Abfall in Basel
Überforderte Hightechkübel am Rheinbord – Stadtreinigung fährt Extratouren

Die neuen Solarpresskübel am Basler Rheinufer schlucken bis zu 1'000 Liter Abfall – mehr als die früheren Container. Dennoch waren sie überfüllt.

Benjamin Wieland
Drucken
Teilen
Seit Dezember stehen die neuen Pressabfallkübel in Basel. Bereits mehrmals kam es zu Überfüllungen.

Seit Dezember stehen die neuen Pressabfallkübel in Basel. Bereits mehrmals kam es zu Überfüllungen.

Benjamin Wieland

Eine Augenweide war das nicht. Die neuen Pressabfallkübel am Kleinbasler Rheinbord waren in den vergangenen Tagen oftmals überfüllt. Offenbar hatte die Basler Stadtreinigung nicht mit derart grossen Abfallmengen gerechnet. Doch mit den frühlingshaften Temperaturen verweilte viel Volk am Rhein. Seltsam ist jedoch, dass die Behälter überhaupt überquellen konnten – sind sie doch mit Sensoren ausgerüstet, die den Füllstand selbstständig der Stadtreinigung übermitteln.

Die Stadtreinigung hat jetzt auf die unschönen Bilder reagiert – und fährt Extratouren. Daniel Hofer, Sprecher des Bau- und Verkehrsdepartements Basel-Stadt, schreibt auf Anfrage der bz:

«An den Wochenenden wurden die Solarkübel am Rhein bislang morgens geleert. Waren die Kübel gemäss der Füllstandsmessung nicht voll, konnten wir auf unnötige Leerungen aber verzichten. Seit Montag vergangener Woche werden die Kübel am späten Nachmittag zusätzlich geleert, wenn sich abzeichnet, dass sie überquellen könnten.»

Seither seien am Kleinbasler Rheinufer keine Kübel mehr übergequollen. Das sei sowieso nur an einem Wochenende vorgekommen.

Die Stadtreinigung macht nun Extratouren, um die Mülleimer zu leeren.

Die Stadtreinigung macht nun Extratouren, um die Mülleimer zu leeren.

Benjamin Wieland

Stadtreinigung ging von gezielter Müllattacke aus

Unter dem Strich muss die Stadtreinigung also mehr Touren fahren – dabei hatte man mit der Beschaffung der Presskübel das Gegenteil angestrebt: weniger Touren. Weil sie selber melden würden, wenn sie voll seien, könne man gezielt Leerungen vornehmen, hiess es am 3. Dezember 2020, am Tag, als der Kanton das erste Exemplar in Betrieb stellte. Das Tiefbauamt teilte damals mit, die mit Solarstrom betriebenen Kübel müssten «deutlich seltener geleert werden». Das spare rund 1,5 Millionen Franken pro Jahr.

Dabei stiessen die staatlichen Abfallschlucker im Januar schon einmal an ihre Grenzen. Ein Modell bei der Mittleren Brücke war derart zugemüllt, dass man es kaum noch sah. Die Stadtreinigung hegte den Verdacht, es habe sich um eine gezielte Attacke gehandelt. Dominik Egli, Leiter der Stadtreinigung, sagte damals zur bz: «Wir können uns nicht erklären, dass so viele Abfalleimer in so kurzer Zeit überfüllt wurden.» Die Behälter haben Kritik hervorgerufen – wegen ihres Designs, einer Mischung aus Radarkasten und Retrokühlschrank.

Die metallenen Vorgänger fassten nur 110 Liter Abfall

Rein von der Kapazität her sollten die neuen Kübel die Abfallmengen locker verdrücken können, zumindest die grössere der beiden beschafften Varianten, die auch am Rheinufer zu finden ist: Dieses Modell kann bis zu 1000 Liter Abfall pressen. Zwar wurden früher zumindest im Sommerhalbjahr am Rheinbord auch Container aufgestellt. Sie fassten jedoch «nur» rund 770 Liter, die runden Metallkübel, Vorgänger der Solarboxen, waren wiederum schon mit 110 Litern voll.

«Die aktuelle Kapazität ist vergleichbar mit jener, die wir bislang nur in der warmen Jahreszeit angeboten haben»,

schreibt Hofer. So bleibe nur eine Erklärung übrig für die übervollen Behälter: enorme Mengen Abfall in kurzer Zeit.

Aktuelle Nachrichten