Öffentlicher Verkehr
Die Sorgen der BVB: Baustellen ohne Ende und weniger transportierte Fahrgäste

An der BVB-Jahresmedienkonferenz kamen einige «Altlasten» auf den Tisch. Das Bus und Tram weniger Fahrgäste transportierten, sind nicht die einzigen Sorgen.

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Der Aeschenplatz wird derzeit saniert, im Hintergrund wartet der Centralbahnplatz auf Revision.

Der Aeschenplatz wird derzeit saniert, im Hintergrund wartet der Centralbahnplatz auf Revision.

Kenneth Nars

«Ich hoffe, dass die Aufräumarbeiten langsam zu einem Ende gelangen», sagt Verwaltungsratspräsident Paul Blumenthal im Jahresbericht gegenüber dem hauseigenen Journalisten. Angesichts der Vielzahl der Probleme im Haus der Basler Verkehrsbetriebe ein frommer Wunsch.

Das weiss auch Blumenthal selbst. An der gestrigen Jahresmedienkonferenz gab er einen Einblick in die «Altlasten», mit denen sich die BVB herumschlagen und von denen es ihn «nicht erstaunen würde», wenn noch mehr öffentlich würden.

1. Marode Gleise

Da ist zuvorderst der Bereich Infrastruktur. Bereits im vergangenen Herbst berichtete die bz, dass das öV-Unternehmen in den nächsten Jahren mehr als 140 Millionen Schweizer Franken in den Ersatz maroder Gleise investieren muss. Direktor Erich Lagler nennt 2017 das «Jahr der Bewährung».

Zwei Prozent des Schienenwerks seien in einem alarmierenden Zustand. Dies bedeutet, dass diese innerhalb von zwei Jahren saniert werden müssen – ansonsten droht ein Sicherheitsrisiko. Aktuell ist dies die Münchensteinerbrücke, der Steinenberg und Teile der Verbindung nach Allschwil.

Im nächsten Jahr müssen Abschnitte der Güterstrasse und im 2019 der Centralbahnplatz aufwendig renoviert werden. Dabei sorgen die vielen Baustellen schon jetzt dafür, dass rund ein Prozent weniger Fahrgäste in ein Tram oder einen Bus stiegen.

2. Personalprobleme

1117 Vollzeitstellen zählen die BVB. 3,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Hauptsächlich in den Bereichen Infrastruktur und Technik soll sich dieser Trend fortsetzen. Denn bis vor kurzem ist der Personalbestand über Bedarf gestiegen. «Da müssen wir Gegensteuer geben», sagt Finanzchef Stefan Popp. Lagler hat dazu ein ehrgeiziges Effizienzsteigerungsprogramm ausgerufen.

Das klang vor zwei Jahren, als Lagler sein Amt antrat, noch anders. Damals sagte er gegenüber der «Tageswoche»: «Es wird sicher keine Kürzungen beim Personal geben. Wir wollen in Zukunft einfach mehr Leistungen mit gleich vielen Leuten erbringen.» Um den Puls im Betrieb zu fühlen, hat die Chefetage bei den Angestellten eine Mitarbeiterbefragung durchgeführt.

Welche Ergebnisse diese zutage förderte steht noch offen. Lagler sagt aber: «Change-Prozesse sorgen immer für grosse Verunsicherung beim Personal. Die oberste Stelle im Personalbereich ist indes vakant: Die Suche nach einer Nachfolge für Ruth Perracini-Liechti läuft.

3. Illegales Arbeitszeitmodell

2016 mussten die BVB erkennen, dass ihr Arbeitszeitmodell «nicht in allen Punkten rechtskonform ist». In den Griff gekriegt hat man dieses Problem bislang allerdings noch nicht. Man arbeite mit den Sozialpartnern an einer Lösung, heisst es im Jahresbericht.

4. Untersuchung Combino

2018 startet der zweite Pilot zur Hauptuntersuchung der Combino-Flotte. In einem Rhythmus von 15 Jahren werden die Fahrzeuge eines bestimmten Typus’ untersucht. Ein normales Unterfangen, das aber ziemlich teuer wird: Lagler rechnet mit Kosten von 900 000 Franken pro Fahrzeug. Die BVB besitzen 28 davon.

5. Pünktlichkeit

Auf manchen Strecken müssen die Trams langsamer fahren, auf der Linie 8 führte zudem die Erweiterung auf Weil zu Verspätungen. Die BVB bildeten eine Taskforce, um diese Probleme zu kriegen. Mit Erfolg: Der Achter liegt wieder im Durchschnitt der anderen Tramlinien.

Fortsetzung folgt.

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