Läden
An der Clarastrasse verkauft sich nicht mal Sex

Das Geschäft an der Clarastrasse läuft nicht: Mehrere Läden sind in den vergangnen Wochen ausgezogen. Nun auch der Sexshop Magic X. Selbst Stadtentwickler Thomas Kessler glaubt nicht mehr an den einst versprochenen Boulevard

Benjamin Rosch
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«Sex sells» gilt hier nicht: das leere Ladenlokal des ehemaligen Magic X Erotic Megastore.

«Sex sells» gilt hier nicht: das leere Ladenlokal des ehemaligen Magic X Erotic Megastore.

Kenneth Nars

Der Sexshop Magic X verlässt die Clarastrasse. Der Laden ist bereits geräumt, das Schaufenster leer, die Schlüssel übergeben. Zusammen mit der Kontaktbar Red Rose bildete das Geschäft einen etwas zwielichtigen Fleck in der prominenten Strasse im Kleinbasel. Dennoch war Magic X einer der wenigen Läden mit bekanntem Namen. Von Messe- bis Claraplatz reihen sich Discounter, Billigläden und vereinzelt Restaurants aneinander. In den vergangenen Wochen sind mehrere Läden ausgezogen (die bz berichtete), von allen Seiten heisst es: Das Geschäft läuft nicht. Nicht mal Sex verkauft sich in dieser Strasse, die einmal mit dem Namen «Boulevard Clara» betitelt wurde und den Kleinbasler Detailhandel aufwerten sollte.

Investition von 4,7 Millionen

Die Stadtentwicklung in Guy Morins Präsidialdepartement rührte die Werbetrommel, der Grosse Rat bewilligte einen Kredit von 4,7 Millionen Franken. Die Trottoirs wurden breiter, Pflanzen höher – doch die Strasse blieb leer. Von einem Boulevard spricht heute auch Stadtentwickler Thomas Kessler nicht mehr: «Er ist eigentlich ein unmögliches Ding.» Die Konkurrenz aus dem Internet und dem Ausland führten jedoch dazu, dass «er jetzt Potenzial entwickelt für neue, innovative und kreative Angebote.» Wie diese genau aussehen, steht noch offen.

Pop-up-Stores: Grosse Ladenflächen werden unterteilt

Der ehemalige Kleiderladen Spira in der Freien Strasse 42 geht neue Wege. Seit ungefähr einer Woche testen die Besitzer dort jenes Konzept aus, welches dereinst auch die Clarastrasse im Kleinbasel beleben soll: ein Pop-Store. Pop-Stores oder Pop-up-Stores zeichnen sich dadurch aus, dass sie eine grosse Ladenfläche unterteilen und kleineren Anbietern zur Verfügung stellen, die dort ihre Ware anpreisen. Diese richten sich an ein urbanes Publikum, decken meist eine breite Palette von Waren ab und wechseln in der Regel schon nach wenigen Wochen wieder. So auch im Spira: Aktuell stehen Graffitikunstwerke, selbst gemachte Seifen, aber auch Designermöbel und Kleider im Sortiment.

In Pop-Stores ist es auch möglich, dass sich Gastronomie und Detailhandel vermischen. Im Spira gibt es deshalb kalte Platten, Kaffee und Tee. An den Wochenenden legt bisweilen ein DJ auf, an der Bar werden alkoholische Getränke ausgeschenkt.

Spira Popstore
Öffnungszeiten: Dienstag, Mittwoch: 11-18.30 Uhr / Donnerstag/Freitag: 11-20 Uhr / Samstag: 10-18 Uhr

Dass der Sexshop Magic X auszieht, werde indes kaum bedauert, sagt Kessler. Die Gründe sieht er in einem veränderten Konsumverhalten, nicht im Standort. Dem widerspricht jedoch Jan Brönnimann von Magic X: «Wir suchen jetzt wieder einen Standort für einen zweiten Laden in Basel.» Die zweite Filiale am Steinengraben laufe gut, das Potenzial in Basel bestehe nach wie vor. Daneben betreibt die Kette auch in Pratteln zwei Filialen, erfolgreich, wie Brönnimann sagt. Nur im Kleinbasel sei der Geschäftsgang unbefriedigend: «Wir waren nicht glücklich mit der Gegend.» Einen Nachmieter gibt es noch nicht, Gerüchten zufolge sei ein erster Interessent kurzfristig abgesprungen.

Auch ein weniger prominentes, dafür umso grösseres Geschäft macht dicht: Die Firma B+A an der Hausnummer 13 verteilt derzeit Flyer im Quartier, die auf die Totalliquidation aufmerksam machen. «Alles muss weg» heisst es darin. Kindershirts und -hosen gibt es ab 1.90 Franken, Damenblusen ebenso.

Potenzial der schrägen Mischung

Die IG Kleinbasel arbeitet derzeit an einem Projekt mit Pop-up-Stores, wie sie auch in anderen Städten funktionieren. Kleine Ladenflächen also, die Jungunternehmern eine Chance bieten, sich zu etablieren (siehe Kasten). Damit soll das Kleingewerbe im Kleinbasel gerettet werden und die langersehnte Aufwertung eintreffen. Die Realität sieht derzeit anders aus. 2012 sprach Kessler gegenüber der «Basler Zeitung» nicht nur von grossen Investoren für den Boulevard, sondern von einer Einkaufsmeile bis zum Badischen Bahnhof. Zeithorizont damals: drei bis vier Jahre. Nun schraubt er die Erwartungen für die Zukunft nach unten. Kessler sagt: «Die Clarastrasse wird nie eine schmucke Lädelistrasse werden, sondern das Potenzial der schrägen Mischung entfalten.»

Dennoch gibt Kessler nicht auf und gibt eine weitere Prognose ab: «Dank den grossen Flächen sind an der Clarastrasse wirklich neue Ladenmodelle möglich, und durch die dynamischen Entwicklungen und Projekte rund um die Clarastrasse ist sie in fünf Jahren im Zentrum pulsierender Hotspots.»

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