Plattentaufe

Anna Aarons Schätze von der Harddisk

Anna Aaron tauft am Freitag ihr neues Album in Basel. (zvg)

Anna Aaron tauft am Freitag ihr neues Album in Basel. (zvg)

Die Basler Musikerin Anna Aaron veröffentlicht ein neues Album und gründet mit Bambient ein eigenes Musik-Label.

Mit ihrem Album «Pallas Dreams» war Anna Aaron im Januar ein Befreiungsschlag geglückt. Nach zwei Longplayern – «Dogs in Spirit» (2011) und «Neon» (2014) – unter der Obhut des Lausanner Labels Two Gentlemen stand die Basler Musikerin plötzlich ohne finanzielle Rückendeckung da. Aber auch ohne kreative Einschränkungen.

Entsprechend frisch kam «Pallas Dreams» daher: Das zuvor prägende Klavier war ganz verschwunden, die Songstrukturen entfernten sich weiter vom Singer/Songwritertum, und der Flirt mit der Tanzfläche wuchs sich zur Liebschaft aus.

Mit dem flirrenden «Boy», dem eingängigen «Moskito» und dem grandios sperrigen «Why Not» lieferte die 34-Jährige ihre bislang eigenständigsten Stücke ab.

Manches erinnert an David Bowies Berlin-Phase

Doch der Prozess war auch ein Kraftakt. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung waren einige der Songs bereits fünf Jahre alt, sagt Anna Aaron gegenüber der bz. Entsprechend schnell ging sie nach der Fertigstellung von «Pallas Dreams» zu neuer Kreativarbeit über: Bereits im Dezember 2018 entstanden im Heimstudio eine Handvoll Ambient-Stücke. Songs, die auf repetitiven Synthie-Mustern basieren und gänzlich ohne Stimme auskommen.

Manches erinnert – und das ist ein grosses Lob – an David Bowies Berlin-Phase. Es sind Klanglandschaften, bei denen Aaron über lange Strecken der Spagat zwischen Hintergrundberieselung und Tiefgang gelingt: Man kann die Musik bewusst hören oder beiläufig. Einzig «Meditation For Humility» funktioniert nicht zur Entspannung: Zumindest auf dem Kopfhörer verursacht das heftige Links-Rechts-Panning Schwindel.

Ein neues Label für experimentelles Material

Dass Aaron diese Aufnahmen nun unter dem Namen «On The Wings Of Supernatural Grace, In the Arms Of The World» so kurz nach dem letzten Album veröffentlicht, habe «keinen bestimmten Grund», wie sie sagt. Sie lasse sich stets von der Musik leiten.

Dass sie ihre Fans mit der stilistischen Kehrtwende erschrecken könnte, glaubt sie indes nicht: «Ich sehe meine Musik nicht so sehr als einen Stil, sondern eher als eine Art Spirit, der in verschiedenen Formen immer derselbe ist.»

Gewisse Pop-Lieder, die sie in der Vergangenheit «aus kommerziell orientierten Gründen» geschrieben habe, würden diesen Spirit weitaus mehr betrügen als ein instrumentales Ambient-Album.

Doch bei einem neuen Album wollte es Aaron nicht bewenden lassen, weshalb sie den Release nun als Taufe ihres neuen Labels Bambient nutzt. Zusammen mit ihrem Bruder Alain Meyer plant Aaron «zwei Hauptreleases» pro Jahr, sowie Kollaborationen mit Gästen.

Sie selber nehme dabei eine «kuratierende Funktion» ein, zumal es bei Labels ohnehin immer mehr üblich sei, dass die Künstler die Kosten für Promoarbeit selber tragen. Es gehe ihr mit Bambient vor allem darum, so Aaron, «die Bandbreite des musikalischen Schaffens der Musiker in meinem Umfeld aufzuzeigen».

Sie kenne viele Leute, die im Verborgenen andere Musik machten als in der Öffentlichkeit: «Das, was unbeachtet auf ihren Festplatten herumliegt, ist oft viel interessanter als das, was sie an die Radios schicken.» Für eben dieses experimentelle Material fehle oft der richtige Rahmen. «Darum gründe ich Bambient.»

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