Tierseuchen
Die kleinen Mode-Hündchen sind ein grosser Seuchenherd

Paris Hilton, Nicole Ritchie und andere It-Girls tragen Mitschuld an der steigenden Tollwutgefahr in der Schweiz. Zugegeben, das ist nun etwas gar zugespitzt. Aber was Kantonstierarzt Michel Laszlo an einer Medienkonferenz zu sagen hatte, geht in diese Richtung.

Nicolas Drechsler
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Der Trendhund: Der Chihuahua.

Der Trendhund: Der Chihuahua.

Keystone

«Kleinhunde sind zunehmend ein Statussymbol, aber kosten sollen sie möglichst wenig», sagte Kantonstierarzt Michel Laszlo gestern an einer Medienkonferenz. Deshalb blühe inzwischen der Import von Hunden und unter den Top Fünf der importierten Hunderassen sind gleich vier Arten Kleinhunde.

So häuften sich auch im Internet die Kaufgesuche und Verkaufsangebote für kleine Hunderassen, die oft aus zweifelhaften Zuchten in Osteuropa stammten. Und Osteuropa ist Hauptverbreitungsgebiet der Tollwut, die so mit den Welpen eingeschleppt wird.

Fliegende Hunde-Händler

Verkauft werden solche Hundewelpen offenbar auch in Basel sozusagen aus dem Kofferraum: «Das ist ohne das neue Tierseuchengesetz nicht verboten. Wir können höchstens Hunde beschlagnahmen und einschläfern», erklärt Laszlo. Das neue Gesetz dagegen sieht vor, den Hausierhandel mit Tieren komplett zu verbieten.

Der Kostendruck führe auch zu massiven Problemen beim Tierschutz, nicht nur bei der Tiergesundheit. Die Schweizer Züchter würden genau darum nur eine geringe Zahl von Hunden liefern: «Der Markt in der Schweiz ist teilweise ausgetrocknet, da die Züchter ihre Muttertiere schonen wollen und ihnen Ruhezeiten zwischen Würfen ermöglichen.»

Neue Seuchen aus aller Welt

Ein weiteres Problem ist das Aufkommen neuer Seuchen in unseren Breitengraden und die damit verbundene Gefahr für Mensch und Tier. Seuchen, die bisher nur in wärmeren Regionen oder auf anderen Kontinenten vorkamen, finden ihren Weg in die Schweiz. Dem Klimawandel und der globalen Wirtschaft sei Dank.

Die Leiterin der Abteilung Gesundheitsschutz, Anne Lévy, sieht hier ein grosses Gefahrenpotenzial: «Die menschliche Gesundheit und die Gesundheit der Tiere hängen eng zusammen.» Das habe man beispielsweise bei der Vogelgrippe oder dem Rinderwahnsinn deutlich beobachten können.

Neue Seuchen, neue Methoden

Bei diesen neuen Seuchen sei ein koordiniertes Vorgehen wichtig, denn den Erregern sind die Kantonsgrenzen egal. Und die althergebrachten Mittel helfen nicht, wie Laszlo ausführte: «Bei exotischeren Krankheiten funktionieren unsere traditionellen Eindämmungsmassnahmen wie isolieren und keulen nur bedingt.»

Das Keulen, also das Notschlachten ganzer Viehbestände, sei zum Beispiel bei der Tollwut sinnlos, da sich diese Krankheit anders verbreite, als beispielsweise BSE. Deshalb brauche es das neue Gesetz und die Präventionsstrategie.

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