Corona

Am Tag des grossen Notstands: Wie das Virus die ganze Region Basel stilllegt

Während im Baselbiet bereits am Montag Cafés und Läden zu waren, genossen die Basler den letzten Tag vor dem Notstand. Dann ging ein Ruck durch die Gesellschaft: Einen Tag später ist alles nochmals anders. Einige Läden engagierten bereits Security-Personal.

Sie sind kaum zählbar, die Aushänge, die seit gestern die Schaufenster Liestals zupflastern: geschlossen wegen Corona. Kleider- und Blumenläden sind zu, Restaurants bieten nur noch Take-away an, an der Rathausstrasse sind nur zwei Bäckereien und die Coop-Filiale offen. Beim Gang durchs Städtli ist nichts wie sonst. Eine ungewöhnliche Stille hat sich über die Strassen gelegt, nur vereinzelt sind Fussgänger anzutreffen. Und diejenigen, die einem über den Weg laufen, reden alle über dasselbe Thema: Die Notlage, die am Sonntag ausgerufen wurde.

Die neuen Regeln werden in Liestal grundsätzlich eingehalten: Läden, die geschlossen sein müssen, sind geschlossen, gemischte Geschäfte – wie etwa das Bücheli-Center – trennen Bereiche, die nicht offen sein dürfen, klar ab. Auch Hamsterkäufe scheinen sich auf den ersten Blick in Grenzen zu halten. Nur beim WC-Papier konnten es die Einwohner offenbar nicht lassen: Die Regale sind in diversen Läden leer.

Beim Nachbarn galten erst noch andere Regeln

An der Kantonsgrenze scheint die Situation jedoch etwas schwieriger. In Binningen sind die Beizen und Läden zu, doch nur wenige Meter weiter dürfen sie offen bleiben. Darüber ärgert sich Amir Kashani, Inhaber der Café Bar Pia’zza in Binningen. Er ist am Montagmorgen damit beschäftigt, Stühle und Tische wegzuräumen und sich auf die lange Pause vorzubereiten. «Dort profitieren sie», sagt er und zeigt Richtung Stadt, «während wir unsere Mitarbeiter nach Hause schicken müssen.» Ohne finanzielle Unterstützung werde er schon bald Konkurs anmelden müssen, ist er sich sicher. «Es wäre doch sinnvoller, wenn überall dieselben Regeln gelten würden», so Kashani.

Einige hundert Meter weiter befindet sich die Café Bar Melange, es liegt nur knapp auf der Stadtseite. Dicht aneinandergedrängt sitzen die Gäste dort an der Sonne, trotz des warmen Frühlingswetters sind sogar im Inneren Tische besetzt. Es seien viel mehr Gäste da als sonst, bestätigt eine Kellnerin im Vorbeihuschen. Ein Gast bestätigt dies sogleich: Er esse normalerweise in einer Cafeteria, die nun geschlossen ist.

Security soll Kämpfe ums WC-Papier verhindern

Der Anblick der Basler Innenstadt widerspricht jeglichem Panikgefühl. Cafés und Restaurants nutzen den Frühlingsanfang, in der Sonne stehen Stühle und Tische bereit. Auch die Einkaufsstrassen sind gut besucht. Ältere Menschen, Familien, junge Arbeitnehmende: Es könnte ein schöner Samstag sein, an dem die Einkaufsfreudigen durch die Strassen schlendern. Dass dem nicht so ist, zeigt ein Blick in die Migros Claramarkt. Vor dem Mittag stehen die Leute Schlange an den Kassen. Viele wirken gestresst. Sie kaufen Pasta, Tomatensosse, Konservendosen. Dementsprechend leer sind die Regale im Untergeschoss. In einer Ecke steht ein Mann mit oranger Security-Weste. Er schlendert durch das Untergeschoss. «Wie soll ich das erklären», beginnt er. Er sei dafür da, «dass die Kunden nicht ums WC-Papier kämpfen», sagt er. Die Migros-Genossenschaft Basel erklärt auf Anfrage: «Es handelt sich um unsere Ladendetektive, die wir in einigen Filialen zur Sicherheit unserer Kundschaft einsetzen. Sie weisen die Kunden auf die Regeln hin. Dies ist eine präventive Massnahme.»

Im Coop füllt derweil eine Mitarbeiterin die Gemüseregale auf, da tritt ein vornehmer Herr im Anzug an sie heran. «Ich danke ihnen von Herzen», sagt er und fasst mit seiner rechten Hand an seine Brust. Dort, wo das Herz steckt. Die Coop-Angestellte dankt zurück, macht weiter ihre Arbeit.

Dankbarkeit erhält auch die Verkäuferin im Fielmann-Geschäft am Marktplatz. Sie hält jedem Kunden, der den Laden betreten oder verlassen will, die Tür auf. «Dann müssen wenigstens sie die Klinke nicht berühren. Ich kann mir ja jederzeit die Hände desinfizieren.» Die Stimmung im Brillenfachgeschäft sei komisch. «Wir haben ein ungutes Gefühl, gerade weil wir den Kunden oft nahe kommen», sagt die Mitarbeiterin, die im Baselbiet wohnt und jeden Tag nach Basel pendelt. Ihre Kollegin findet klare Worte: «Wir bieten keine lebensnotwendige Dienstleistung, darum sollten wir eigentlich auch schliessen.»

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