Es liegt in der Natur der Sache, dass die grossen Basler Kulturinstitutionen im Parlament und in der Regierung gut vernetzt sind. Die Flaggschiffe des Basler Kulturlebens dürfen damit rechnen, dass ihre Anliegen von Politik und Kulturförderung berücksichtigt werden. Kleinere Institutionen haben es da schwieriger, zumal die Kulturpolitik in jüngster Zeit damit beschäftigt ist, grosse Löcher zu stopfen wie zum Beispiel im Betrieb des Basler Kunstmuseums.

Das täuscht darüber hinweg, dass sich auch ausserhalb der Museen Baustellen auftun, die in einer Gesamtschau berücksichtigt werden müssen, wenn verhindert werden soll, dass die Schere zwischen den Grossen und Kleinen sich immer weiter auftut. Da wäre zum Beispiel der RFV Basel, der Musik in allen Schattierungen – von Pop über Rap, Rock bis Soul und Electronica – fördert. Die Früchte der Förderpolitik sind unübersehbar, wenn man an überregionale Erfolge und die Qualität von Zeal & Ardor, Ira May, Laurin Buser, Audio Dope oder Anna Rossinelli – um nur einige wenige zu nennen – denkt.

Der Grossteil geht leer aus

Mit dem RegioSoundCredit werden Beiträge an Albumproduktionen, Tourneen und Videoclips gesprochen. Es sind, verglichen mit anderen Sparten, kleine Beträge im vierstelligen Bereich. Trotzdem schlug der RFV kürzlich Alarm: Bei der letzten Jurysitzung im Herbst konnten gerade 33 000 von angefragten 210 000 Franken gesprochen werden, das entspricht lediglich 15 Prozent. Der Grossteil der 29 Bewerber ging leer aus.

«Die Beitragsquote ist so tief wie noch nie, einige qualitativ hochstehende Bewerber gingen leider leer aus», teilte der Verein mit. Er stosse an seine finanziellen Grenzen angesichts der wachsenden Anzahl Gesuche. Während die Gesamtausgaben in der Basler Kultur markant gestiegen sind, arbeitet der RFV seit acht Jahren mit demselben Budget, zu dem Basel-Stadt 390 000 Franken beiträgt.

Mit dem gleichen Problem kämpft die Szene in der bildenden Kunst. Der Kunstkredit verfügt seit Jahren über denselben Betrag, 370 000 Franken.

Auch die freie Tanz- und Theaterszene ist in jüngster Zeit stark gewachsen. Es hat sich eine Szene herausgebildet, die schweiz- und europaweit wahrgenommen wird. An einem Podium im Roxy Birsfelden Anfang dieses Monats wurde klar, dass die Szene sich von der Förderpolitik vernachlässigt fühlt. Der Output, Erfolg und die Professionalität der Basler Theaterszene stimmen nicht mehr mit der Höhe der Fördergelder überein, so der Tenor.

Wie stark die Zahl der Gesuche stieg, zeigte die vergangene Vergaberunde des Fachausschusses Tanz und Theater BS/BL exemplarisch. Der Bedarf an Fördergeldern betrug 1 168 680 Franken. Zur Verfügung standen jedoch nur 320 000 Franken. Von insgesamt 28 eingereichten Projekten konnten nur sechs berücksichtigt werden. Dass Baselland ab 2022 jährlich 105 000 Franken mehr in den Fachausschuss geben wird, dürfte die Wogen nur ein bisschen glätten.

Mit dem Literaturhaus und der BuchBasel sind – ebenfalls in den letzten zehn Jahren – ein Veranstaltungsort und ein Festival entstanden, die internationale Ausstrahlung haben.
Der Stadtkanton fördert das Literaturhaus mit 350 000 Franken pro Jahr. «Die Literaturförderung nimmt einen verschwindend kleinen Platz ein», sagt Katrin Eckert, Leiterin des Literaturhauses. Sie betont zwar, dass die Zusammenarbeit mit und die Wahrnehmung durch das Präsidialdepartement sehr gut sei. «Der Löwenanteil der Literatursubventionen fliesst jedoch in die Bibliotheken. Bei der Förderung zeitgenössischer Literatur gäbe es durchaus noch Optimierungsbedarf.»

Die Orchester Basels haben seit 2017 ein neues Fördermodell. Ziel desselben ist es, Basel als Musikstadt zu profilieren. Die Sinfonietta Basel zieht bis dato eine positive Bilanz. «Wir sind grundsätzlich damit zufrieden», sagt Werner Hoppe, Leiter PR und Marketing.

Einen anderen Blickwinkel hat Marcel Falk, Geschäftsleiter des Kammerorchester Basel. «Die Schere zwischen grossen und kleineren Orchestern tut sich immer mehr auf. Wir finanzieren uns zu 86 Prozent selbst, tragen den Namen der Stadt jedoch in die grossen Konzertsäle Europas wie etwa die Elbphilharmonie.»

Wolle er den Leistungsauftrag mit Basel-Stadt erfüllen und vor Ort sechs Konzerte pro Jahr realisieren, so sei es bei derzeitigem Förderstand nicht möglich, die vom Schweizerischen Verband vorgegebenen Lohnrichtlinien für Orchestermusiker einzuhalten.

Zufrieden kann hingegen die Filmszene sein: Ist sie jahrelang stark vernachlässigt worden, so hat der Grosse Rat kürzlich die substanziell erhöhte Förderung für weitere vier Jahre bestätigt: Für die Filmförderung stellt der Stadtkanton zwischen 2019 und 2022 total 3,6 Millionen Franken bereit.

Eine Lücke geschlossen wird künftig auch in der Jazz-Förderung, die bislang inexistent war. Das soll sich ab 2022 ändern, wenn der Kanton Baselland mehr Geld in den Fachausschuss Musik einbringt.