Zoo Basel
Der Zolli erstrahlt in neuem Glanz – verstaubt oder veraltet nennt ihn jetzt niemand mehr

Pünktlich zur Wiedereröffnung nach der pandemiebedingten Schliessung erstrahlt der Zolli in neuem Glanz. Über den Kassen prangt ein komplett neu gestalteter Schriftzug. Nun blicken einem bereits beim Parkplatz die ersten Tiere entgegen.

Laura Pirroncello
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Der Zolli empfängt seine Besucher mit einem frischen, neuen Gesicht.

Der Zolli empfängt seine Besucher mit einem frischen, neuen Gesicht.

Kenneth Nars

Bis vor Kurzen stand über den Kassen beim Haupteingang noch «Zoologischer Garten Basel» geschrieben. Daneben hingen die Tafeln, welche die vier Grundsätze des Zollis widerspiegelten: Erholung, Bildung, Naturschutz und Forschung. Relativ nüchtern gehalten also.

Geht man aber heute in den Zoo, sieht man keine einfachen, weissen Buchstaben auf der grauen Gebäudefassade mehr. Und auch die vier Tafeln sind verschwunden. Das neue Gesicht des Tierparks strahlt einen nun regelrecht an: Tiere blicken auf die Besucher herunter. An den Seiten und zwischen den beiden Wörtern leuchtet ein sattes, frisches Grün mit dem Spruch «Erleben, was es zu bewahren gilt».

Bis vor Kurzem noch relativ nüchtern: Der Schriftzug über den Kassen des Zolli

Bis vor Kurzem noch relativ nüchtern: Der Schriftzug über den Kassen des Zolli

Zoo Basel

Ist man aufmerksam genug, erkennt man, dass in diesem Spruch mindestens drei der vier Grundsätze des Zoos enthalten sind. Zum einen die Erholung in «erleben» und den Naturschutz in «bewahren». Zum anderen widerspiegelt der gesamte Spruch die Bildung: In dem man das zu Bewahrende erlebt, lernt man auch, wieso man es bewahren und schützen muss. Somit sind die Tafeln zwar verschwunden, an ihrer Stelle steht nun aber ein nicht weniger passender Spruch.

Wer denkt, die Tiere auf, hinter und neben den Buchstaben seien zufällig gewählt, liegt daneben: Denn neben der Kombination von Tieren und Schriftzug haben auch die Tiere und die einzelnen Buchstaben eine Verbindung zueinander. Beim Z blickt ein Zebra auf die Besucher, beim O hängt ein Orang-Utan, hinter dem A schwimmt ein Anemonenfisch. Die ganze Neugestaltung bezieht also auch das Alphabet mit ein.

Die Schockstarre nach dem Ozeaniums-Nein

Das ganze Projekt habe im vergangenen Jahr nach der Niederlage des Ozeaniums begonnen, sagt Marc Riggenbach, der stellvertretende Direktor des Zoos. «Ich habe oft gelesen, der Zoo befände sich in einer Art Schockstarre und tue nichts», erinnert er sich. Zu dieser Zeit kamen die beiden Grafiker Jean Jacques Schaffner und Silvana Conzelmann auf den Zoo zu. Beide waren Schüler vom ehemaligen Grafiker, der die ursprünglichen vier Tafeln der Zoo-Fassade entworfen hatte. Zusammen haben Schaffner und Conzelmann ihre eigene Agentur und konzentrieren sich mittlerweile nur noch auf ausgewählte Projekte. In diesem Zusammenhang haben sie dem Zoo den Vorschlag gemacht, die Gestaltung der Fassade zu einem «sehr attraktiven Preis» zu erneuern.

Dem Zolli gefiel die Idee von der Kombination aus Tier und Alphabet der beiden Grafiker. Es wurde als eine Auffrischung empfunden, gerade nach der Ozeanium-Enttäuschung. Es hat alles gepasst und somit nahm man das Angebot von Schaffner und Conzelmann gerne an. «Ich stelle mir vor, wie Schulklassen vor dem Eingang stehen und der Lehrer fragt, welchen Zusammenhang die Schüler zwischen den Tieren und den Buchstaben erkennen können», sagt Marc Riggenbach.

Neue Bildsprache auch in anderen Bereichen möglich

Auch in Zukunft wird der Zoo wohl noch weiter mit den Grafikern zusammenarbeiten. «Wir sind erst am Anfang», sagt Riggenbach. Man könne sich aber durchaus vorstellen, diese Art der Gestaltung noch weiter zu ziehen. Zum Beispiel könnte man diese Bildsprache vom Eingang auch auf Plakaten verwenden. Doch das müsse erst noch sorgfältig geprüft werden und auch schauen, wie dieser erste Schritt auf die Besucher wirkt.

Ich höre oft, der Zolli seit etwas verstaubt.

(Quelle: Marc Riggenbach, stellvertretender Zoodirektor)

«Ich höre oft, der Zolli sei etwas verstaubt. Zeigt man den Leuten dann, was man alles macht, sind sie dann schon beeindruckt», sagt Riggenbach etwas stolz. Man sei ein professionelles Unternehmen mit ausgebildeten Mitarbeitern. Die neu gestaltete Fassade lässt dem nun keinen Zweifel mehr.