Gerbergässlein
Die Legenden bröckeln: Sanierung der Basler «Wall of Fame» gestoppt – wegen eines Nachbarschaftsstreits

Im Basler Gerbergässlein bröckeln langsam die Graffitis an der «Wall of Fame» ab. Die Sanierung hat begonnen – und musste bereits wieder gestoppt werden. Dem Ganzen liegt ein Nachbarschaftsstreit zugrunde.

Oliver Spiess
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«Wall of Fame»: Die Rockstars bröckeln langsam ab
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Noch blickt John Lennon die Besucher der Basler Graffiti-Wand seelenruhig an.
Eine Sanierung ist aber dringend nötig.
Doch die Mühlen der Behörden mahlen langsam.

«Wall of Fame»: Die Rockstars bröckeln langsam ab

Nicole Nars-Zimmer (niz)

Entlang der bei Touristen für Ferienselfies beliebten Graffitiwand am Gerbergässlein zieht sich momentan ein Baugerüst. Wie «Telebasel» berichtete, bröckeln Marc Bellés in die Jahre gekommenen Kunstwerke von Rockmusik-Legenden an der «Wall of Fame» ab, eine Sanierung ist dringend nötig. Diese wurde vor über einer Woche bereits in die Wege geleitet – und jetzt durch das Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) wieder auf Eis gelegt.

Grund für den Baustopp ist die Beschwerde einer Anwohnerin, wie Recherchen der bz zeigen. Sie wandte sich ans BVD, und das Bauinspektorat nahm sich dem Fall an. Es kam zum Ergebnis, dass Sanierungsarbeiten an der Gebäudehülle von Bauten in der Stadtbild-Schutzzone bewilligungspflichtig seien. Inzwischen sei ein entsprechender Antrag aber eingereicht worden, wie Daniel Hofer, Kommunikationsleiter des BVD, mitteilt.

Von einer Behörde zur nächsten

Initiator der Sanierungsarbeiten ist Andy Ibach, Wirt des Lokals L’Unique, welches sich vis-à-vis der «Wall of Fame» befindet. Bereits vor rund drei Jahren habe er für den Erhalt der Graffitimauer eine Bewilligung eingeholt. Schon damals sei es besagte Anwohnerin gewesen, die sich an den Touristen gestört hätte, welche die Wand tagtäglich bestaunen. Dass die nun benötigten Restaurationen nicht unter die damals bewilligten «geringfügigen Änderungen» fallen, hätte er nicht gedacht.

Besonders mühsam sei aber die ganze Bürokratie, die nötig ist, um eine solche Bewilligung zu erhalten: «Es ist unglaublich, wie viele Beamte es braucht, um so etwas zu entscheiden», so Ibach. Der Unique-Wirt sei mehrmals von einer Behördenstelle zur nächsten verwiesen worden. Der laufende Antrag sei zwar inzwischen gutgeheissen worden – zusätzlich müsse aber auch die Denkmalpflege grünes Licht geben. Da sich der kantonale Denkmalpfleger Daniel Schneller momentan aber im Urlaub befindet, könne die Bewilligung frühestens nächsten Montag erteilt werden.

Immerhin vonseiten der Hauseigentümer und nun auch aus der Politik erhält Ibach Unterstützung: Astrid Styger, Verwalterin der Liegenschaft am Gerbergässlein, habe ein Email ans BVD gesendet, in der sie Ibachs Vorhaben unterstützend kommentiert. SVP-Grossrat Pascal Messerli äusserte sich heute via Twitter und in einer Interpellation zu den Vorfällen am Gerbergässli. Er fordert einen schnellen und positiven Entscheid über Ibachs Bewilligungsantrag.

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