Überfall

Er gaunerte in der Waschküche – und landete vor Basler Gericht

An der Hegenheimerstrasse wurde eine betagte Frau überfallen. Der Täter muss für drei Jahre ins Gefängnis. (Symbolbild)

An der Hegenheimerstrasse wurde eine betagte Frau überfallen. Der Täter muss für drei Jahre ins Gefängnis. (Symbolbild)

Der Wohnungsräuber von der Hegenheimerstrasse hat eine betagte Frau mit Kabelbinder dingfest gemacht und ist mit etwas Bargeld geflüchtet. Er wurde erst später dank DNA-Beweis überführt.

«Das war ich nicht», beteuerte der 61-jährige Mann diese Woche in der Gerichtsverhandlung mehrmals. Für die drei Richter gab es aber keinen Zweifel: Sie verurteilten den Mann wegen Raubes und anderer Delikte zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von drei Jahren.

Im Februar 2019 überfiel ein maskierter Mann an der Basler Hegenheimerstrasse eine
84-jährige Frau, als sie von der Waschküche zurück in ihre Wohnung gehen wollte. Er fesselte sie mit Kabelbinder, danach musste sie sich auf das Bett legen. Als er nach der Durchsuchung des Wohnzimmers wieder ins Schlafzimmer zurückging, versuchte die Frau – trotz ihrer gefesselten Hände – ihm einen Pokal über den Schädel zu ziehen.

Als sie diese Woche vor dem Basler Strafgericht als Zeugin aussagte, bestätigte sie dies kichernd. Der Versuch misslang allerdings, der Räuber schlug daraufhin die Frau ins Gesicht. Schliesslich zwang er sie, den Tresor zu öffnen.

Täter versäumte es, Kabelbinder zu entsorgen

Die grosse Beute blieb allerdings aus, der Mann flüchtete mit 780 Franken. Zuvor löste er die Fesseln, band allerdings die Füsse der Frau mit Kabelbinder ans Bett und gab ihr eine Schere. Nach zehn Minuten dürfe sie sich befreien. Der letzte Punkt sorgte diese Woche für eine kleine Strafmilderung.

Die Fahndung blieb zunächst erfolglos. Doch als ein Mieter wenige Wochen später am Wiesenschanzweg einen Einbrecher in flagranti erwischte und die Polizei den 61-Jährigen nach kurzer Flucht an der Brombacherstrasse verhaften konnte, bot die Hausdurchsuchung ein aufschlussreiches Resultat: Man fand bei ihm einen Schlüssel für die Liegenschaft an der Hegenheimerstrasse, dazu Sturmhaube, passende Handschuhe und Kabelbinder. Diese waren nicht nur von derselben Sorte wie die beim Überfall verwendeten, eine Untersuchung unter dem Mikroskop bestätigte sogar, dass die Kabelbinder aus derselben Produktionscharge stammten. Die beim Überfall verwendeten Kabelbinder wiederum trugen ausserdem die DNA des 61-Jährigen.

Nur kurz in eine Wohnung geschaut

Der Angeklagte hatte in der Verhandlung betont, er habe die Schlüssel gefunden und lediglich einmal kurz in eine Wohnung hineingeschaut. «Ihre Erklärung ist reichlich absurd und wenig glaubwürdig», kommentierte Gerichtspräsident Dominik Kiener.

Verteidiger Johannes Mosimann hatte vergeblich argumentiert, die überfallene Frau habe von einem Mann mit schönen Zähnen gesprochen, doch sein Mandant habe nachweislich auffällige Zahnlücken. Er reichte gar Zahnarztdokumente ein, um nachzuweisen, dass diese bereits seit einiger Zeit bestünden. Das Gericht überzeugte das nicht, zumal Opfer in Schrecksituationen sehr oft die Täter nur ungenau beschreiben könnten.

«Ich habe Sie jetzt zwei Tage beobachtet. Wenn Sie sprechen, dann sieht man ihre Zähne fast nicht», sagte Kiener.

Unklar bleibt die Rolle des Mannes bei einem anderen Einbruch im Juli 2009 an der Gotthelfstrasse: Hier wurden nebst Silbermünzen und goldenen Manschettenknöpfen mehrere Pistolen, eine Maschinenpistole und über 1000 Schuss Munition entwendet. Eine SIG-210-Pistole aus dem Einbruch fand man beim 61-Jährigen. Er sagte, er habe sie auf dem Schwarzmarkt einem Türken abgekauft. Das Gericht sah seine Beteiligung am Einbruch als nicht klar erwiesen an, verurteilte ihn aber wegen Hehlerei.

Gefängnisstrafe und Landesverweis

Der italienische Staatsbürger ist verschuldet und vorbestraft. Im November 2018 musste er bereits die Schweiz verlassen, kam aber nach wenigen Wochen zurück. Er ist in Sardinien geboren und in der Schweiz aufgewachsen. Das Gericht sprach nebst der Freiheitsstrafe auch einen achtjährigen Landesverweis aus. Das Urteil kann er noch weiterziehen.

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