlenmatt-Quartier lebt, sagt, das Areal müsse dringend belebt werden. «Mit angemessener Beleuchtung und Bespielung des Platzes wäre er weniger trostlos.» Angst habe sie im Quartier aber noch nie gehabt.

Für die öffentliche Beleuchtung sind in Basel-Stadt die Industriellen Werke Basel (IWB) zuständig. Sprecher Reto Müller schreibt auf Anfrage: «Im Erlenmatt-Quartier haben wir in der Vergangenheit verschiedene Anpassungen und Optimierungen vorgenommen. Aus den letzten Jahren sind uns jedoch keine konkreten Beschwerden bekannt.» Die Wege und Plätze würden den schweizerischen Normen entsprechend beleuchtet. Anliegen aus der Bevölkerung würde die IWB in Absprache mit dem Kanton aufnehmen und prüfen.

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