Euro 2016
Die Briten lachen über unsere Trikots – wir präsentieren Alternativen

Die Fussball-Euro 2016 beginnt zwar erst morgen. Geht es nach den Engländern, so haben wir in einer Kategorie bereits verloren: Die Schweizer hätten die lahmsten Trikots, scheibt der «Telegraph». Wir liefern Alternativen.

Benjamin Wieland
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Wie darf es denn sein? Die bz hat sich nach alternativen Designs für das Trikot der Schweizer Nati umgesehen. Wählen Sie Ihren Favoriten!

Wie darf es denn sein? Die bz hat sich nach alternativen Designs für das Trikot der Schweizer Nati umgesehen. Wählen Sie Ihren Favoriten!

bz

Der «Daily Telegraph» verhöhnt das weisse Shirt der Schweizer Fussball-Nati: Sie käme mit diesem als «Ambulance FC» daher. Die Zeitung hat alle 48 Heim- und Auswärtstrikots der 24 Teams der EM-Endrunde, die morgen beginnt, bewertet. Auch das rote Nati-«Liibli» schneidet mies ab. Beide Entwürfe rangieren unter den schlechtesten zehn – das schafft keine andere Nation.

Geht gar nicht, fanden wir. Und haben lokale Labels um neue Muster gebeten. Drei haben mitgemacht. Unser Fazit: So werden wir optisch Europameister! Ach ja: Das Auswärtsshirt der Deutschen landete auf dem letzten Platz.

Vorschlag 1: Modewerk Liestal: Eine Bergkette, an der jeder Freistoss-Schütze verzweifelt

Eine mächtige Bergkette, viele kleine Schweizerkreuze und ein grosses: Modewerk aus Liestal mags traditionell. Herausgekommen ist ein Design, das «die Herkunft der Mannschaft unterstreichen soll», schreiben die vier jungen Schneiderinnen, die hinter dem Label mit Laden in Liestal stecken: Sabine Holinger, Rhea von der Linden, Désirée Siess, Laura Schaffner.

Sie seien auf der Suche nach einem unverwechselbaren Sujet gewesen. «Schokolade und unsere Berge lagen auf der Hand.» Da jedoch Berge deutlich mehr hergeben würden als ein Schoggistängeli, hätten sie eine mächtige Alpenkette ins Konzept gepackt. Die Alpen stellen wohl nicht zuletzt eine unbezwingbare Mauer bei Freistössen gegen die Schweiz dar ...

Ziemlich eng: Das aktuelle Heim-Shirt der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft.
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«Ambulance FC»: Dem britischen «Telegraph» gefällt weder das rote noch das weisse. Deshalb suchte die bz nach Alternativen.
Vorschlag Nummer 1: Mit einer Alpen- statt einer Viererkette arbeitet das «Modewerk» Liestal.
Vorschlag Nummer 2: Und das Label «kleinbasel» setzt auf Flammen.
Vorschlag Nummer 3: «Tarzan» mags schlicht.
... Und so schaut der Vorschlag von «Tarzan» von hinten aus.

Ziemlich eng: Das aktuelle Heim-Shirt der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft.

KEYSTONE

Sport-Journalist Thom Gibbs, der den Schmäh-Artikel im «Daily Telegraph» über die Trikots der Euro-2016-Teams verfasst hat, ist «amused» über das Alpenleibchen, wie er uns mitteilte, nachdem wir ihm alle drei Entwürfe zugestellt hatten: Das Berge-Design sei kühn. Ob das grosse Schweizerkreuz eine Reminiszenz an das beispiellose Trikot der Marke «Blacky» darstellen soll, welches die Nati 1990 bis 1992 trug, darüber schweigen sich die Modewerk-Macherinnen aus.

Vorschlag 2: Kleinbasel: Der Donnervogel soll mit seinen Flammen die Spielfreude entfachen

Fussballer werden mit allerlei verglichen. Xherdan Shaqiri war in München der «Kraftwürfel», Walter Samuel auch in Basel «il muro», die Österreicher nennen Führungsspieler Primgeiger, und hat einer einen schnellen Antritt, wird er zur Gazelle. Das
Basler Label Kleinbasel wünscht sich nun, dass sich die Schweizer Nationalspieler von einem Auto inspirieren lassen. Von einem ganz besonderen Auto – einem Klassiker, das wird beim Namen des Entwurfs klar: «Thunderbird». Designerin Tanja Klein, Inhaberin von Kleinbasel mit Läden in Basel und Zürich, schreibt, Fotos von flammenbemalten «Thunderbird»-Modellen aus den 50er-Jahren hätten sie inspiriert. Die Flammen übertrug sie auf das Shirt. «Die Flammen züngeln weiss an den Seiten hoch», erklärt Klein. Sie würden der Nati die Richtung anzeigen: nach oben. Bei Thom Gibbs vom «Telegraph» zieht das: Thunderbird, schreibt er, sei sein Favorit.

Vorschlag 3: Tarzan: Ab in neue Sphären: Mit dem Retro-Shirt – und ganz in Rot

Manche mögens puristisch. «Vorne minimal – hinten monumental», umschreibt das Label Tarzan aus Basel seinen Entwurf. Alles kommt uni rot daher: Leibchen, Hose, Stulpen und sogar die Schuhe. Nur auf der Brust prangt, ganz traditionell, das Schweizer Kreuz. Auf der linken Brust, dort, wo das Herz schlägt. Das erinnert doch sehr stark an die ganz alten «Liibli» der Schweizer Nationalmannschaft. Von den Anfängen und noch bis in die 1970er-Jahre hinein trugen die Nationalspieler zumindest bei Heimspielen uni-rote Baumwoll-Leibchen mit Schweizer Kreuz, das auf der Brust mal links, mal rechts platziert war, selten auch in der Mitte. Weit bis nach dem Zweiten Weltkrieg hatte der Kragen Bändel, wie auf Fotos zu erkennen ist, das Shirt musste also geschnürt werden. So weit zurück wagten sich die Designer vom Tarzan-Label mit Shops in Basel, Zürich, Bern und Grindelwald dann doch nicht: Ihr Shirt hat einen Polo-Hemdkragen.

Für den «Daily Telegraph» ist der Tarzan-Entwurf dann doch etwas zu konservativ, wie uns Sport-Redaktor Thom Gibbs mitteilt – wobei er auch diesen dem aktuellen Heim-Trikot der Schweizer vorziehen würde. Auf der Rückseite wirds dann doch noch ausgefallen: Die Spielernummern verlaufen gross und schräg über den Rücken.

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