Bettler Problematik
Die Fahrenden in Basel schlafen auch bei Kälte draussen – Hilfe wollen sie nicht

Sobald die Grade draussen sinken, sinkt auch die Lust, sich im Freien aufzuhalten. Schliesslich ist es drinnen schön warm und trocken. Doch nicht jeder kann sich das leisten. Die Bettler, die vielen Baslern seit Monaten ein Dorn im Auge sind, haben es jetzt erst recht schwer. Denn auch wenn Minusgrade herrschen, schlafen sie weiterhin unter freiem Himmel.

Deborah Gonzalez, Leif Simonsen
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Schon seit einigen Monaten ist die Bettlerproblematik ein Thema in Basel.

Schon seit einigen Monaten ist die Bettlerproblematik ein Thema in Basel.

Nicole Nars-Zimmer

Jeden Abend das gleiche Szenario: Kaum wird es draussen dunkel, werden am De-Wette-Park mehrere Schlafsäcke in allen Farben und Grössen dicht nebeneinander gereiht. Die Nähe soll den Menschen Wärme geben. Irgendwo unterkommen, das wollen sie nicht. Auch externe Hilfe wollen sie keine. Mehrere Organisationen wollten Kontakt zu den Bettlern aus Osteuropa aufbauen – ohne Erfolg.

Sie sprechen kein Deutsch. Der Basler «Schwarze Peter», der für die hiesige Gassenarbeit zuständig ist, hat bereits in der Vergangenheit mit einer Dolmetscherin versucht, sich mit den Bettlern zu verständigen, erklärt Michel Steiner, Co-Geschäftsleiter des Vereins. Seitdem habe es keinen Kontakt mehr gegeben.

Ausser der Wahlkampf-Politik interessiert sich keiner ernsthaft für die Roma.

(Quelle: Michel Steiner, Co-Geschäftsleiter Schwarzer Peter)

In wessen Verantwortung die Bettler liegen, ist indes nicht geklärt. Genau da liege das Problem, findet Steiner: «Ausser Politikerinnen und Politiker im Wahlkampf interessiert sich kaum jemand ernsthaft für die Probleme der Wanderarbeiter und der Roma im Speziellen.» Die Bettlerproblematik herrscht seit in Basel das Bettelverbot aufgehoben wurde. Nun hat der Grosse Rat einen Vorstoss überwiesen, der das Verbot wieder einführen will.

Gassenküche verhängte temporäres Hausverbot

Auch die Basler Notschlafstelle hat kaum Informationen zu den osteuropäischen Bettlern. Sie würden lediglich die Personalien der Übernachtenden erfassen und könnten somit nicht unterscheiden, wer bettelt und wer nicht. Die meisten Übernachtenden würden die Schlafstelle jedoch alleine aufsuchen und nicht in Familien, wie es für die Roma üblich ist. Obwohl es immer kälter wird, verzeichnet die Notschlafstelle keine Veränderung in Sachen Übernachtungszahlen. Ob die Familien aus dem De-Wette-Park diese Einrichtungen zumindest vereinzelt nutzen, um der Kälte zu entfliehen, ist nicht sicher.

Die Basler Gassenküche haben die Gruppen in der Vergangenheit aber oft genutzt. «Vor ein paar Monaten war viel los», erzählt Andy Bensegger, Leiter der Gassenküche. Seit einem Monat sei es jedoch ruhig geworden. Die Gruppen seien weitergezogen. Vereinzelt kämen sie noch zum Takeaway-Frühstück. Die grossen Gruppen bleiben aber aus. Den Grund kennt Bensegger nicht: «Vor zwei Monaten herrschte für die Gruppen zwei Tage Hausverbot.» Sie hätten sich nicht an die Regeln gehalten und das Takeaway «regelrecht gestürmt».

Am Tag suchen sie Zuflucht in warmen Trams

Auch die Corona-Hygienemassnahmen seien nicht respektiert worden. «Entweder man benimmt sich so, wie es sich gehört oder man kommt nicht. Sie haben die Problematik wohl verstanden und kommen deshalb nicht mehr», vermutet der Leiter der Gassenküche. Würden die Gruppen im Winter jedoch wiederkommen, seien sie weiterhin willkommen, sofern die Regeln eingehalten werden, betont Bensegger.

Die Gruppen sind weitergezogen, doch die Kälte bleibt. Und um dieser zumindest tagsüber zu entfliehen, steigen viele der Bettler in die Trams und fahren quer durch die Stadt. Ein Problem, wie einer der Mitarbeiter findet: «Sie fahren schwarz, können aber auch die Bussen nicht bezahlen.»

Die Nächte sind aber um einige Grade kälter und die öffentlich zugänglichen Räume geschlossen. Wenn sie die Hilfe der Organisationen nicht annehmen, könnten sie erfrieren. Ein Problem, das den Organisationen bewusst ist. Wie sie dagegen vorgehen sollen, das weiss keiner. Beim Verein «Schwarzer Peter» sei man noch in Verhandlungen, wie es weitergehen soll. Doch entschieden sei noch nichts, wie Steiner sagt: «Eines ist klar: Es soll niemand erfrieren. Und darauf werden die Massnahmen klar fokussieren.»

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