Basler Eisstrategie
Sanierung abgesagt: Die nächste Pirouette auf der Margarethen-Kunsti

Die 45-Millionen-Franken-Sanierung der Basler Kunsteisbahn ist vom Tisch. Die neuen Ideen für ein Projekt auf dem Dreispitz sind mehr als vage.

Christian Mensch
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Die Kunsteisbahn Margarethen wird nicht saniert.

Die Kunsteisbahn Margarethen wird nicht saniert.

Roland Schmid

Die «Eisstrategie» des Kantons Basel-Stadt ist einmal mehr zurück auf Feld Eins. Die vorberatenden Kommissionen des Grossen Rates lehnen die von der Regierung vorgeschlagene Sanierung der Kunsteisbahn Margarethen ab und schicken die Verwaltung mit neuen Ideen in eine nächste Planungsrunde.

Die Einwände, weshalb die 45-Millionenteure Sanierung der maroden Freizeitanlage auf Binninger Boden - jedoch in Basler Besitz - nicht realisiert werden soll, sind zahlreich. Sie reichen von «zu teuer» über «nicht zielführend» bis zu «nicht ökologisch».

Keine Erwähnung findet allerdings, auf welch gewundenen Kufenfahrten die Regierung überhaupt zum ausgearbeiteten Vorschlag gelangte. Auf diesem Weg lag sowohl ein Kon­zept eines neuen Eispalastes samt unterirdischer 50-Meter-Schwimm­halle und Parking als auch ein vollständiger Abriss der historischen Stätte. Das erste war im hangabsturzgefährdeten Margarethenpark weder technisch zu realisieren noch finanziell zu stemmen. Letztes scheiterte am Veto der Geschichtswahrer und Quartierbewohner.

Seit zwanzig Jahren gilt eine Zukunftsperspektive für die Kunsti als dringlich. Mehr als zwei Jahre hat sich die Justiz-, Sicherheits- und Sportkommission aber Zeit genommen, um das Geschäft abzuschiessen. Aus Formulierungen des vorliegenden Abschlussberichtes geht hervor, dass Regierungsrat Conradin Cramer dabei deutlich genervt die sich hinziehenden Beratungen begleitete.

Ein Kommentar zum Thema

Erfolgreiches Lobbying der Eissportfreunde

Ebenfalls aus dem Bericht ergibt sich, dass die Lobby der Eissportfreunde erfolgreiche Arbeit geleistet hat. Mit beachtenswerter Hartnäckigkeit portieren sie die These, dass es in Basel-Stadt zu wenig Fläche für die rund 2'000 Personen gebe, die sich mit einer gewissen Regelmässigkeit aufs Eis begeben. Sie fordern seit Jahren eine zusätzliche Trainingsstätte auf dem Dreispitz. Dafür wollen sie dort ein in Lausanne ausrangiertes und eingelagertes Eisfeld samt Halle wieder aufbauen. Die Christoph Merian Stiftung wäre als Landeigentümerin dabei – unter der Voraussetzung es findet sich jemand, der bereit ist, jährliche Pachtzinsen in Höhe von 300'000 Franken zu zahlen.

Mit dem Kauf des konkursreifen Eisstadions St. Jakob-Arena hatte Cramers Vorgänger Christoph Eymann versucht, solchen Forderungen den Boden zu entziehen. Vergeblich, wie sich zeigt. Die Regierung wird nicht nur aufgefordert, eine Minimalsanierung für die Kunsti Margarethen auszuarbeiten, sondern auch «als Ergänzung ein Projekt für eine energetisch sinnvolle neue Eishalle vorzulegen».

Dabei wird es nicht bleiben, denn die Eisfreunde haben Alliierte gefunden. So soll das neue Sportzentrum nebst Eisfeld auch eine Handballhalle für das regionale Leistungskader, ein Fitnesspark, ein Pilates Studio, ein Restaurant und weitere nicht-staatliche Einrichtungen beherbergen. Die Kommission ergänzt die Palette um einen weiteren politischen Ladenhüter: Es sei zu prüfen, ob nicht auch gleich ein Hallenschwimmbecken realisiert werden könne.