Panama Papers
Die Off-Shore-WG an der Nauenstrasse

25 Off-Shore-Firmen teilen ihre Adresse mit einem Basler Treuhänder – doch dieser weiss von nichts.

Samuel Hufschmid
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Die Firmenadressen sind direkt über einer Panini-Bar an der Nauenstrasse 63a in Basel.

Die Firmenadressen sind direkt über einer Panini-Bar an der Nauenstrasse 63a in Basel.

Screenshot offshoreleaks.icij.org

Wer mit der Firma «Belmonda Investement Holdings Inc.» mit Sitz in Panama oder 24 weiteren exotischen Unternehmen in Verbindung treten möchte, muss seine Post nach Basel schicken. An die Nauenstrasse 63a, zuhanden der «European Central Office AG». Dies ist der Panama-Papers-Datenbank zu entnehmen, die am Montag veröffentlicht wurde.
Die Firma, die bei den 25 Unternehmen aus Steuerparadiesen als «registrierte Adresse» auftaucht, wird vom Basler Treuhänder Philippe Steiger kontrolliert. Von der bz mit dieser Tatsache konfrontiert, reagiert Steiger höchst überrascht. «Ich bin völlig geschockt und kann mir nicht erklären, was die ‹European Central Office AG› mit diesen ausländischen Firmen zu tun haben soll – diese Unternehmen sagen mir absolut nichts.» Es könne sein, dass jemand die Adresse im Internet recherchiert und missbräuchlich verwendet habe, er werde dieser Sache auf jeden Fall nachgehen, sagt Steiger. Kurze Zeit später, bei einem erneuten Anruf durch die bz, fügt er an, dass ihm «eine der Firmen wage etwas sagt». Eine weitere Abklärung ergab dann aber, dass es sich lediglich um eine Verwechslung mit einer Firma mit ähnlichem Namen handle, die ihren Sitz in Europa habe und mit er in geschäftlicher Beziehung stehe.

Panama Papers (Screenshot) Dieses Dokument des Journalisten- Konsortiums zeigt: 25 Firmen mit Sitz auf den Seychellen, den British Virgin Islands und in Panama (aussen) verweisen auf die Adresse der Firma eines Basler Treuhänders (in der Mitte).

Panama Papers (Screenshot) Dieses Dokument des Journalisten- Konsortiums zeigt: 25 Firmen mit Sitz auf den Seychellen, den British Virgin Islands und in Panama (aussen) verweisen auf die Adresse der Firma eines Basler Treuhänders (in der Mitte).

Screenshot offshoreleaks.icij.org

Kein Hinweis auf Rechtsbruch

Ursprung der von der «Süddeutschen Zeitung» Anfang April veröffentlichten Informationen ist ein Datenleck bei der panamaischen Anwaltskanzlei Mossack Fonseca. Am Montag stellte ein internationales Journalistenkonsortium die Namen von über 200 000 Offshore-Firmen und ihre Beziehungen zueinander online. Das Konsortium hält fest, dass es sich dabei keinesfalls nur um widerrechtliche Konstrukte handle. Es gebe durchaus legitime Gründe für die Gründung einer Off-Shore-Firma, etwa zur Abwicklung von internationalen Geschäften oder zur Organisation eines Familienvermögens. Dennoch konnten die Recherchen diverser Zeitungen illegitime Zwecke wie Geldwäsche oder Steuerflucht nachweisen, was unter anderem zum Rücktritt des isländischen Premierministers Sigmundur David Gunnlaugsson geführt hat.
Steiger sagt, dass seine Firma «meines Wissens nach keinerlei Bezug zur Kanzlei Mossack Fonseca» hatte. Die «European Central Office AG» würde keine solche Aktivitäten verfolgen, sondern, wie auch dem Handelsregister zu entnehmen sei, Buchhaltungs-, Beratungs- und Bürodienstleistungen erbringen. Zudem hält er fest, dass es in der Schweiz absolut legal und weit verbreitet sei, eine Domizilstelle für Gesellschaften zu sein.

Weitere Spuren in die Region

Auch die Basellandschaftliche Kantonalbank (BLKB) taucht in der Panama-Papers-Datenbank auf, und zwar mit einer Geschäftsbeziehung zur «Nitton Management S.A.» (die bz berichtete). Die Geschäftsbeziehungen bestünden jedoch seit Ende 2010 nicht mehr, sagte BLKB-Sprecherin Monika Dunant. 26 weitere Adressen aus der Region sind aufgeführt, wobei die meisten davon auf Bürogebäude oder Mehrfamilienhäuser verweisen, also nicht eindeutig zuzuordnen sind. Die «Tageswoche» führt fünf Beispiele auf: Die Tubenfabrik Obrist in Reinach, die seit 2014 in Konkurs ist, wird mit der Off-Shore-Firma «Olympic Gold Holdings» in Verbindung gebracht. Ein ehemaliger Besitzer einer Liegenschaft an der Schützenmattstrasse aus Russland soll an zwei Briefkastenfirmen beteiligt sein. Und die Basler Rechtsberatungs-Firma Remaco Advisory Services AG soll laut Datenbank Aktionär einer Off-Shore-Firma auf den British Virgin Islands sein, wobei die Verantwortlichen gegenüber der «Tageswoche» sagen, dass keine Geschäftsbeziehung bestehe.

In all diesen Fällen gilt: Die alleinige Tatsache, dass die Firmen in den «Panama Papers» auftauchen, beweist in keinster Weise eine Verstrickung in dubiose Geschäfte. Aber es gibt einen Eindruck, wie komplex diese Off-Shore-Strukturen aufgebaut sind wie weit ihre Verzweigungen reichen.