Basel
Die Stadt entdeckt die Ehepartner der Expats – und will sie integrieren

Basel bietet den Ehepartnern gut ausgebildeter ausländischer Arbeitskräfte Hilfe beim beruflichen Einstieg. Denn die Expats lassen sich nur dauerhaft nieder, wenn sich die ganze Familie integriert. Die Sache kommt gut an: Die Warteliste ist lang.

Pascale Hofmeier
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Die Ehepartner von Expats werden vom Kanton Basel-Stadt umgarnt (Symbolbild).

Die Ehepartner von Expats werden vom Kanton Basel-Stadt umgarnt (Symbolbild).

Keystone

Sie haben studiert, sind erfolgreich und entscheiden sich der Liebe wegen, nach Basel zu ziehen. Doch den Ehepartnern von Forschenden und den Ehefrauen von Führungskräften aus der ganzen Welt fällt der berufliche Einstieg hier oft schwer.

Neue Klientel für die Integration

Nun hat der Kanton Basel-Stadt die «Trailing Spouses», die mitziehenden Ehepartner, als Klientengruppe für die Integration entdeckt. Aus Sicht der Stadt liegt Potenzial brach – trotz Fachkräftemangel auf dem Arbeitsmarkt. Und die Expats lassen sich nur dauerhaft nieder und zahlen von ihren guten Löhnen Steuern, wenn sich die ganze Familie sozial und beruflich integriert.

Um den Partnerinnen und Partnern zu helfen, hat die Fachstelle Diversität und Integration des Kantons Basel-Stadt zusammen mit der Baselbieter Sicherheitsdirektion am Donnerstag erstmals die Konferenz «Spouse Power – Back to work» durchgeführt. Das Ziel: mit Informationen die Chancen der zugewanderten Ehepartner zu verbessern. Wie viele es in Basel sind, dazu existiert keine Statistik. Der Kanton gibt an, dass rund 19'700 Personen, also 10 Prozent der Basler Wohnbevölkerung, ausländische Arbeitnehmer sind, die über eine höhere Fach- oder Berufsausbildung respektive einen Universitätsabschluss verfügen.

Bei der neuen Zielgruppe kam der Kongress gut an: «Wir haben 200 Teilnehmer und bereits 100 Leute auf der Warteliste für nächstes Jahr», sagte die kantonale Integrationsbeauftragte Nicole von Jacobs. Im Saal des Restaurant Union sassen gestern bei Weitem nicht nur Frauen, sondern auch viele Männer, um sich über bereits bestehende Angebote zu informieren und den Vorträgen über Bewerbungsstrategien auf dem Schweizer Arbeitsmarkt, Coachingprogramme, Bildungsanerkennung, den Nutzen von Freiwilligenarbeit anzuhören und zu netzwerken.

Der Kanton investiere rund 10'000 Franken für den Anlass, sagte von Jacobs. Das entspreche einem mittelgrossen der 2013 bewilligten 63 Projekte für die Stammzielgruppen der Integration, für ungelernte Arbeitskräfte und Flüchtlinge.

Sprache ist die grösste Hürde

Warum der berufliche Einstieg auch für Hochqualifizierte schwierig ist, das habe verschiedene Gründe, sagte von Jacobs: «Das Bewerbungsprozedere in der Schweiz ist völlig anders, als in vielen anderen Ländern.» Hinzu kommt, dass Diplome häufig nicht eins zu eins anerkannt werden. Zu den grössten Hürden gehört für die «Trailing Spouses» aber die Sprache. Das betonten alle Partner, die selber als Redner auftraten. Die Konferenzsprache war übrigens Englisch.

Einerseits seien sich Englischsprachige häufig nicht gewohnt, eine Fremdsprache zu lernen. Das sagte Margaret Oertig, Dozentin an der Fachhochschule Nordwestschweiz. Ursprünglich aus Schottland kam sie vor 26 Jahren in die Schweiz und hat mehrere Bücher geschrieben, um Ausländern den Zugang zur Kultur in der Schweiz zu erleichtern. Hinzu komme der Dialekt: «Im Sprachkurs geht es vielleicht noch, aber kaum im Tram, reden alle Schweizerdeutsch», sagte Oertig.

Für Swapna Amarnath, sie ist Inderin, ihr Mann arbeitet bei Novartis, war nach kurzer Zeit klar: «Nur wenige Worte auf Deutsch, ein Grüezi, können Türen öffnen.» Sie hat sich jedoch beruflich rasch integriert und bietet jetzt ihre Hilfe an.