Herr Fehlmann, Ihre grösste Ausstellung in der kommenden Saison müssen Sie auswärts veranstalten. Was bringt das für Nachteile?

Marc Fehlmann: Wir haben grosszügige private Gönner und Stiftungen, die uns helfen, aber es ist schwierig, Sponsoren, also Firmen, als Unterstützer zu finden, da die Ausstellung als eine des Kunstmuseums wahrgenommen wird. Ein grosser Geldgeber kann die Ausstellung dort beispielsweise nicht unterstützen, weil es mit dem Kunstmuseum Exklusivverträge mit einem anderen Hauptsponsoren gibt. Auch gibt es bei einigen Stiftungen Überschneidungen. Damit müssen wir leben. Aber wir können trotzdem eine Ausstellung realisieren, die sonst nicht möglich gewesen wäre.

Wieso kommt die Ausstellung nicht in die Barfüsserkirche?

Weil die infrastrukturellen Rahmenbedingungen nicht einem solchen Ausstellungsformat entsprechen. Wir hätten die Leihgaben, die wir zeigen wollen, gar nicht erhalten.

Heisst das, Sie müssen auch künftig bedeutende Ausstellung auslagern?

Wir haben Klima- und Sicherheitsbedingungen, die nicht mehr den internationalen Standards entsprechen. Aber wir arbeiten mit den Behörden intensiv daran, um dies zu ändern.

Das bedeutet aber doch, dass die Sicherheit auch für die eigenen Bestände nicht mehr gewährleistet ist?

Ich möchte das anders formulieren: Die Bedingungen sind nicht so optimal, wie man es in Basel vermutlich erwarten würde.

Eine Betriebsanalyse soll den Zustand des Museums klären. Was erwarten Sie von dieser?

Ohne vorgreifen zu wollen, denke und hoffe ich, dass die Analyse zeigen wird, was ein Museum mit drei Ausstellungshäusern und acht Depots wirklich braucht.

Sie haben ja 2018 ein Spar-Jahr eingelegt. Trotzdem gibt es ein Defizit. Wie hoch ist dieses?

Wir prognostizieren eine Budgetüberschreitung um 300 000 Franken. Natürlich wäre es rein rechnerisch klüger gewesen, die Luken zu schliessen und drei Jahre nur noch aufzuräumen. Aber das Historische Museum braucht gerade jetzt Projekte, die positiv wahrgenommen werden. Das Programm des kommenden Jahres wird dazu beitragen. Und übrigens: Die Hälfte des Defizits wird von einer privaten Stiftung für Aktivitäten im Musikmuseum gedeckt. Den Rest können wir mit Rückstellungen aus dem letzten Jahr abdecken.

Wie kam es zum Defizit?

Im Budget, das vor meinem Amtsantritt erstellt wurde, waren verschiedene Positionen nicht besetzt. Beispielsweise der Kurator für die historische Abteilung und der Chefrestaurator. Den Kurator für Zeitgeschichte gab es früher auch nicht. Diese Positionen wurden mit der Einwilligung des damaligen Leiters der Abteilung Kultur unter Annahme anderer finanzieller Rahmenbedingungen besetzt. Dann haben wir auch dringende Renovationsarbeiten wie etwa die Beseitigung von Schimmelbefall im Musikmuseum durchgeführt und wir mussten für das eine Problemdepot den 2017 noch nicht vorhersehbaren Ersatz an der Mailänderstrasse einrichten. So kam es zu Mehrausgaben.

Und wie sieht das Budget 2019 aus?

Wir arbeiten intensiv daran, dass wir die Kosten im Griff behalten.

Sind denn die Ausstellungen nächstes Jahr finanziert?

Die Nietzsche-Ausstellung wird vollumfänglich von einem privaten Mäzen finanziert. Bei derjenigen zum Münster haben wir bisher 72 Prozent gesichert. Ich arbeite hart für jeden gestifteten Franken, aber es ist nicht so leicht, für das Basler Münster Geld zu finden wie für Picasso oder Tutanchamun. Dabei geht es in unserer Ausstellung um eine Sternstunde der Basler Geschichte. Ohne Heinrich II. gäbe es Basel nicht in der heutigen Form. Das versuche ich den Politikern und potenziellen Sponsoren zu vermitteln.

Beim Kunstmuseum hat der Grosse Rat mit einer Million Franken das Gröbste verhindert. Wie bewältigen Sie die Mehrkosten im 2019?

Kommendes Jahr haben wir die Betriebsanalyse auf dem Tisch, und ich bin zuversichtlich, dass das Präsidialdepartement und der Grosse Rat mit den gewonnenen Informationen verantwortungsvoll umgehen werden.

Das Schweizer Fernsehen hat die Basler Museumskrise aufgegriffen. Regierungsrätin Elisabeth Ackermann negiert dort, dass es eine Krise gibt. Wie sehen Sie das?

Wenn alle finden, dass es keine Krise gibt, dann gibt es auch keine. Ich bin zuversichtlich, dass sich die Situation in den kommenden Jahren entspannen wird.

Die Museumsstrategie zementiert jedoch eher den Status quo, als dass sie Lösungen aufzeigt.

Das sehen nicht alle so.

Sie beinhaltet eine nähere Begleitung der Museen. Werden Sie jetzt einfach mehr kontrolliert?

Ich merke bisher keinen Unterschied. Das Basler Museumsgesetz garantiert schliesslich die operative, finanzielle und inhaltliche Unabhängigkeit.

Doch noch mal zurück zu der Krise. Sie sagten, dass Sie mit anderen Vorstellungen angetreten sind. Wie ist denn die Stimmung in Ihrem Team?

Die Stimmung im Team ist sehr gut. Das ganze Haus hat eine schwierige Zeit hinter sich, die auch viele Verletzungen hinterlassen hat. Wir sind dabei, diese zu heilen. Und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind wieder hoch motiviert, tolle Projekte zu verwirklichen. Wir alle arbeiten mit grosser Leidenschaft für das Historische Museum Basel. Es ist allen bewusst, dass diese Arbeit auch ein Privileg ist.

Wie ist die Lust bei Ihnen selbst?

Ich nehme die Herausforderung gerne an, hab tolle Unterstützung von der Geschäftsleitung, der Kommission, unserem Stiftungsrat und dem ganzen Team.

In der Zusammenarbeit mit der Präsidialabteilung gab es auch schon Unstimmigkeiten. Sind Sie der Meinung, dass diese Zusammenarbeit eine gute Zukunft hat?

Auf jeden Fall. Alles wird gut.