Wirtschaft

Die Schweizerischen Rheinhäfen werden weiblich

Die zwei neuen Frauen in der Hafen-Leitung: Petra Mösching (links) und Verwaltungsratspräsidentin Martina Gmür.

Die zwei neuen Frauen in der Hafen-Leitung: Petra Mösching (links) und Verwaltungsratspräsidentin Martina Gmür.

Mit Verwaltungsratspräsidentin Martina Gmür und Verwaltungsrätin Petra Mösching übernehmen zwei Frauen Schlüsselpositionen in der Führung der Rheinhäfen.

Auf der Website der Schweizerischen Rheinhäfen (SRH) sind fünf Männer in gesetztem Alter und Anzug abgebildet. Es sei dies der Verwaltungsrat. Um den Präsidenten Benedikt Weibel gruppieren sich die Regierungsräte Christoph Brutschin (BS) und Thomas Weber (BL) sowie der ehemalige Flughafendirektor Jürg Rämi und der Handelskammer-Direktor Martin Dätwyler.

Das Bild ist hoffnungslos veraltet. Rämi wurde bereits im vergangenen April durch Martina Gmür ersetzt, und gestern haben die Basler Regierungen ihren nächsten Karriereschritt angekündigt: Gmür erbt den Sitz des Verwaltungsratspräsidenten, den Weibel in dreieinhalb Monaten räumen wird. Dabei hatte sich Weibel erst im vergangenen Dezember für weitere vier Jahre im Amt bestätigen lassen. Beim traditionellen Hafenmähli Ende August kündete er dann aber seinen Rücktritt per Ende Jahr an, aus Altersgründen.

Weibels Stelle werde ausgeschrieben, hiess es. Wer damit meinte, es sei offen, wer künftig die strategische Führung der Basler Rheinhäfen übernehmen wird, lag falsch. Die Nachfolgerin Martina Gmür war einige Monate zuvor an Bord gekommen, um das Steuer zu übernehmen. Was Gmür mit Weibel verbindet: Auch sie hat keine berufliche Vergangenheit bei der Schifffahrt, dafür wie er eine bei den SBB. Im Rahmen der SBB Infrastruktur leitete sie für zweieinhalb Jahre den Bereich Unternehmensentwicklung. Vor drei Jahren wechselte sie in die Geschäftsleitung zu «Switzerland Global Enterprise», einer Wirtschaftsförderorganisation in staatlichem Auftrag für exportorientierte Firmen.

Günstiges Timing für die Neubesetzung 

Mit Petra Mösching zieht noch eine zweite Frau in den SRH-Verwaltungsrat ein. Sie, die seit einigen Jahren bei den baselstädtischen Industriellen Werken (IWB) das Steuerdossier betreut, übernimmt den Sitz von Dätwyler. Dieser hat sich selbst aus dem Spiel genommen, indem er sich in den Baselbieter Landrat wählen liess. Dabei war Dätwyler bisher der wohl tatkräftigste Lobbyist eines «Logistikcluster Basel» und damit Promotor des Hafenausbaus. Diesen Part wird Mösching nicht so leicht übernehmen können.
Doch noch ist ein Sitz nach der Rochade weiterhin frei und dieser werde ausgeschrieben, wie die Regierung in einer Mitteilung erneut betont. Die Ersatzwahl sei im vierten Quartal vorgesehen.

Immerhin ist der Zeitphase günstig, in der sich der SRH-Verwaltungsrat vor allem mit sich selbst beschäftigt: Die Subvention für neues Hafenbecken und einen trimodalen Umschlagplatz ist politisch einerseits gesichert. Andererseits wird es noch einige Zeit dauern, bis die hängigen wettbewerbsrechtlichen und umweltrechtlichen Verfahren abgeschlossen sein werden. Diese entscheiden, ob tatsächlich auch gebaut werden kann. Bis die ersten Bagger auffahren, ist demnach auch genügend Zeit, um auf der Website das Bild auszutauschen.

Autor

Christian Mensch

Meistgesehen

Artboard 1