FCB-Übernahme
Eric Sarasin beleidigt FCB-Präsident Burgener: «Wie eine Miss-Wahl, bei der nur eine dicke Rothaarige antritt»

Der ehemalige Banker Eric Sarasin gewährt im Interview mit der «Handelszeitung» Einblick in den Verkauf des FC Basel vor gut einem Jahr. Und fährt Präsident Bernhard Burgener gehörig an den Karren.

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Eric Sarasin (Bild) wurde im Dezember 2016 «als Erster» vom damaligen FCB-Präsidenten Bernhard Heusler kontaktiert.

Eric Sarasin (Bild) wurde im Dezember 2016 «als Erster» vom damaligen FCB-Präsidenten Bernhard Heusler kontaktiert.

Keystone

Da fährt einer der neuen Führung des FC Basel aber gehörig an den Karren. Im Gespräch mit der «Handelszeitung» vergleicht Eric Sarasin die Wahl von Bernhard Burgener und seiner Entourage mit einer Miss-Schweiz-Wahl, «bei der am Ende nur eine dicke Rothaarige antritt».

Der Reihe nach: Der ehemalige Banker Eric Sarasin (60) hatte aus seinen Ambitionen auf das Präsidentenamt beim FC Basel nie ein Geheimnis gemacht.

Daran erinnerte sich offenbar auch Ex-Präsident Bernhard Heusler, als er nach einer Nachfolgelösung suchte. Heusler wollte den Mitgliedern eine Auswahl von drei bis vier potenziellen Kandidaten präsentieren. Also motivierte man auch den heutigen Sportchef Marco Streller, sich mit einem geeigneten Partner für die Übernahme zu bewerben.

Wie Sarasin verrät, war Bernhard Burgener, der heutige Präsident, zu diesem Zeitpunkt (Ende 2016) noch gar kein Thema. Und: «Es lief auf eine Ausmarchung zwischen mir und Marco Streller hinaus.» Er habe ein fünfseitiges Konzept ausgearbeitet und einen namhaften Verwaltungsrat zusammengestellt. Wen er dafür vorgesehen hätte, wollte er allerdings nicht verraten.

FCB wäre doppelt so viel wert

Anfang 2017 wird Sarasin von Heusler & Co. gebeten, seine Pläne jenem Gremium vorzustellen, das auch das Konzept «Für immer Rotblau» von Burgener prüfte. Ein Affront für Sarasin: «Ich verstand die Welt nicht mehr. Weshalb sollten wir uns vor diesem basisdemokratischen Grüppchen präsentieren?» Er ging davon aus, dass er das Konzept lediglich Bernhard Burgener und seinen Mitstreitern hätte präsentieren müssen. Also zieht er sich zurück.

Auch Strellers Wunschpräsident habe sich wenig später verabschiedet. Und so war Heuslers Plan, den Vereinsmitgliedern eine Auswahl zu präsentieren, plötzlich obsolet. Statt drei, vier Möglichkeiten stand man ohne Lösung da. Irgendwann in der Folge muss Burgener auf den Plan getreten sein. Nach dem Motto «Einer ist besser als keiner» liess man ihn sein Konzept präsentieren. Was Sarasin zum eingangs erwähnten Kommentar («Das ist wie eine Miss-Schweiz-Wahl, bei der am Ende nur eine dicke Rothaarige antritt.») bewegte.

Ziemlich deftige Worte an die Adresse von FCB-Präsident Burgener. Und vermutlich mit ein Grund, warum er nur «zwischen 15 und 20 Millionen Franken für den Club bezahlt» hat, wie Sarasin zu wissen glaubt. Das entspricht dem halben Jahresgewinn des Jahres 2016 (ein Ausnahme-Jahr mit Einnahmen aus den Transfers von Aleksandar Dragovic, Derlis Gonzalez, Mohamed Elneny, Breel Embolo und weiteren Spielern).

«Die jetzige Lösung ist gut»

Sarasin selbst erklärte, dass er damals eigentlich vom eineinhalbfachen eines Jahresgewinns ausgegangen sei, «also zwischen 40 und 50 Millionen Franken». Insofern habe Bernhard Burgener schlussendlich den Fussballclub zu einem «sehr vorteilhaften Preis» übernehmen können. «Damit winkt dereinst ein satter Gewinn bei einem Verkauf», sagt Sarasin.

Während Sarasin dem heutigen Präsidenten gehörig an den Karren fährt, lobt er dessen Vorgänger: «Es ist ihm (Bernhard Heusler) hoch anzurechnen, dass er die Zitrone nicht auspressen wollte. Umgekehrt bin ich mir aber sicher, dass Burgener auch 40 Millionen Franken für den FCB bezahlt hätte.»

Sarasin versucht sich zum Schluss – reichlich scheinheilig – doch noch mit einem Lob für die neue Führung um Bernhard Burgener und Marco Streller: «Ich möchte jedoch betonen, dass ich die jetzige Lösung gut finde und voll hinter den neuen Exponenten stehe.»

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