Patricia von Falkenstein spricht von einem «riesen Murks»: Die einst als sicher geglaubte bürgerliche Ständeratskandidatur ist arg ins Wanken geraten. Die Basler Bürgerlichen und die kleine Kammer – es ist ein leidiges Kapitel. Man muss schon in den Geschichtsbüchern zurückblättern, um die letzte spannende Ständerats-Affiche zu finden. Seit Jahren ist der Kampf ums Stöckli ein Heimspiel für die Basler SP.

Am dichtesten dran war sicher Ueli Vischer. Der ehemalige LDP-Regierungsrat zwang 1991 seinen Kontrahenten in einen zweiten Wahlgang: Gian-Reto Plattner versuchte für die SP, den Sitz von Carl Miville zu verteidigen. Nachdem die Wahlhelfer die Stimmcouverts gezählt hatten, lag noch kein definitives Resultat vor. Erst am Abend konnte Plattner jubeln: 34 Stimmen trennten ihn von Vischer.

Danach musste Plattner nicht mehr zittern. Vier Jahre später versuchte es die LDP nochmals mit Thomas Staehelin, doch da hatte Plattner bereits den Bonus als Bisheriger und damit leichtes Spiel. 1999 schlug national die Stunde der SVP. Im Grossen Rat sassen damals noch nur drei Parteivertreter. Die gut 9500 Stimmen von Peter M. Adam im Ständeratswahlkampf muss nicht nur als Achtungserfolg gewertet werden, sondern kündete gleichzeitig den Triumph der nächsten Kantonalwahlen an. Im Vergleich zu Plattner allerdings mit über 33 000 Stimmen konnte auch Adam der SP nie gefährlich werden.

2003 trat Plattner nicht mehr an, die SP lancierte mit Anita Fetz erstmals eine Frau als Kandidatin. Den Bürgerlichen und Rechten winkte die Chance, die Hegemonie der Genossen anzugreifen. LDP, FDP, CVP und SVP traten aber nicht mit einem Kandidierenden an. Sondern mit je einem. Für die LDP stieg Christine Wirz von Planta in die Hosen, für die FDP Urs Schweizer. Die CVP hob den späteren Nationalrat Markus Lehmann auf den Schild und die SVP präsentierte Angelika Zanolari. Fetz gewann locker. Ob es nur an der Uneinigkeit der Ratsrechten gelegen hatte, lässt sich im Nachhinein nur schwer eruieren. Vielleicht hätte ein gemeinsamer Wahlkampf geholfen. Aber auch zusammengezählt hätten die Stimmen der vier Kandidierenden nicht an das Resultat von Anita Fetz herangereicht.

10'000er-Grenze für die SVP

In den Folge-Wahljahren bestätigte sich bei Fetz ein Phänomen, von dem schon Plattner profitiert hatte: Ihre Wahlresultate wurden stetig besser. 2007 versuchten es die Liberalen mit Andreas Albrecht (17'344 Stimmen) und 2011 die Freisinnigen mit Daniel Stolz erfolglos, Fetz den Rang abzulaufen. Auch Sebastian Frehner wagte den Sprung von der grossen in die kleine Kammer. Er war bereits der dritte SVP-Kandidat, auch er knackte die 10'000-Stimmen-Grenze nur knapp.

Das grösste bürgerliche Fiasko der vergangenen Jahre markiert 2015: Weil sich Christoph Eymann ohne breite Unterstützung nicht verheizen lassen wollte, nutzten die Jungfreisinnigen sowie die Grünliberalen den Wahlkampf zur Plattform, ohne als ernsthafte Konkurrenz zu Fetz aufzutreten. Diese liess SP-interne Kritiker verstummen, die ihr eine zu lange Amtszeit vorwarfen, indem sie ihr persönliches Bestresultat erzielte.

Vier mal die LDP, dreimal die SVP, daneben viel «unter ferner liefen» – stets die Niederlage. Und dennoch gibt es grosse Unterschiede. Zusammenfassend lässt sich nämlich sagen, dass stets die Liberalen die grösste Konkurrenz zu den Sozialdemokraten darstellen können. Die SVP tut sich schwer daran, eine mehrheitsfähige Kandidatin oder Kandidaten zu stellen. Und echte Chancen bieten sich nur, wenn es zu einem Rücktritt kommt – so wie jetzt wieder.