Erlenmatt-Tram
Der Schicksalstag für den öffentlichen Verkehr steht kurz bevor

Für die Befürworter des Erlenmatt-Trams geht es am Abstimmungstag am 18. Mai um nichts weniger als die Zukunft des öV in Basel. Bei einem Nein gerate die Stadt ins Hintertreffen. Darum kämpfen sie nun mit allen Mitteln.

Tobias Gfeller
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Der Bund würde bei einem Ja zum Erlenmatt-Tram 12,4 Millionen Franken aus dem Agglomerationsfonds beisteuern. (Symbolbild)

Der Bund würde bei einem Ja zum Erlenmatt-Tram 12,4 Millionen Franken aus dem Agglomerationsfonds beisteuern. (Symbolbild)

Keystone

68 Millionen Franken für eine Tramlinie von 1,2 Kilometern Länge stehen für die Gegner des Erlenmatt-Trams in keinem Verhältnis zu deren Nutzen. Die Befürworter widersprechen dem mit Vehemenz: «Die Aussage, wonach die 68 Millionen Franken nur für das Tram sind, stimmt so nicht. Für die 68 Millionen gibt es nämlich viel mehr», stellte am Dienstag alt Grossrat Lukas Stutz (CVP) zum Start des Abstimmungskampfes zum Tram Erlenmatt klar.

Die Befürworter wissen, dass die 68 Millionen das wichtigste Argument der Tramgegner sind. «Alles in allem kostet das Tram eigentlich nur 27,2 Millionen Franken», so Stutz. 18 Millionen Franken würden für Strassenarbeiten verwendet, die auch Autofahrern und vor allem Velofahrern zugute kommen. 15 Millionen werden für Arbeiten rund um den Schwarzwaldtunnel verbaut, die auch vorgezogene Unterhaltsarbeiten beinhalten. Und 6 Millionen Franken kostet die Neugestaltung und Aufwertung des Platzes vor dem Badischen Bahnhof. Für Lukas Stutz und das Ja-Komitee sind dies allesamt Kosten, die auch ohne das Tram anfallen würden.

Künftige Bundesgelder in Gefahr

Ein gewichtiger Beitrag an die neue Strecke kommt auch aus Bern. Der Bund würde bei einem Ja zum Erlenmatt-Tram 12,4 Millionen Franken aus dem Agglomerationsfonds beisteuern. Bei einem Nein zum Tram – und somit einem Ja zum Busbetrieb in der Erlenmatt – würde diese Finanzhilfe wegfallen. «Dies wäre ein ganz schlechtes Signal nach Bern», findet SP-Grossrat Jörg Vitelli.

Für die Tram-Befürworter darf man das Projekt Erlenmatt sowohl finanziell wie auch verkehrstechnisch nicht isoliert betrachten. «Der Bund hat bereits angedeutet, bei einem Nein zum Erlenmatt-Tram bei künftigen Projekten zurückhaltend zu sein», betont Christoph Wydler, Co-Präsident der EVP Basel-Stadt. Und dies hätte gravierende Folgen. Denn der 1,2 Kilometer lange Tramabschnitt Erlenmatt soll nur ein erster Schritt zur Umsetzung des Tramnetzes 2020 der beiden Basler Halbkantone sein.

«Das Erlenmatt-Tram erhält erst seine volle Funktion, wenn die Fortsetzungen ebenfalls gebaut werden», so Wydler. Zentral seien dabei die Strecken über die Johanniterbrücke und das «Roche-Tram». Für SP-Grossrat Stephan Luethi geht es am 18. Mai somit um die Zukunft des öffentlichen Verkehrs. «Die Bevölkerung steht vor einem Richtungsentscheid – was sie will, und was sie bereit ist, dafür auszugeben.»

Wiederholt ziehen die Tram-Befürworter Vergleiche mit anderen Schweizer Städten. Allen voran Zürich hätte Basel mit der Glattalbahn und der daraus entstandenen Entwicklung um Jahre abgehängt, ärgert sich Michael Wüthrich, Grossrat des Grünen Bündnis. «Basel droht zur Provinz zu werden», warnt Wüthrich eindringlich. Zürich baue zuerst ein Tram, dann zügeln die Leute ins erschlossene Quartier. «In Basel ist dies umgekehrt», moniert der Verkehrspolitiker.

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