Neue Messe
Die französische Art Basel heisst Paris+

Die Basler Kunstmesse hat sich mit Jennifer Flay eine Galionsfigur für ihre neue Messe in Paris gesichert.

Christian Mensch und Mélanie Honegger
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Seit Jahren finden im Grand Palais Kunstmessen statt (im Bild die Monumenta 2014), ab 2024 auch die Paris+.

Seit Jahren finden im Grand Palais Kunstmessen statt (im Bild die Monumenta 2014), ab 2024 auch die Paris+.

Ian Langsdon / EPA

In sieben Monaten bereits muss die MCH Group liefern. Nach ihrem Coup, die traditionelle Pariser Kunstmesse Fiac aus dem Grand Palais vertrieben zu haben, hat sie zu beweisen, dass sie es besser kann. Seit heute ist der Name der neuen Messe bekannt: «Paris+, by Art Basel» soll der kombinierte Kunst-, Mode- und Society-Event heissen.

Art-Chef Marc Spiegler lobt das Team, das die MCH Group in aller Kürze zusammengestellt hat. Er sei zuversichtlich, dass es eine starke erste Ausgabe geben werde. Die wichtigste Personalie, die er ankündigt, besteht jedoch nicht aus dem Dreierteam, das die erste Paris+ organisieren soll. Sie steckt vielmehr im Triumph, dass Jennifer Flay ein Advisory Board präsidieren wird.

Direktorin der Konkurrenzmesse wechselt zu Paris+

Die gebürtige Australierin Flay ist die langjährige Direktorin der Foire internationale d’art contemporain (Fiac). Flay geniesst einen herausragenden Ruf, obwohl die vor ihr verantwortete Messe in den vergangenen Jahren zunehmend in die Kritik geraten ist. Dies wurde aber nicht ihr, sondern dem auf Rendite ausgerichteten Mutterkonzern angekreidet. Flay wird ihr Amt nicht sogleich, sondern erst im März 2023 antreten können, was auf ein bestehendes Konkurrenzverbot hinweisen könnte.

Mit Maxime Hourdequin, der seit 2018 als stellvertretender Direktor die Fiac organisierte, kann bereits die erste Ausgabe der Paris+ von den Erfahrungen der bisherigen Kunstmesse profitieren. Neuer Direktor wird Clément Delépine, der bisher die Nachwuchsmesse Paris Internationale leitete.

Er fühle sich geehrt, wird Delépine in einer Mitteilung der Art Basel zitiert: «Ich freue mich darauf, mit dem gesamten Ökosystem von Galerien, Institutionen und der Kreativ- und Kulturindustrie hier in Paris zusammenzuarbeiten, um ein Ereignis zu schaffen, das die Stadt und die Welt in seinen Bann zieht.» Das kommerzielle Gewissen der neuen Messe wird Virginie Aubert, eine erfahrene Managerin von Christie’s.

Das Plus als positive Marke

Mit dem Namen Paris+ erfüllt Spiegler das Versprechen, dass die neue Messe nicht einfach «Art Basel Paris» heissen werde. Er scheint aber mehr als eine Verlegenheitslösung zu sein. «Der Name ‹Paris+, par Art Basel› zelebriert die herausragende Stellung der Stadt als kulturelles Epizentrum», heisst es in der Mitteilung der Art Basel.

Mit Canal+ haben die Franzosen bereits Erfahrung darin, das mathematische Zeichen als positive Marke zu erkennen. Mit «M+», dem neuen Supermuseum in Hongkong, ist zudem eine neue, weltweit strahlende Kunstmarke entstanden, die das Plus als Auszeichnung trägt.

Keine Überschneidungen mit dem Basler Komitee

Allzu hohe Erwartungen will die MCH für die erste Ausgabe von Paris+ aber offensichtlich nicht schüren. Das Komitee, das in den nächsten Wochen die Galerien auswählen soll, ist stark französisch geprägt. Dabei ist auffallend, dass es keinerlei Überschneidung mit dem Basler Komitee gibt, das die Galerien für die im Juni stattfindende Art Basel auswählt.

Gegenüber «The Art Newspaper» sagte Spiegler kürzlich, die Show in Paris werde für alle vertraut daherkommen, die auch die anderen Messen kennen – einfach mit dem speziellen Einfluss der Stadt und des Landes, in denen sie stattfindet. Auf der gleichen Stufe wie die Messen in Basel und in Miami soll sie aber erst dann sein, wenn sie 2024 nicht mehr im Provisorium auf dem Champs de Mars, sondern im frisch renovierten Grand Palais stattfindet.