Pop
Die legendäre Stimme aus Mali beehrt Basel

Salif Keita, einer der grössten afrikanischen Popstars, kommt am 14. November zum ersten Mal nach Basel. Das Publikum kann majestätische Melodien erwarten.

Stefan Franzen
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Mixt afrikanischen Gesang mit Rock-Elementen zu neuem Pop: Salif Keita.

Mixt afrikanischen Gesang mit Rock-Elementen zu neuem Pop: Salif Keita.

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Fast ein halbes Jahrhundert ist es her, dass dieser Mann gleich zwei Mauern niedergerissen hat. In einer aristokratischen Familie wie der seinen, die ihre Abstammung auf Sounyata, den Gründer des westafrikanischen Mali-Reiches im 13. Jahrhundert, zurückführt, war der Beruf des Musikers verpönt. Zudem hat Salif Keita als Albino einen Makel, der in Afrika mit Aberglauben verknüpft ist: Hellhäutige sind Objekt von Fetischhandlungen, werden sogar umgebracht.

Beide Handicaps scheinen für ihn mehr Ansporn denn Hindernis gewesen zu sein. Gegen den Willen der Eltern entscheidet er sich für ein Leben als Sänger und wird 1970 Teil der berühmten Rail Band, die im Bahnhofsbuffet in der malischen Hauptstadt Bamako eine neue, tanzbare Synthese aus afrokubanischen Klängen und den Traditionen der Mande-Völker schmiedet. Seine helle Stimme gilt als so überirdisch, dass ihn die grossen Konkurrenten in Bamako, Les Ambassadeurs, abwerben. Deren Repertoire ist weltgewandter, sie spielen Salsa, Son, Calypso, Funk, Rock ’n’ Roll, französischen Chanson.

Flucht bei Nacht und Nebel

Die Jahre mit den Ambassadeurs sind abenteuerlich für Keita: Er tritt vor dem guineischen Staatspräsidenten Sekou Touré auf, kommt erstmals nach Paris, und flieht mit der Band bei Nacht und Nebel in die Elfenbeinküste, als sie ihren Mäzen, einen Leutnant, beim Fall des Militärregimes 1978 verlieren und man die Musiker ins Gefängnis stecken will. Von der ivorischen Metropole Abidjan aus arbeitet sich die Truppe wieder hoch, Keita empfängt neue Funk-Impulse durch seine Freundschaft mit dem nigerianischen Afrobeat-Erfinder Fela Kuti, und er lernt im Studio in den USA neue, elektrisch geprägte Sounds kennen.

Nach Auflösung der Ambassadeurs ist es auch dieser Sound, der ihn Mitte der Achtziger als ersten Weltmusik-Solokünstler in Frankreich neben Youssou N’Dour etabliert. Mit internationaler Prominenz wie Joe Zawinul und Grace Jones hat er seitdem auf mehr als einem Dutzend Platten ausgelotet, wie sich die Stegharfe Kora und das afrikanische Xylofon mit Rockinstrumenten, traditionellem Sahel-Gesang und westlichem Popsong zusammenfügen lassen.

Grosser Einsatz für Albinos

Dabei hat Keita nie einen Zweifel daran gelassen, wie eng er mit den Traditionen seiner Heimat verbunden ist. Am Rande von Bamako betreibt er sein Kulturzentrum mit Musikschule, Studio und Hotel. Salif Keitas Herzensanliegen ist nach wie vor der Kampf gegen die Vorbehalte, denen man als Albino tagtäglich begegnet: Immer wieder hat er sich für seine Leidensgenossen eingesetzt und zusammen mit seiner Tochter Nantenin, eine erfolgreiche Paralympic-Sportlerin und Menschenrechtsanwältin, eine Stiftung gegründet. Die kümmert sich um junge Albinos, betreut sie medizinisch und hat für sie ein Bildungsprogramm auf die Beine gestellt.

Doch nicht zuletzt bleibt Salif Keita auch mit Mitte 60 ein grossartiger, charismatischer Sänger – das hat er zuletzt auf seinem Album «Talé» bewiesen, mit dem er die majestätischen Melodien Malis einmal mehr mit Disco, Dub und Salsa verknüpft. Ins Basler Volkshaus kommt er mit einem achtköpfigen Ensemble.

Konzert: Mo, 14. 11., 20.15 Uhr, Volkshaus Basel, Rebgasse 12.

www.volkshaus-basel.ch

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