Euroairport
Billigairline kann London City nicht anfliegen - Flugzeuge zu gross

Die Billigairline Eurowings wird die Swiss am Euro-Airport ersetzen – aber ihr fehlen die passenden Flieger, um den beliebten Flughafen London City anzufliegen. Dessen Piste ist für den Airbus 320 zu kurz.

Stefan Schuppli
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Bald ein Bild der Vergangenheit? – Steiler Anflug in London City mit einer Avro-Maschine der Swiss.

Bald ein Bild der Vergangenheit? – Steiler Anflug in London City mit einer Avro-Maschine der Swiss.

ZVG: London City Airport

London ist die Destination, die ab dem Euro-Airport am meisten angeflogen wird - es gibt fast ein Dutzend Flüge täglich. Ab November kommt noch ein Flug nach London Luton dazu. Der attraktivste Flughafen ist London City, über den das (östliche) Stadtzentrum in einer Viertelstunde erreicht werden kann. Die Swiss bietet die Verbindung morgens früh und am Abend an – das ist bei Geschäftsleuten, die eine teure Übernachtung in London sparen wollen, besonders beliebt.

Doch ab 2015 wird Swiss nicht mehr ab Basel fliegen. Diese Aufgabe wird Eurowings übernehmen, die «Lowcost»-Tochterfirma der Lufthansa. Sie soll zu deutlich tieferen Kosten operieren und dem Konkurrenten Easyjet die Stirn bieten. Um konkurrenzfähig zu sein, wird sie mit Airbus-320-Maschinen fliegen, die mit rund 180 Sitzplätzen deutlich grösser und günstiger zu betreiben sind als die Avros mit 100 Sitzen der Swiss.

Der Nachteil: Der A-320 kann den Flughafen London City nicht anfliegen, weil die Piste mit ihren 1500 Metern viel zu kurz ist. Für den Avro der Swiss ist das kein Problem. Das bestätigt Lufthansa-Sprecher Christoph Meier gegenüber der bz.

Allerdings sei es durchaus auch denkbar, dass für London City eine andere Lösung im Konzern gefunden werde. So werde zum Beispiel Lugano nach der Beendigung der Zusammenarbeit mit der Darwin zukünftig von der österreichischen Tochter Austrian Airlines bedient (mit Flugzeugen vom Typ Bombardier Dash 8 Q400). Wenn die Tagesrand-Verbindung bestehen soll, würde das aber bedeuten, dass eine Maschine und deren Besatzung über Nacht in Basel stationiert werden müsste. Wenn die Besatzung nicht in der Region wohnt und damit Hotelkosten anfallen würden, widerspräche das dem Prinzip, die Kosten tiefstmöglich zu halten.

Wenig wahrscheinlich ist, dass die neuen Bombardier C-Series zum Einsatz kommen, die ab kommendem Jahr zur Swiss-Flotte stossen sollen. Allerdings ist es immer wieder zu Verzögerungen gekommen. Jetzt sieht sich der kanadische Hersteller sogar gezwungen, Stellen abzubauen.

Eine andere Geschichte ist die Frage, ob Eurowings den Hauptsitz nach Basel verlegen wird. Tatsächlich wird diese Option geprüft. Auf jeden Fall soll Eurowings ihren Sitz in Zukunft in der Schweiz, in Österreich oder in Belgien haben. Basel hat keine schlechten Karten, denn auf dem Euroairport stehen am Hauptsitz der Swiss massenweise Büros frei.

Die weiteren Standortvorteile der Schweiz sind das liberale Arbeitsrecht und die tiefen Steuern. Bei den Eurowings-Angestellten dürfte freilich ob der drohenden Zügelei wenig Freude aufkommen: Der heutige Verwaltungsstandort ist Düsseldorf, zwei Jahre zuvor war er noch in Dortmund und Nürnberg. Wie viele neue operative (Nichtverwaltungs-)Stellen durch Eurowings in Basel entstehen, kann in etwa abgeschätzt werden. Easyjet rechnete pro Flugzeug rund 35 Stellen. Bei Eurowings dürfte es in der gleichen Grössenordnung sein.

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