Giacun Caduff schrickt kurz auf, als die Telefonnummer der bz-Redaktion auf dem Display seines Handys erscheint: 555. Die US-amerikanische Filmindustrie, so klärt der Leiter des Gässli Film Festivals auf, hat diese Zahlenkombination gepachtet – damit niemand auf die Idee kommt, eine fiktive Film-Nummer zu wählen.

Dabei hat Caduff durchaus einen guten Draht nach Hollywood: Dass er mit Produzentin und Regisseurin Christine Vachon («Carol») erneut einen grossen Namen für die Festival-Jury gewonnen hat, sagt alles.

Auch das Publikum darf dieses Jahr wieder einen Preis vergeben, den Social Media Publikumspreis, wie er seit 2016 heisst. Abgestimmt wird online: «Wir wollen damit eine Reichweite erzielen, die über das Gässli hinausgeht», so Caduff. Früher habe man die Abstimmung per SMS durchgeführt, was für internationale Teilnehmer von Nachteil war: «Die Fangemeinden im Ausland konnten nicht mitmachen.»

Abgestimmt werden kann schon jetzt – mehr als zwei Wochen vor Festivalstart! Wie soll das aber gehen, ohne den Film zu kennen? Caduff relativiert: Belohnt werde eben auch, wer mehr Anhänger mobilisieren könne. «Es gab einen Fall», erinnert er sich, «als ein Teilnehmer 800 Leute dazu bewegt hatte, ihn mit einer SMS zu unterstützen – für je einen Franken!» Der Siegespreis betrug damals noch 1000 Franken, die Rechnung ging auf.

Heute vergibt das Festival statt Geld einen Sachwert: eine Canon 80D Kamera. «Gerade jungen Filmemachern, die auch die nötige Power zum Promoten aufbringen, liegt viel an einem solchen Preis», sagt Caduff. Die Regeln beim Abstimmen sind einfach: eine E-Mail-Adresse, eine Stimme. «Aber wenn jemand einen Weg findet, das zu umgehen – auch gut», lacht Caduff. Film macht eben erfinderisch. (nü)

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