Ausstellung
Design statt Abfall: Basler macht Kunst aus Dingen, die niemand mehr will

Der Künstler Andreas Neuland (43) verhilft ausgedienten Gegenständen zu neuem Wert – als Zeichen gegen die Verschwendung.

Christoph Dieffenbacher
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Andreas Neuland fertigt aus Kinder-Überraschungseiern Lampen im Honigwaben-Look.

Andreas Neuland fertigt aus Kinder-Überraschungseiern Lampen im Honigwaben-Look.

Kenneth Nars

Leere Kinder-Überraschungseier, längst abgestempelte Briefmarken, zerlesene Bücher, ausrangierte Elektronikbauteile und alte Reisekoffer: Aus vielen ausgedienten Dingen, wie sie in Estrichen und Kellern lagern, stellt Andreas Neuland neue Objekte her. Nutzlos und überflüssig gewordene Materialien werden bei ihm oft zu dekorativen Lampenschirmen, aber auch zu Schmuckkästchen und Minibars. Elektronikbauteile verwandelt er in Schmuckstücke oder Magnete.

Andreas Neuland, ein Künstlername und Name einer Firma, ist auch Programm. Der 43-jährige Basler mit Winterthurer Wurzeln und freischaffende Kameramann versteht sich als «Upcycling-Designer». Indem er Zivilisationsabfälle zu Kunstobjekten verwertet, möchte er noch unbekannte Gebiete betreten. Nachdem er an einigen Design-Messen teilgenommen hatte, wurde diese Woche im «Kunstpart» am Spalenberg seine erste Ausstellung eröffnet.

«Eigenes Konsumverhalten infrage stellen»

«Upcycling» nennt sich sein Verfahren, das weiter geht als «Recycling»: Ausrangierte Gegenstände kommen nicht in einen Kreislauf zurück, sondern erhalten durch die Verarbeitung einen höheren Wert. Das kann so weit gehen, dass Abfall zu Kunst oder mindestens zu einem Design-Objekt wird. Allerdings werden dabei die Müllberge wohl nicht viel kleiner.

Laserdiscs, Relikte aus längst vergangenen Technologietagen, werden bei Andreas Neuland angeschmolzen und zu effektvollen Lampen umgewandelt.

Laserdiscs, Relikte aus längst vergangenen Technologietagen, werden bei Andreas Neuland angeschmolzen und zu effektvollen Lampen umgewandelt.

Kenneth Nars

Er möchte mit seinen Objekten aus Abfallstoffen «ein Zeichen gegen die Verschwendung» setzen, sagt der Künstler. Eine nachhaltige Weiterverwendung von Rohstoffen könnte auch die Produktion von neuen Dingen reduzieren. Immerhin bedeute Abfall heute für viele nichts Negatives mehr: «Ideal wäre es, wenn das Publikum das eigene Konsumverhalten infrage stellt.»

Seit über 15 Jahren beschäftigt sich Andreas Neuland mit den Abfällen unserer Wohlstandsgesellschaft, die niemand mehr will oder braucht. Diese Leidenschaft habe bei einem Spaziergang begonnen, als er im Wasser ein rostiges Stück Blech fand. Heute verhilft er manch andern vergessenen Dingen zu neuem Leben – seien das nun alte Kohleschaufeln oder verformte Laserdiscs aus den 1980er-Jahren, die zu Lichtobjekten transformiert werden.

Lampen aus Plastikteilen wie Honigwaben

Bei seiner Suche nach ausrangierten und nicht mehr gefragten Objekten wird der Künstler in der Regel in Brockenhäusern, im Internet und bei Räumungen fündig. Oft lässt er die gekaufte oder ersteigerte Ware zu Hause längere Zeit liegen, bevor ihm die Ideen kommen, was er damit anfangen will.

Und plötzlich erzählt ein ausrangiertes Elektrobauteil eine emotionale Geschichte: die «Everyday Robots» als Magnete.

Und plötzlich erzählt ein ausrangiertes Elektrobauteil eine emotionale Geschichte: die «Everyday Robots» als Magnete.

Kenneth Nars

Manchmal erhalten die geschaffenen Gegenstände durch die Bearbeitung eine ganz besondere Schönheit. Von den bekannten dunkelgelben Plastikhüllen der Kinder-Überraschungseier hatte Andreas Neuland im Internet einmal gleich mehrere hundert ersteigert.

Diese schraubte er von Hand in Kleinstarbeit zusammen, um daraus Lampen herzustellen. Durch die Plastikteile, die an Honigwaben oder Blüten erinnern, schimmert jetzt ein warmes, fast natürliches Licht.

Andreas Neuland: Upcycling – Wohnobjekte.
Kunstpart, Spalenberg 30, Basel. Bis 23. April.
www.andreasneuland.com