Corona-Himmel

Eine Baslerin sammelt Bilder vom Himmel – und trifft damit ins Blaue

Olivia Aloisi: «Viele Leute schauen bewusster nach oben und nehmen das Schöne vor der eigenen Haustüre wahr.»

Olivia Aloisi: «Viele Leute schauen bewusster nach oben und nehmen das Schöne vor der eigenen Haustüre wahr.»

Illustratorin Olivia Aloisi feiert mit ihrer Facebookgruppe «The Sky over Corona» einen viralen Erfolg.

«Kommt herein und postet die Fotos eurer Himmel!» Dem Aufruf der Illustratorin Olivia Aloisi, den sie am 24. März auf Facebook platzierte, sind schon an die 11’000 Menschen gefolgt: «The Sky over Corona» versammelt Tausende von Aufnahmen. Aloisi stammt ursprünglich aus Baden und arbeitet seit 16 Jahren als wissenschaftliche Zeichnerin in Binningen. Seit zwei Jahren lebt sie in Basel.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, den Himmel zu fotografieren?

Olivia Aloisi: Kurz nach dem Lockdown fiel mir auf, wie sich der Himmel veränderte. Man hörte kein Flugzeuge mehr, was ich sehr erstaunlich fand. Auf meiner privaten Facebook-Seite habe ich darauf ein Bild vom St.-Margarethen-Hügel gepostet mit den Worten: «Liebe Corona-Quarantäne-Mitmenschen, macht mal einen Spaziergang, spitzt die Ohren und schaut in den Himmel. Wann war es das letzte Mal, dass es so leise war und so klar?» 

Wie waren die Reaktionen?

Kurz darauf bekam ich Antwort von einer Freundin aus den USA, die ebenfalls ein Bild vom Himmel schickte. Ich fand das eine hübsche Idee, dass alle ihren eigenen Himmel zeigen, und habe deshalb die Facebook-Gruppe «The Sky over Corona» gegründet. Mit dem viralen Erfolg hätte ich allerdings nie gerechnet!

Sie arbeiten in Binningen, unter Basels Flugschneise. Was bedeutet Ihnen der verkehrsberuhigte Himmel?

Ich bin gegen die Vielfliegerei. Es ist aber nicht meine Art, anderen Menschen vorzuschreiben, was sie zu tun haben. Der schöne Effekt von «The Sky over Corona» ist, dass viele Leute bewusster nach oben schauen und das Schöne vor der eigenen Haustüre wahrnehmen. Gleichzeitig hat man Dank den Bildern aus aller Welt die Möglichkeit zu reisen, ohne dass man in ein Flugzeug steigt. Man gibt kein Geld aus und sieht trotzdem alles.

Geht es auch um das Gemeinsame, das man in einer Zeit der Isolation teilt?

Das ist eine Ebene, die sehr wichtig ist. Der Erfolg der Gruppe rührt auch daher, dass viele Menschen neben all den negativen Meldungen etwas Schönes sehen und teilen wollen. Wir leiden zwar alle gemeinsam unter der Pandemie und müssen auf Distanz gehen. Aber wir sind eben auch vereint unter einem Himmel, der überall anders aussieht und doch der gleiche Himmel bleibt.

Sie sind Illustratorin. Spielt der Himmel auch in Ihrer Arbeit eine Rolle?

Auf jeden Fall. Wolken finde ich faszinierend, auch gemalte Bilder vom Himmel gefallen mir. Ich bin ohnehin sehr naturverbunden, Vögel sind meine Lieblingstiere. Das schafft wieder einen Bezug zum Himmel. 

Wie viele Beiträge sind bislang zusammengekommen?

Das wüsste ich auch gern! (lacht) Es sind jetzt fast 11’000 Mitglieder, einige schauen sich die Bilder vielleicht nur an. Aber 10’000 Beiträge sind es sicher. Bis vor ein paar Tagen habe ich mich noch regelmässig durchgescrollt und nach Möglichkeiten kommentiert. Es gibt Fotos von unglaublichen Sonnenuntergängen, die von Profifotografen stammen. Aber mich berühren auch die alltäglichen Bilder, die aus einem Fenster heraus entstanden sind und den Bezug zur jetzigen Situation zeigen. 

Stört Sie der professionelle Ehrgeiz?

Es gibt eben immer zwei Seiten. Ich habe als Reaktion auf Bilder schon öfter gelesen: «Ach, da möchte ich auch wieder mal hin.» Dann schreibe ich schon mal darunter: «Mach das, wenn Du ohne Flug hinkommst.» Oder ich gebe den Input, dass es überall schön sein kann. Die Kommentare sind insgesamt sehr friedlich, das ist bei dieser grossen Menge an Menschen schon erstaunlich.

Möchten Sie die Bilder in irgendeiner Form veröffentlichen?

Der Erfolg der Facebookgruppe ist ein Paradebeispiel für exponentielles Wachstum, genau wie beim Virus selbst. Ich rechne damit, dass die Kurve auch hier abflachen wird. Ich bekomme oft den Input, dass ein Buch schön wäre, aber eigentlich möchte ich das nicht. Das Ziel ist für mich schon erreicht. Für ein Buch müsste ich eine Auswahl treffen: Das ist erstens kaum zu bewältigen, ausserdem finde ich alle Bilder gleich wichtig.

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